Ein Kommentar Warum kämpfen die Bürger nicht für eine bessere ärztliche Versorgung?

Warum kämpfen die Bürger nicht für eine bessere ärztliche Versorgung?
Riedlinger CDU und SPD laden am 19. September zu einer Informationsveranstaltung des im Bau befindlichen Ambulant Medizinischen Dienstleistungszentrum ein. Ein Kommentar von Wochenblatt-Redakteur Maximilian Kohler. (Bild: Maximilian Kohler / Porträt: Archiv Wochenblatt)

Spätestens mit den Debatten um das Beitragsstabilisierungsgesetz der Krankenkassen rückt die Gesundheitsversorgung immer mehr in den Fokus der Bevölkerung. Es ist eine Binse, dass die Gesundheit das höchste Gute des Menschen ist. Doch bei der medizinischen Versorgung der Bürger gibt es ein starkes Gefälle zwischen den Ballungszentren und den ländlichen Bereichen.

Mit den Schließungen von Kliniken wurden die Menschen in Oberschwaben hart getroffen. Die Bürger in den Raumschaften Laupheim, Bad Waldsee, Bad Saulgau, Pfullendorf und Riedlingen können ein Lied davon singen. In den betroffenen Städten wählte man unterschiedliche Wege, um für die Bürger trotzdem eine gute medizinische Versorgung sicherzustellen.

In Riedlingen kreist der „Berg“ seit 14 Jahren um das Thema und hat bis heute noch nicht einmal die berühmte „Maus“ geboren. Viel Zeit wurde vergeudet, die medizinische Versorgung der Bevölkerung ist nur noch eingeschränkt gegeben.     

Zu den Fakten:

Im Amtsblatt der Stadt wurde vor kurzem veröffentlicht, dass eine Hausarztpraxis noch freie Kapazitäten für neue Patienten habe. Dies hat sich binnen kürzester Zeit mit dem Weggang der angestellten Ärztin nach Oberstadion wohl erledigt. In den anderen Hausarztpraxen gilt ein Aufnahmestopp. Mit ein Grund dafür ist, dass für die Praxen von Dr. Andreas Möller (+), und Dres. Dr. Annemarie Klöß und Dr. Hans-Georg Jäger-Klöß keine Nachfolger gefunden wurden. Dies führt bei einer wachsenden Einwohnerzahl zwangsläufig zu einer hausärztlichen Unterversorgung. Auch hier ist in wenigen Jahren mit einer weiteren Verschärfung der Versorgungslage zu rechnen, wenn Hausärzte altersbedingt ihre Praxistätigkeit beenden. 

Gleiches gilt für die Zahnärzte der Region. Uttenweiler hat keinen Zahnarzt mehr, im Raum Riedlingen gilt ein Aufnahmestopp für neue Patienten.

Besieht man sich die Altersstruktur der niedergelassenen Gynäkologen, kann man verstehen, dass Frauen um ihre medizinische Begleitung und Versorgung in diesem Fachgebiet bangen.   

Seit vielen Jahren gibt es in Riedlingen keinen Kinderarzt mehr. Die Eltern sind gezwungen weite Wege auf sich zu nehmen, damit ihre Kinder fachmedizinisch betreut werden können.

Dies alles nimmt die Bevölkerung in und um Riedlingen natürlich wahr und hinter vorgehaltener Hand wird auch darüber gemeckert. Doch offensichtlich ist niemand bereit den Unmut über die sich verschlechternde medizinische Versorgung öffentlich zu äußern. Bei der Menschenkette um das von der Schließung bedrohte Krankenhaus und bei den Sitzungen des Kreistages dazu war es noch anders. Leider! Scheinbar haben die Bürger der Region mittlerweile resigniert und lassen sich nicht mehr für ein Verbesserung der medizinischen Versorgung vor Ort aktivieren. Es wäre aber höchste Zeit, dass sie sich zu ihrem eigenen Wohle dafür öffentlich engagieren.    

Schwer verständlich ist auch, dass die Bürgermeister der Verwaltungsgemeinschaft Riedlingen so ruhig bleiben. Ihre Bürger sind (eigentlich) in hohem Maße von breit aufgestellten, und guten medizinischen Versorgung des Mittelzentrums abhängig. Doch öffentlich hört man dazu nichts.

Wenigstens die CDU- und SPD-Fraktion des Riedlinger Gemeinderates versuchen Bewegung in die seit Jahren festgefahrenen Positionen bei den Entscheidungsträgern zu bringen. Dies wird aber nicht von allen goutiert, denn wie wir aus sicherer Quelle erfahren haben, poltert die Fraktionsspitze der Bürgererliste (BüL) gegen die Veranstaltung „auf eine Brezel 2.0“!

Warum eigentlich? Ist es nicht auch in ihrem Sinne, dass die Bürger der Raumschaft mitgenommen und gehört werden? Klar ist, auch die BüL trägt Verantwortung für eine gute Gesundheitsversorgung der Bürger. Doch scheinbar mögen sich Teile der BüL immer noch nicht aus ihrer Neiddebatte um die als „Investoren“ bezeichneten Axel Henle, Dr. Sebastian Jung und Hans-Peter Selg lösen. Dies führt leider in die falsche Richtung und verhindert eine Verbesserung der medizinischen Versorgung in der Raumschaft. Den Patienten ist es egal, wer ggf. wieviel Geld verdient, sie wollen nur eine bessere medizinische Versorgung, als es derzeit der Fall ist.

Die BüL sollte sich zudem vor Augen führen, dass der Landkreis und die Stadt über 4 Millionen Euro für das AMD investiert haben, Geld, das bei einem Misserfolg des Ärztehauses regelrecht im Feuer steht und damit zu verbrennen droht!

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