Das Christkind wird an Heiligabend, Dienstag, 24. Dezember, zum Lied „Stille Nacht“ wieder von den Gutermann‘schen Häusern auf den Biberacher Marktplatz schweben. So ist es Brauch. Damit die Stimmung diesem Ereignis gerecht wird, sollen auf dem Marktplatz von 17 bis 17.50 Uhr sämtliche Lichter in Wohnungen und Geschäftshäusern gelöscht werden.
Seit rund 200 Jahren schwebt jedes Jahr am 24. Dezember das Christkindle in Biberach herab. Seine Anfänge hat der Brauch vermutlich um 1820 herum durch den Apotheker Stecher genommen, der eine Christkindlesfigur aus seinem Fenster herablies. Konditor Ruppert führte diesen Brauch fort und zog in seinem Haus in der Gymnasiumstraße, dessen Fenster mit kleineren Transparenten geschmückt waren, eine beleuchtete Christkindlesfigur an einer Schnur auf und nieder. Den Kindern aus der Nachbarschaft schenkte er zusätzlich Lebkuchen und anderes Weihnachtsgebäck. Auf Ruppert folgte der Konditor Keller.
Mit der Zeit wurden es immer mehr Kinder, daher übernahm ab 1904 der Hospital zum Heiligen Geist das „Christkindle Ralassa“ und verlegte die weihnachtliche Feier von der Gymnasiumstraße in den Spitalhof. Nachdem auch dieser zu klein wurde, findet das jährliche Spektakel seit 1960 auf dem Marktplatz statt. Die aktuelle Christkindlesfigur ist rund 60 Jahre alt, 50 Kilo schwer und 1,40 Meter lang. Über das Jahr hinweg wird sie beim städtischen Baubetriebshof aufbewahrt und instandgehalten. An Heiligabend warten jedes Jahr tausende Menschen nach Einbruch der Dunkelheit auf dem Biberacher Marktplatz darauf, dass die Weihnachtsbeleuchtung ausgeht und das Christkindle sich auf seine Reise macht.
Lebkuchen für die Kinder
Die Mitglieder des Hospitalrates verteilen ab 17 Uhr rund 5.000 Lebkuchen an die anwesenden Kinder. Um 17.30 Uhr, wenn die Lichter am Christbaum auf dem Marktplatz erloschen sind, erklingt das Biberacher Pastorale. Danach folgen die Weihnachtslieder „Vom Himmel hoch“ und „O du fröhliche“. Mit dem Lied „Stille Nacht“ schwebt das Christkind herunter. Es folgt das Lied „Herbei, o ihr Gläubigen“.
Zum Schluss, während sich das Christkind wieder nach oben bewegt, wird eine Strophe des von Justinus Heinrich Knecht komponierten Liedes „Wie können wir, Vater der Menschen, dir danken“ gesungen. Mit Glockengeläut und dem Wiederanzünden der Giebelbeleuchtung an den Häusern geht die Feier zu Ende.
Notenausgabe im Rathaus
Die Musiker beim traditionellen „Christkindle Ralassa“ treffen sich an Heiligabend um 16.30 Uhr im Foyer des Biberacher Rathauses, Matthias-Erzberger-Platz 1, zu Notenausgabe und Anspielen der Weihnachtslieder. Alle interessierten Musiker sind herzlich eingeladen mit ihrem Blasinstrument mitzuspielen: Jung und Alt, Schüler und Aktive aus den Kapellen der Stadt und den Teilorten Biberachs sowie Ehemalige und Freunde aus nah und fern. Die Leitung hat Musikdirektor Andreas Winter.
Wer die Liedtexte für Heiligabend zum Mitsingen üben möchte, kann im Rathaus an der Tourist-Information kostenlos ein Blatt mit allen Texten abholen. Auf der Rückseite ist das Programm für das „Christkindle Ralassa“ abgedruckt.
Biberacher Marktplatz gesperrt
Für die Veranstaltung wird der Marktplatz ab 15.30 Uhr komplett für den Verkehr gesperrt. Die Parkplätze am Marktplatz und in der Schrannenstraße sind bereits ab 15 Uhr gesperrt.
Programmablauf:
- Ab 17 Uhr Lebkuchenausgabe an die Kinder durch Mitglieder des Biberacher Hospitalrates
- 17.30 Uhr: Es erklingen die Lieder „Biberacher Pastorale“, „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ und „O du fröhliche, o du selige“. Zum Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ schwebt das Christkind zur Erde. Es folgt das Lied „Herbei, o ihr Gläubigen“. Zum Lied „Wie können wir, Vater der Menschen, dir danken“ Glockenläuten von St. Martin und Anzünden der Giebelbeleuchtung, mit denen die Feier beendet wird.
(Pressemitteilung: Stadt Biberach)