Kommentar: DFB-Freundschaftsspiele – braucht’s das wirklich?

Kommentar: DFB-Freundschaftsspiele – braucht’s das wirklich?
Die Sinnhaftigkeit von DFB-Freundschaftsspielen erschließt sich vielen Fans nach wie vor nicht. (Bild: Phillip Kofler)

Aulendorf (dab) – Die Fußball-Bundesliga hat nach drei Spieltagen bereits Fahrt aufgenommen, die Gruppen in Europa League und Champions League sind ausgelost und die Fans kehren langsam wieder in die Stadien zurück – eigentlich könnte es jetzt richtig losgehen mit der neuen Saison.

Diese wird nun aber erst einmal wieder durch Länderspiele unterbrochen, deren Sinn sich vielen Fußballfreunden nach wie vor nicht erschließt. Nicht nur in den sozialen Netzwerken wird wild diskutiert.

Am Mittwochabend, 7. Oktober, empfängt Deutschland in Köln die Türkei zu einem Freundschaftsspiel. Erst danach, wenn die beiden Spiele in der Nations-League gegen die Ukraine (10. Oktober) und die Schweiz (13. Oktober) anstehen, reisen etablierte Kräfte wie Manuel Neuer, Joshua Kimmich, Niklas Süle, Leon Goretzka, Serge Gnabry (alle Bayern München), Toni Kroos (Real Madrid) sowie die beiden Leipziger Lukas Klostermann und Marcel Halstenberg an.

Bundestrainer Joachim Löw gönnt seinen Stars eine Pause, er kennt den vollen Terminkalender der Nationalspieler. Da sei nun allerdings die Frage erlaubt: Braucht’s das Türkei-Spiel dann überhaupt? Ich kann mich gut an das dramatische Halbfinale der EM 2008 erinnern, als Deutschland die Türkei erst in letzter Sekunde besiegte. Auch 2011 stieg die Spannung im Vorfeld des EM-Quali-Spiels in Berlin, das die DFB-Elf letztlich ungefährdet 3:0 gewann, fast ins Unermessliche. Von solchen Fußballfesten sind wir derzeit – aus mehreren Gründen – meilenweit entfernt.

Zum einen aufgrund der Pandemie, zum anderen aufgrund der Spielweise der Nationalelf, was wiederum eng mit den nominierten Akteuren zusammenhängt. „Wir wollen junge Spieler entwickeln und ihnen dafür die nötige Zeit und den nötigen Freiraum geben“, hatte Joachim Löw seit der Ausbootung von Thomas Müller, Jerome Boateng und Mats Hummels vor eineinhalb Jahren immer wieder betont.

Meiner Meinung nach verfehlt Löw da allerdings seine Aufgabe: Der Bundestrainer ist dafür zuständig, die besten Spieler des Landes auszuwählen und daraus eine Einheit zu formen. Die Entwicklung findet zu mindestens 95 Prozent bei den Vereinstrainern statt, schließlich sind die Nationalspieler in der Regel immer nur ein paar Tage am Stück zusammen.

Daher gehört ein Thomas Müller ohne Wenn und Aber aufgrund seiner überragenden Leistungen in den vergangenen zwölf Monaten in die DFB-Elf. Was ein Mo Dahoud, der beim BVB keinen Stammplatz hat und nun erstmals nominiert wurde, ein Suat Serdar, der oft verletzt ist und mit Schalke kein Bein auf den Boden bekommt oder ein Nico Schulz, der beim BVB an Raphael Guerreiro nicht vorbeikommt, in der Nationalelf verloren haben, ist mir hingegen schleierhaft.

Eine Chance verdient hat sich der zweite Neuling Jonas Hofmann (Gladbach): Er überzeugt mit konstanten Leistungen und hat sich im stark besetzten Mittelfeld der Fohlen einen Stammplatz gesichert. Dennoch: Die Sinnhaftigkeit von Freundschaftsspielen der Nationalmannschaft – gerade in Zeiten, in denen der Rahmenterminkalender aus allen Nähten platzt – gehört hinterfragt. 

Meiner Meinung nach sollte man lediglich Pflichtspiele absolvieren. Denn in der jüngeren Vergangenheit haben Löws Experimente schon oft zu blutleeren Leistungen in den Testspielen geführt. Das wiederum sorgte in Verbindung mit exorbitant hohen Ticketpreisen für halbleere Stadien. Der DFB hat noch viel Arbeit vor sich und Löw ist gefordert, endlich wieder gute Ergebnisse verbunden mit attraktivem Fußball zu liefern. Was meinen Sie? Schreiben Sie mir gerne Ihre Meinung dazu: d.balzer@wochenblatt-news.de