BIBERACH – 1.647 Straftaten weist die polizeiliche Kriminal- und Verkehrsstatistik 2025 für die Stadt Biberach aus. Gegenüber 2024 bedeutet dies abermals einen deutlichen Rückgang – vor zwei Jahren waren es noch 1.877 Straftaten. „Das ist eine sehr positive Entwicklung“, sagte Stefan Prießner, Leiter des Biberacher Polizeireviers, als er zuletzt im Hauptausschuss zu Gast war. Ging die Zahl der Straftaten in Biberach im Vergleich zum Vorjahr um zwölf Prozent zurück, war es landkreisweit gar ein Minus von 20 Prozent. Damit ist der Landkreis Biberach nach dem Alb-Donau-Kreis und dem Enzkreis der drittsicherste in Baden-Württemberg.
Hochgerechnet auf 100.000 Einwohner ergeben sich für die Stadt Biberach im vergangenen Jahr 4.763 Straftaten (2024: 5.467), für den Landkreis 2.654 (3.284). In Biberach wurden 68 Prozent der Straftaten aufgeklärt, was in etwa dem Niveau der Vorjahre entspricht. 871 Tatverdächtige listet die Statistik auf, 51 weniger als 2024. Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger ging geringfügig auf 44 Prozent zurück. Der Trend aus dem Jahr 2024, dass auffällig viele Kinder zu den Tatverdächtigen zählten, verstetigte sich zudem nicht. „2024 scheint diesbezüglich ein Ausreißer gewesen zu sein“, sagte Stefan Prießner. Von einer erfreulichen Entwicklung konnte er bei den Wohnungseinbrüchen berichten. Deren vier ereigneten sich vergangenes Jahr in Biberach. „Das ist ein nochmaliger Rückgang im Vergleich zum niedrigen Vorjahresniveau.“ 2024 hatte es acht Wohnungseinbrüche gegeben. Beim einfachen und schweren Diebstahl weist die Statistik ebenfalls einen deutlichen Rückgang aus – mit einer Ausnahme. Die Fälle, in denen etwas aus Autos gestohlen wurde, nahmen zu.
Weiter deutlich rückläufig ist darüber hinaus der Bereich Straßenkriminalität. 206 Fälle waren es im vergangenen Jahr (2024: 262). Auch bei den Aggressionsdelikten im öffentlichen Raum zeigt die Statistik eine positive Entwicklung. 102 Fälle bedeuten 13 weniger als 2024. Ebenfalls zurück gingen laut dem Revierleiter Rohheitsdelikte, insbesondere bei Körperverletzungen, und Rauschgiftdelikte. Losgelöst von den Fakten ist es der Polizei aber auch ein Anliegen, das subjektive Sicherheitsgefühl weiter zu stärken, wie Prießner betonte. „Wir versuchen, möglichst viel Präsenz auf den Straßen zu zeigen. Wir wollen eine bürgernahe Polizei sein.“
Mehr Partnergewalt
Bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung liegen die Fallzahlen (61) auf dem Vorjahresniveau. Hauptsächlich ging es dabei um die Verbreitung pornografischer Schriften. „Im öffentlichen Raum findet davon sehr wenig statt“, erklärte Prießner. Von einer bedenklichen Entwicklung musste er bei sogenannter Partnergewalt berichten. Biberach sei mit 53 Fällen und einer Zunahme von 43 Prozent in diesem Bereich gegenüber dem Vorjahr leider keine Ausnahme.
Mehr Unfälle und mehr verletzte Personen führt die Verkehrsstatistik für das vergangene Jahr. Zwar gab es im Stadtgebiet keine tödlichen Verkehrsunfälle, die Zahl der Unfälle stieg jedoch von 410 im Jahr 2024 auf 464. Zu den Hauptunfallursachen gehören das Missachten der Vorfahrtsregelung, zu schnelles Fahren und falsches Abbiegen. Prießner betonte, dass der Verkehrsüberwachung durch das Polizeirevier und den Kommunalen Ordnungsdienst weiterhin große Bedeutung zukomme. Schwerpunkte der Kontrollen seien Alkohol und Drogen, Geschwindigkeit, Ablenkung sowie Gurt und Kindersicherung. Die sogenannten Unfallhäufungsstellen seien für das vergangene Jahr noch nicht final ausgewertet. Unfallschwerpunkte seien aber die B 312 zwischen Flugplatz und Abzweigung nach Attenweiler, das Jordanei, die Nord-West-Umfahrung sowie die B 30.
Bei den besonderen Ereignissen des Jahres 2025 führte Prießner eine schwere Körperverletzung im Wielandpark, bei der eine Frau mit einem Messer verletzt worden war, den SEK-Einsatz am Bismarckring, den Amok-Alarm an den Gymnasien und den Politischen Aschermittwoch auf. Bei Letzterem ergänzte Prießner, dass die Vorkommnisse 2024 einmalig gewesen seien, gleichwohl aber bis zuletzt noch Auswirkungen gehabt hätten. „Wir sind bemüht, zur Normalität zurückzukehren.“ Oberbürgermeister Norbert Zeidler merkte an, dass die Polizei beim nächsten Politischen Aschermittwoch gerne „mutig abrüsten“ dürfe.
Kein sicherheitsrelevanter Ort
Abschließend richtete Stefan Prießner noch einen Blick auf die Themen Tuning und Posing („In Biberach ist das keine große Szene, wir kennen die üblichen Verdächtigen“) sowie den Bereich rund um Bahnhof und ZOB. Das dort normalerweise anzutreffende Klientel habe sich zuletzt eher in Richtung Güterbahnhof bewegt. Prießner ließ anklingen, dass ihm dies lieber sei als ein Ort, an dem täglich Hunderte Kinder und Jugendliche vorbeilaufen. Die Polizei sei überdies mit dem Ordnungsamt im Austausch, ob rund um den Bahnhof Maßnahmen ergriffen werden sollen – in der Vergangenheit war der Bereich mehrfach als sicherheitsrelevanter Ort eingestuft worden. Dadurch kann die Polizei sich dort aufhaltende Personen besser und einfacher kontrollieren. Auf Nachfrage aus dem Gremium präzisierte Prießner, dass eine Einstufung als sicherheitsrelevanter Ort derzeit nicht erforderlich sei. Sollte sich an dieser Einschätzung etwas ändern, könne aber auch kurzfristig reagiert werden. Weitere Wortmeldungen der Räte bezogen sich beispielsweise auf den Enkeltrick, der laut Prießner mittlerweile leider ein „Grundrauschen“ sei, und die gestiegenen Fallzahlen bei der Partnergewalt. Der Polizeioberrat erklärte, dass diese Entwicklung auch für ihn erschreckend sei. Er verwies auf die guten Beratungsangebote in diesem Bereich, betonte aber auch: „Die Angebote sind nur gut, wenn sie auch in Anspruch genommen werden.“
(Quelle: Stadt Biberach)