Handwerkskammer Ulm unterstützt Demonstration gegen überbordende Bürokratie

Unternehmer gehen auf die Straße und demonstrieren.
Unternehmer gehen auf die Straße und demonstrieren. (Bild: Handwerkskammer Ulm)

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Der Schritt in die Selbständigkeit wird für Handwerker durch die zunehmende Bürokratie immer unattraktiver: In einer Umfrage des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) geben knapp zwei von drei Befragten an, dass die bürokratische Last abschreckend ist.

Neben dem steigenden Fachkräftebedarf sehen die Handwerksbetriebe im Gebiet der Handwerkskammer Ulm – über alle Gewerke hinweg – gerade bei diesem Thema den größten Handlungsbedarf. Drei von vier Betrieben leiden laut Umfrage im Alltag zunehmend unter den Bürokratiebelastungen. Fehlende Digitalisierung und Doppelungen verlängern die Arbeit zusätzlich. Viele Betriebe fühlen sich bevormundet und im Kleinsten kontrolliert. Außerdem übernehmen sie zunehmend Staatsaufgaben.

Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm, sagt: „Die überbordende Bürokratie kann den Betriebsinhabern die Freude am Unternehmertun nehmen. Das darf nicht geschehen. Unsere Handwerksbetriebe würden lieber ihrer handwerklichen Tätigkeit nachgehen, als sich im Dickicht der Bürokratie und des Papiers zu verlieren und ausbremsen zu lassen. Wir müssen der ständig weiterwachsenden Bürokratie entschieden entgegentreten. Genug ist genug.“

Die Erfüllung der bürokratischen Anforderungen kostet die Betriebe im Alltag viel Zeit: sie verhindert eine adäquate Kundenbetreuung und verstärkt den Fachkräftebedarf. Das wirkt sich auch auf die Kosten handwerklicher Leistungen aus. Die bürokratischen Vorgaben und Regulierungen können den Betriebsalltag über Wochen einschränken.

Verlegt ein Betrieb zum Beispiel seinen Hauptsitz, müssen die Steuernummer und die Geschäftspapiere komplett angepasst werden. Eine neue Steuernummer muss beim zuständigen Finanzamt beantragt werden. Die Wartefrist dafür beträgt mindestens sechs Wochen. Eine Zeit, in der der Betrieb keine Rechnungen ausstellen kann und entsprechend auch keine Rechnungseingänge erzielt. Ein weiterer Aufwand für die Betriebe versteckt sich hinter der Anhebung der Pflegeversicherung. Hier werden staatliche Aufgaben an die Betriebe delegiert. Jeder Betrieb muss beispielsweise erfassen, ob und wie viele Kinder jeder einzelne Mitarbeitende hat. Ein enormer Zeitaufwand für die Bereitstellung von Daten, die dem Staat bereits in anderer Form vorliegen.

Trotz Rückmeldungen aus der Politik kamen bislang keine spürbaren Entlastungen in den Unternehmen und Betrieben vor Ort an. Die Handwerkskammer Ulm unterstützt deshalb die Protest-Aktion der Unternehmen und Betriebe am 7. November mit der Forderung nach Bürokratieabbau und organisiert diese mit. Mit der angekündigten Aktion wollen IHKs und Handwerkskammern aber auch andere Verbände wie Südwestmetall zudem auf die schwierige wirtschaftliche Situation hinweisen, in der sich viele Unternehmen und Betriebe derzeit befinden.

Nach zahlreichen Gesprächsrunden, Stellungnahmen, Podiumsdiskussionen und diversen Veranstaltungen zum Thema Bürokratielast soll mit dem geplanten Demonstrationszug nun ein Zeichen gesetzt werden. „Wir als Vertretung des Handwerks sind schon seit Langem aktiv. Die Wirkung ist aber bislang ausgeblieben. Angesichts der drohenden Gefahr für unser regionales Handwerk durch die zunehmende Bürokratisierung ist es an der Zeit, zu handeln“, sagt Mehlich.

(Pressemitteilung: Handwerkskammer Ulm)