Der Landkreis Biberach beteiligt sich am Aktionstag „Kommunen am Limit“. Hintergrund sind steigende Ausgaben und wachsende Haushaltsdefizite.
Mit dem Aktionstag „Kommunen am Limit“ wollen Städte, Landkreise und Gemeinden bundesweit am Montag, 22. Juni 2026, auf ihre angespannte finanzielle Lage aufmerksam machen. Auch der Landkreis Biberach beteiligt sich an der Initiative der drei kommunalen Spitzenverbände Deutscher Städtetag, Deutscher Landkreistag und Deutscher Städte- und Gemeindebund.
Gemeinsam mit den Dezernentinnen und Dezernenten sowie den Fraktionsvorsitzenden des Kreistags macht Landrat Mario Glaser deutlich, dass die kommunale Finanzkrise zunehmend spürbare Auswirkungen auf die Bürgerinnen und Bürger hat. Die aktuell diskutierten Einsparungen im Kreishaushalt seien ein deutliches Zeichen für den wachsenden finanziellen Druck.
Kommunales Defizit erreicht Rekordwert
Hintergrund des Aktionstages ist die sich verschärfende Finanzlage der Kommunen. Im Jahr 2025 lag das kommunale Defizit bundesweit bei 31,9 Milliarden Euro und erreichte damit einen historischen Höchststand. Als Ursachen werden vor allem steigende gesetzlich vorgeschriebene Pflichtaufgaben genannt, insbesondere in den Bereichen Sozialhilfe, Eingliederungshilfe sowie Kinder- und Jugendhilfe. Eine ausreichende Gegenfinanzierung durch Bund und Länder fehle vielerorts.
Auch der Landkreis Biberach steht vor erheblichen finanziellen Herausforderungen. Nach einem Defizit von rund 10,5 Millionen Euro im vergangenen Jahr wird für 2026 trotz einer Erhöhung des Kreisumlagehebesatzes ein Haushaltsloch von rund 5,1 Millionen Euro erwartet.
„Auch der Landkreis Biberach steht vor erheblichen finanziellen Herausforderungen. Nach einem Defizit von rund 10,5 Millionen Euro im vergangenen Jahr wird in 2026 trotz der Erhöhung des Kreisumlagehebesatzes ein Haushaltsloch in Höhe von rund 5,1 Millionen Euro erwartet. Einige unserer Städte und Gemeinden können ebenfalls keinen ausgeglichenen Haushalt aufstellen. Es gibt einen Grundsatz, der eigentlich jedem einleuchten müsste: Wer bestellt bezahlt. Und wir merken an verschiedenen Stellen, dass Entscheidungen von Bund und Ländern in der Umsetzung vor Ort eben nicht auskömmlich finanziert sind“, sagt Landrat Mario Glaser.
Einsparungen bei Investitionen und Zuschüssen
Die Folgen der finanziellen Belastung seien auch im Landkreis Biberach spürbar. Nach Angaben des Landkreises sollen Investitionen verschoben, freiwillige Leistungen in den Bereichen Kultur, Sport, Soziales und Ehrenamt reduziert, Zuschüsse im Schülerverkehr gestrichen und weitere Maßnahmen innerhalb des Landratsamts gekürzt werden.
Neben der Finanzierung kritisiert Landrat Glaser auch den hohen bürokratischen Aufwand vieler Aufgaben. „Deutschland ist Weltmeister der Einzelfallgerechtigkeit geworden“, so Landrat Mario Glaser. „Aber dieses System kommt an Grenzen. Wir überfordern damit alle: die Verwaltung, die Leistungserbringer und nicht zuletzt die hilfesuchenden Menschen selbst. Wir brauchen eine Kultur des Weglassens. Modernisierung bedeutet nicht, einen alten Papierstapel durch ein kompliziertes digitales Formular zu ersetzen, sondern Prozesse radikal zu vereinfachen. Wir fordern deshalb: Wieder zurück zu mehr Pauschalierung.“
Landkreis fordert Reformen
Trotz der schwierigen Lage blickt der Landkreis nach eigenen Angaben zuversichtlich nach vorne und unterstützt die Forderung nach einer fairen und verlässlichen Finanzierungsverteilung zwischen Bund, Ländern und Kommunen.
„Die Probleme unserer Zeit sind komplex, aber keineswegs unlösbar. Wir im Landkreis Biberach ducken uns nicht weg und stehen bereit, die Zukunft aktiv zu gestalten. Aber wir brauchen endlich die notwendigen finanziellen Rahmenbedingungen und den Mut zu echten Reformen. Bund und Länder müssen die kommunale Finanzkrise endlich ernst nehmen und handeln – im Interesse aller Bürgerinnen und Bürger vor Ort!“, betont Landrat Mario Glaser.
(Quelle: Landratsamt Biberach)