Gerüchte halten sich oft hartnäckig, so auch die immer wieder aufkommende Diskussion um die Versorgungssicherheit der Patienten durch das ZfP in Riedlingen. Die Tagesklinik- und das Ambulanz-Zentrum dient als wichtige Anlaufstelle für Menschen mit psychischen Erkrankungen. In der Vergangenheit hatte das ZfP Interesse an den Räumlichkeiten im geplanten neuen Gesundheitszentrum Riedlingen (im Bau befindlich) bekundet.
Um Klarheit zu schaffen, wie es mit der Versorgung der Patienten in Riedlingen weiter geht, stellten wir Fragen an das ZfP Südwürttemberg (Bad Schussenried):
- Was ist aus dem damaligen Interesse geworden, mit dem PIA- und Tagesklinik- Angebot in das neue Gesundheitszentrum umzuziehen?
- Gibt es inzwischen konkrete Planungen oder Entscheidungen hinsichtlich des künftigen Standorts der PIA in Riedlingen?
- Wie ist der aktuelle Stand der Planungen insgesamt am Standort – sowohl in Bezug auf die Versorgungssituation, als auch auf die räumliche Infrastruktur?
Den Gerüchten nach soll die PIA mittelfristig von einer Schließung bedroht sein. Als Ursachen wird u.a. das Thema Personal angeführt. Um hier für Klarheit zu sorgen – auch im Sinne unserer Leser, sowie potenziell betroffenen Patienten, fragten wir auch hier beim ZfP nach:
- Stimmt es, dass die PIA in Riedlingen mittelfristig zur Disposition steht?
- Falls ja: Zu welchem Zeitpunkt wäre eine Schließung geplant oder denkbar?
- Wo und wie sollen die bisherigen Patientinnen und Patienten der PIA und der Tagesklinik künftig versorgt werden?
- Wie viele Patientinnen und Patienten werden derzeit am Standort Riedlingen versorgt und betreut?
In unserer Nachfrage verwiesen wir auch darauf, dass im Rahmen des Runde-Konzepts als Nachfolgestruktur für das geschlossene Krankenhaus Riedlingen, dem ZfP bei der Umsetzung eine zentrale Rolle zukommt.
ZfP: Versorgung soll verbessert werden
Für das ZfP Regionaldirektion Donau-Riss im ZfP Südwürttemberg, antworteten Dr. Bettina Jäpel und Dr. Paul Lahode: „Entgegen anderslautenden Gerüchten gibt es keinerlei Überlegungen, die Psychiatrische Institutsambulanz (PIA) in Riedlingen zu schließen. Im Gegenteil: Aktuell beschäftigen wir uns intensiv mit der Frage, wie wir die Versorgung von Menschen mit komplexen psychischen Erkrankungen in Riedlingen und Umgebung weiter verbessern können – bedürfnisorientiert, kreisübergreifend und mit dem Ziel, bestehende Versorgungslücken zu schließen.
Ein zentraler Bestandteil dieser Planungen ist die Idee, die derzeit in Riedlingen bestehenden Angebote der Klinik – also PIA und Tagesklinik – mit den gemeindepsychiatrischen Angeboten – Assistenz im Wohn- und Sozialraum (AWS) und dem Psychiatrischen Pflegedienst Ambulant (PPA) – an einem gemeinsamen Standort zu bündeln. Dadurch möchten wir Synergien schaffen und unsere Ressourcen noch gezielter und abgestufter im Sinne einer individuellen Behandlungs- und Versorgungsplanung einsetzen.“
Verhandlungen mit dem Landkreis
Wie das ZfP mitteilte, ist darüber hinaus der Ausbau niedrigschwelliger, tagesstrukturierender Angebote ein wichtiges Anliegen. Ein solcher Ort der Begegnung könnte psychisch erkrankten Menschen zusätzliche Stabilität und Teilhabe ermöglichen. Diese konzeptionellen Überlegungen werden derzeit, so Jäpel und Lahode, in einer Projektgruppe intensiv weiterentwickelt. Erste Gespräche mit dem Landratsamt über mögliche Standorte haben demnach bereits stattgefunden, darunter auch Überlegungen zur (ggf. interimistischen) Nutzung des ehemaligen Krankenhauses. Weitere Gespräche sollen folgen.
PIA behandelt 1000 Patienten im Jahr
Jäpel und Lahode übermittelten auch die Zahl der behandelten Patienten in der PIA: „Hier behandeln wir derzeit rund 1.000 Patientinnen und Patienten pro Jahr; zusätzlich stehen zehn tagesklinische Plätze zur Verfügung – eine Versorgungskapazität, die wir langfristig sichern und weiterentwickeln möchten.“
Kommentar
Stadt und Landkreis müssen zum Runde-Konzept stehen
Der Gesundheitsmarkt und damit die medizinische Versorgungssicherheit der Patienten ist von großer Bedeutung für die Lebensqualität der Menschen einer Region. Riedlingen hat sich mit dem Ärztehaus auf der Klinge und dem begonnenen Neubau des AMD (ambulant medizinisches Gesundheitszentrums) auf den Weg zur Erfüllung dieser Zeile gemacht. Dadurch soll die durch die Schließung des Krankenhauses entstandene Versorgungslücke so weit wie möglich geschlossen werden. Als Kompass für diese Entwicklung dient dabei das Runde-Konzept, dessen konsequente Umsetzung der ehemalige Landrat Dr. Heiko Schmid bereits in der Tageszeitung (Ausgabe 22. Juni 2016) forderte. Der Landkreis hat sich in der Folge am Bau des AMD finanziell beteiligt.
Doch bleiben Fragen, wie geht weitergeht? Bleibt es Dr. Jung ganz alleine überlassen, für die Niederlassung neuer Ärzte/Fachärzte zu sorgen? Wie kann es gelingen, das Runde-Konzept, das den Rahmen bildet, die Akteure klar benannt hat, mit Leben zu füllen? Wie können die im Konzept benannten Akteure bewegt werden, sich auf dem Gesundheitsstandort Klinge anzusiedeln?
Antworten gibt es dazu aus Laupheim und Bad Saulgau. Hier haben die Kommunen die ehemaligen Krankenhäuser für Millionenbeträge gekauft und arbeiten mit Nachdruck daran, die Gesundheitsversorgung in ihrem Einzugsbereich zu verbessern. Obwohl beispielsweise im Landkreis Sigmaringen die SRH das Zentral-Klinikum in Sigmaringen betreibt, eröffnet der Mitbewerber Sana (Zentral-Klinik Biberach) ein MVZ (Medinisches Versorgungszentrum) in Bad Saulgau. Das ehemalige Krankenhaus in Pfullendorf wurde vom ZfP Südwürttemberg gekauft. Das ZfP will am Standort Pfullendorf nach Fertigstellung des Umbaus ab Anfang 2027 die psychiatrische und psychosomatische Abteilung des SRH-Klinikums Sigmaringen, sowie eine neu etablierte, zusätzliche suchtforensische Versorgungseinheit im ehemaligen Krankenhaus in Pfullendorf betreiben.
Besieht man sich die Anstrengungen von Laupheim und Bad Saulgau bei der Verbesserung der medizinischen Versorgung der Bürger, stellt man fest, dass es in Riedlingen weitere Kraftanstrengungen braucht, um einigermaßen mithalten zu können. Im Mittelpunkt der Bemühungen sollte stehen, dass auch in der Region Riedlingen für die Menschen vergleichbare medizinische Versorgungsangebote zur Verfügung stehen.
Gefordert ist aber nicht nur die Stadtverwaltung und Gemeinderat, sondern auch der Landkreis. Ziel muss es sein, dass die im Runde-Konzept erwähnten und klar definierten Versorgungsangebote auf der Klinge angesiedelt werden. Es kann und darf nicht sein, dass der Kreis mit seinen Räumlichkeiten im Schwesternwohnheim und ehemaligen Krankenhaus quasi als Mitbewerber auf dem Riedlinger Gesundheitsmarkt auftritt. Mit der weiteren Vermietung von Räumlichkeiten unterläuft er die von Alt-Landrat Schmid geforderte Umsetzung es Runde-Konzeptes, statt für eine Stärkung des Gesundheitszentrum auf der Klinge zu sorgen, an dem man sich finanziell in Millionenhöhe beteiligte. Wer soll das verstehen?