Nur ein Bruchteil der Bauarbeiter in der Region arbeitet noch mit über 63 Jahren. Die IG BAU fordert deshalb eine Flexi-Rente und warnt vor einer weiteren Anhebung des Rentenalters.
Wenn der Job längst zu hart und die Rente noch zu weit weg ist: Nach Angaben der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) arbeiten in den Landkreisen Ravensburg, Biberach, Tuttlingen und im Bodenseekreis nur vergleichsweise wenige Beschäftigte am Bau noch über das 63. Lebensjahr hinaus. Die Gewerkschaft fordert deshalb eine Rentenpolitik, die sich stärker an der körperlichen Belastung der Beschäftigten orientiert.
Im Landkreis Ravensburg sind von rund 4.280 Bauarbeitern lediglich etwa 220 Beschäftigte älter als 63 Jahre. Im Landkreis Biberach arbeiten von rund 3.350 Beschäftigten noch etwa 190 in diesem Alter. Im Bodenseekreis sind es bei rund 2.440 Bauarbeitern etwa 130, im Landkreis Tuttlingen von rund 1.880 Beschäftigten lediglich rund 100.
„Ob Maurer, Dachdecker, Kanal- oder Straßenbauer: Sie machen harte körperliche Arbeit. Und das bei Wind und Wetter – bei Hitze und Frost“, sagt Christian Ribatzky, Vorsitzender der IG BAU Südwürttemberg. Für den Landkreis Tuttlingen äußert sich Bezirksvorsitzende Petra Harich inhaltlich identisch. Die Gewerkschaft sieht eine kritische Altersgrenze: Für viele Beschäftigte sei körperlich bereits deutlich vor dem 60. Lebensjahr Schluss.
Flexi-Rente statt längerer Lebensarbeitszeit
Die IG BAU kritisiert die Vorschläge der Rentenkommission, die von der Bundesregierung umgesetzt werden sollen. Aus Sicht der Gewerkschaft brauche es vor allem eine Flexi-Rente mit besseren Übergängen in den Ruhestand für Berufe mit hoher körperlicher Belastung.
„Eine faire Rente muss unbedingt dem Härtegrad der Arbeit angepasst werden“, betont die IG BAU. Gefordert wird ein unkomplizierter Zugang in den regulären Ruhestand für Beschäftigte in körperlich besonders belastenden Berufen – unter anderem am Bau, in der Land- und Forstwirtschaft, der Gebäudereinigung sowie im Garten- und Landschaftsbau.
An die Bundestagsabgeordneten aus der Region appelliert die Gewerkschaft, bei der Rentenreform „Renten-Rückgrat“ zu zeigen und die Pläne der Bundesregierung zu korrigieren. Andernfalls drohten diese Berufe weiter an Attraktivität zu verlieren.
Kritik an geplantem Ende der Rente mit 63
Scharfe Kritik übt die Gewerkschaft außerdem an Überlegungen, die Rente mit 63 abzuschaffen. Gerade die geburtenstarken Jahrgänge hätten ihre Lebensplanung auf dieser Grundlage aufgebaut.
Nach Berechnungen des Pestel-Instituts leben im Landkreis Ravensburg rund 44.500, im Bodenseekreis 34.900, im Landkreis Biberach 31.600 und im Landkreis Tuttlingen 21.400 sogenannte Baby-Boomer, die innerhalb der kommenden zehn Jahre in Rente gehen werden.
Viele von ihnen hätten bereits 45 Beitragsjahre erfüllt. Ihnen nun kurz vor dem Ruhestand die bisherigen Regelungen zu entziehen, schade dem Vertrauen in die Politik, so die IG BAU.
Rentenniveau soll nicht sinken
Neben dem Renteneintrittsalter kritisiert die Gewerkschaft auch die fehlende Garantie für das Rentenniveau. Aus Sicht der IG BAU dürfe dieses ab 2031 nicht unter 48 Prozent sinken. Langfristig müsse das Rentenniveau wieder auf mindestens 53 Prozent angehoben werden.
Die Bundesregierung müsse deshalb schnell Klarheit schaffen und einen Rückgang des Rentenniveaus ausschließen. Auch dafür sollen sich die Bundestagsabgeordneten aus der Region nach Ansicht der IG BAU in Berlin einsetzen.
(Quelle: Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt)