Nach dem angekündigten Investitionsstopp von Boehringer Ingelheim in Deutschland hat sich Biberachs Oberbürgermeister Norbert Zeidler an Bundeskanzler Friedrich Merz und Ministerpräsident Cem Özdemir gewandt. Er fordert bessere Rahmenbedingungen für Forschung und Innovation.
Mit einem offenen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz und Ministerpräsident Cem Özdemir hat Biberachs Oberbürgermeister Norbert Zeidler auf die Ankündigung von Boehringer Ingelheim reagiert, vorerst keine Neuinvestitionen in Deutschland zu tätigen.
Für Biberach hat die Entscheidung eine besondere Bedeutung. Boehringer Ingelheim beschäftigt am Standort rund 7.700 Mitarbeitende und betreibt dort seinen weltweit größten Forschungsstandort. Zwischen der Stadt und dem Unternehmen besteht seit vielen Jahren eine enge Zusammenarbeit.
Bedeutung für die Region
In seinem Schreiben verweist Zeidler auf die Pharma- und Biotechnologiebranche als innovative Leitindustrie in Deutschland. „Sie sichert hochwertige Arbeitsplätze, steht für technologische Souveränität und leistet einen unverzichtbaren Beitrag zur Gesundheitsversorgung in Baden-Württemberg und bundesweit.“
Die Region zwischen Donau und Bodensee habe sich zu einem leistungsfähigen Wirtschaftsraum entwickelt, in dem die Branche eine Schlüsselrolle einnehme. Ihre Interessen bündele sie im Bio Pharma Cluster South Germany. Besonders sei die enge Vernetzung von Forschungseinrichtungen und international erfolgreichen Unternehmen entlang der gesamten biopharmazeutischen Wertschöpfungskette.
Gerade angesichts geopolitischer Unsicherheiten und fragiler Lieferketten sei es notwendig, die industrielle Basis in Deutschland gezielt zu stärken. Ein Rückgang von Investitionen am Standort Deutschland dürfe nicht zur neuen Normalität werden, betont der Oberbürgermeister.
Appell an Politik und Wirtschaft
Zeidler verweist zugleich auf kommunale Initiativen zur Förderung von Innovationen. So unterstütze die Stadt mit dem Innovations- und Technologietransferzentrum ITZ+ die Vernetzung von Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen.
Vor dem Hintergrund der angekündigten Investitionszurückhaltung fordert der Oberbürgermeister verlässliche, innovationsfreundliche und investitionsfördernde Rahmenbedingungen für den Standort Deutschland. Zudem regt er einen zeitnahen Austausch zwischen Bund, Ländern, Kommunen und den betroffenen Unternehmen an.
Ziel müsse es sein, Forschung und Entwicklung in Zukunftsbereichen wie virenbasierten Therapeutika zur Krebsbekämpfung dauerhaft in Deutschland zu sichern. „Der Zug darf nicht ohne uns abfahren!“
(Quelle: Stadt Biberach)