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Streit um Rentenreform 7.600 Renteneintritte pro Jahr in der Region: NGG warnt vor Rentenkürzungen

Rund 7.600 Beschäftigte gehen in vier Landkreisen jährlich in Rente. Die Gewerkschaft NGG warnt vor möglichen Kürzungen und fordert eine Rente ohne Abschläge nach 45 Beitragsjahren.

Lesezeit 3 Minuten
Rotes Stoppschild mit der weißen Aufschrift „RENTE 45“ vor einer unscharfen, von Bäumen gesäumten Straße.
Wer 45 Beitragsjahre voll hat, soll ohne Abschläge in Rente gehen können. Die Gewerkschaft NGG BadenWürttemberg-Süd fordert von der Bundesregierung, ein „RentenStoppschild 45“ zu setzen. (Bild: Montage / NGG | Tobias Seifert)

In den Landkreisen Ravensburg, Biberach und Tuttlingen sowie im Bodenseekreis werden in den kommenden Jahren durchschnittlich rund 7.600 Beschäftigte jährlich in Rente gehen. Das geht aus Berechnungen des Pestel-Instituts hervor, auf die sich die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) beruft. Angesichts der geplanten Rentenreform fordert die Gewerkschaft, dass Beschäftigte nach 45 Beitragsjahren weiterhin ohne Abschläge in den Ruhestand gehen können.

Landkreis Ravensburg mit den meisten Renteneintritten

Die Berechnungen des Pestel-Instituts zeigen, wie viele Beschäftigte in den vier Landkreisen in den kommenden Jahren voraussichtlich aus dem Berufsleben ausscheiden. Besonders hoch ist die Zahl im Landkreis Ravensburg. Dort werden durchschnittlich rund 2.540 Beschäftigte pro Jahr in Rente gehen.

Im Bodenseekreis sind es jährlich rund 2.000 Beschäftigte, im Landkreis Biberach etwa 1.820 und im Landkreis Tuttlingen rund 1.240. Zusammengerechnet ergibt das für die vier Landkreise rund 7.600 Renteneintritte pro Jahr.

Auch die Gesamtzahl der Menschen im Ruhestand wird nach den Berechnungen bis 2035 eine erhebliche Größenordnung erreichen:

  • Landkreis Ravensburg: rund 70.000 Menschen im Ruhestand
  • Bodenseekreis: rund 59.000 Menschen im Ruhestand
  • Landkreis Biberach: rund 49.200 Menschen im Ruhestand
  • Landkreis Tuttlingen: rund 33.400 Menschen im Ruhestand

Damit werden bis 2035 in den vier Landkreisen insgesamt rund 211.600 Menschen im Ruhestand sein.

Gewerkschaft warnt vor Rentenkürzungen

Die NGG sieht die geplante Rentenreform der Bundesregierung kritisch. Nach Beobachtung der Gewerkschaft sorgt sie insbesondere bei Beschäftigten für Verunsicherung, die bereits 45 Beitragsjahre erreicht haben oder kurz davorstehen.

„Sie befürchten deutliche Abschläge und damit spürbare Einbußen bei ihrer Rente, wenn sie jetzt aus dem Berufsleben ausscheiden wollen“, erklärt Michael Gutmann, Geschäftsführer der NGG-Region Ulm-Aalen-Göppingen. Diese ist für die Landkreise Ravensburg und Biberach sowie den Bodenseekreis zuständig.

Auch Burkhard Siebert, Geschäftsführer der NGG-Region Baden-Württemberg-Süd, äußert entsprechende Bedenken für den Landkreis Tuttlingen.

Die Gewerkschaft fordert deshalb, dass Menschen nach 45 Beitragsjahren weiterhin abschlagsfrei in Rente gehen können. Wer früh ins Berufsleben eingestiegen sei und über Jahrzehnte Beiträge gezahlt habe, dürfe dadurch keine Nachteile erfahren.

Mehr als 523.000 Rentner mit mindestens 45 Beitragsjahren

Wie viele Menschen von langen Erwerbsbiografien betroffen sind, verdeutlichen nach Angaben der NGG Zahlen der Deutschen Rentenversicherung.

Ende 2025 bezogen in Baden-Württemberg gut 767.000 Männer eine gesetzliche Altersrente. Darunter waren rund 373.000 Männer, die mindestens 45 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hatten.

Bei den Frauen lag die Zahl der Altersrentnerinnen bei gut 960.000. Von ihnen hatten rund 150.100 mindestens 45 Beitragsjahre erreicht.

Insgesamt waren das rund 523.100 Menschen mit mindestens 45 Beitragsjahren.

Die Gewerkschaft betont, dass lange Erwerbsbiografien nicht automatisch mit hohen Einkommen verbunden seien. Gerade Beschäftigte in der Lebensmittelproduktion, in Bäckereien, Kantinen und Restaurants seien nach ihrer Einschätzung auf eine verlässliche gesetzliche Rente angewiesen.

NGG lehnt höheres Renteneintrittsalter ab

Neben der Forderung nach einer abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren spricht sich die NGG gegen eine weitere Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters aus.

Die Gewerkschaft appelliert an CDU/CSU und SPD, die geplante Rentenreform sozial auszugestalten und dabei die Situation langjährig Versicherter zu berücksichtigen.

„Es wird dabei immer wieder auf eine steigende Lebenserwartung verwiesen. Doch wer körperlich belastend arbeitet, kann nicht beliebig länger arbeiten“, warnt Michael Gutmann.

Nach Auffassung der NGG würde ein höheres Renteneintrittsalter insbesondere Menschen benachteiligen, die über viele Jahre körperlich anstrengende Tätigkeiten ausgeübt haben. Die Gewerkschaft bezeichnet eine solche Anhebung als Rentenkürzung durch die Hintertür.

Kritik auch an geplanter Kapitalrente

Skeptisch bewertet die NGG zudem die geplante Kapitalrente. Die gesetzliche Altersversorgung müsse aus Sicht der Gewerkschaft verlässlich bleiben und dürfe nicht von den Risiken der Finanzmärkte abhängig werden.

Darüber hinaus fordert die NGG, das Rentenniveau weiterhin an die Lohnentwicklung zu koppeln.

Mit ihren Forderungen richtet sich die Gewerkschaft an die Bundesregierung. Im Mittelpunkt steht dabei die Absicherung von Beschäftigten, die über Jahrzehnte Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben.

(Quelle: Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG))

Schlagwörter

Transparenz

Erstmals veröffentlicht
29.10.2026, 11:17 Uhr

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