Am Montag, 1. September, startete die Ausbildung für viele junge Menschen in der Region. Wir fragten bei Frank Stumm (IHK Ulm) nach, wie sich die Ausbildungssituation im Kammerbezirk darstellt.
Herr Stumm, wie viele Stellen konnten besetzt werden?
In der IHK-Region Ulm (Landkreis Biberach, Alb-Donau-Kreis, Stadt Ulm) haben wir zum 1. September 2025 insgesamt 2.001 eingetragene Ausbildungsverhältnisse. Das sind im Vergleich zum Vorjahr zum selben Zeitpunkt 127 Verträge weniger, was einem Rückgang von 6 Prozent entspricht.
Wie viele offene Stellen gibt es noch?
Der IHK selbst werden keine offenen Ausbildungsstellen seitens der Unternehmen gemeldet, daher können wir Ihnen leider keine Zahlen hierzu nennen. Gerne verweisen wir aber auf die jüngste Ausbildungsumfrage der IHK-Organisation.
Bis wann können „Nachrücker“ noch in den Ausbildungsbetrieb einsteigen?
Im September beginnt ein Großteil der jungen Menschen mit ihrer Ausbildung in einem IHK-Beruf. Grundsätzlich kann aber jederzeit ein Ausbildungsverhältnis geschlossen und begonnen werden. Da der Berufsschulunterricht für viele Berufe (ausgenommen Blockbeschulung) im September beginnt, ist es für Nachrücker und kurzfristige Ausbildungsplatzsuchende zu empfehlen sich in den nächsten Wochen noch um einen Ausbildungsplatz zu bemühen.
Welche Berufsausbildungen sind heiß begehrt?
Hier gibt es keine großen Überraschungen und die beliebtesten IHK-Ausbildungsberufe bzw. diese mit den höchsten Azubizahlen sind seit Jahren konstant.
Im gewerblich-technischen Bereich sind dies Industriemechaniker, Mechatroniker und Elektroniker
Im kaufmännischen Bereich sind dies Kaufleute im Einzelhandel, Kaufleute im Büromanagement und Industriekaufleute. Ebenfalls nachgefragt sind die IT-Berufe zum Fachinformatiker.
In der IHK-Region Ulm gibt es mehr als 120 verschiedene Ausbildungsberufe in unterschiedlichsten Branchen mit vielfältigen Berufsperspektiven. Daher wird sich insbesondere auf die bekannteren Berufsbilder bei der Ausbildungsplatzsuche konzentriert. Unbekanntere Berufe haben es dagegen ungleich schwerer. Bei der Suche lohnt sich auch nicht nur der Blick zu den größeren Ausbildungsunternehmen. Auch mittelständische und Kleinunternehmen können eine Vielzahl an unterschiedlichen Ausbildungsberufen und gute Rahmenbedingungen bieten.
In welchen Berufsfeldern gibt es den größten Mangel an Ausbildungsverträgen?
In bestimmten Branchen und Berufsbereichen wird seit einigen Jahren über mangelnde bzw. ausbleibende Bewerber berichtet, bspw. im Bereich Berufskraftfahrer, in den Lagerberufen oder im Bereich Hotel- und Gastronomie.
Welche Empfehlungen haben Sie für die Schulabgänger 2026?
Je früher sich junge Menschen mit der Berufswahl befassen, desto besser. Viele Unternehmen haben bereits begonnen bzw. beginnen in den nächsten Wochen mit der Bewerbungsphase für die Ausbildungsplätze 2026.
Damit Jugendliche den für sie passenden Ausbildungsberuf finden, gibt es zahlreiche Unterstützungsangebote von IHK und Partnern. Besonders wertvoll sind praktische Einblicke: Die von der IHK Ulm unterstützten Praktikumswochen (praktikumswoche.de) ermöglichen es, verschiedene Unternehmen und Berufe kennenzulernen.
Ist die Berufswahl getroffen, kann das Programm „Passgenaue Besetzung“ dabei unterstützen, Ausbildungsplatzsuchende und Unternehmen mit freien Stellen gezielt zusammenzubringen. Ergänzt wird das Angebot durch Azubi-Speed-Datings, bei denen Jugendliche und Betriebe direkt ins Gespräch kommen, sowie dem digitalen Ausbildungsatlas (derausbildungsatlas.de), über den Ausbildungsplätze recherchiert werden können.
Wie wirkt sich die allgemeine Wirtschaftsschwäche auf die Zahl der Ausbildungsplätze aus?
Konkrete Zahlen können wir dazu leider nicht benennen. Laut der erwähnten Ausbildungsumfrage geht die Zahl leicht zurück, was auch mit der teilweise schwierigen wirtschaftlichen Lage zu tun haben kann. Dennoch bleibt der Ausbildungsmarkt ein Bewerbermarkt, da die Anzahl der angebotenen Ausbildungsplätze die Zahl der Bewerber deutlich übersteigt und die Besetzungsproblematik der Unternehmen zunimmt.
In welchen Regionen sind die Ausbildungsangebote besonders groß, wo sind sie eher übersichtlich/gering?
Für die IHK-Region Ulm sind wir in der glücklichen Lage einen guten Branchenmix mit hervorragenden Ausbildungsunternehmen zu haben. Kleinere Unternehmen und Unternehmen mit weniger bekannten Ausbildungsberufen haben es oft schwerer ihre Ausbildungsplätze besetzen zu können.