Weniger Komatrinker im Landkreis Ravensburg: Deutlicher Rückgang im Pandemiejahr

Weniger Komatrinker im Landkreis Ravensburg: Deutlicher Rückgang im Pandemiejahr
Weniger Komatrinker: 53,5 Prozent der Befragten gaben an, sich noch nie länger mit gesundheitlichen Schäden durch Alkoholismus beschäftigt zu haben (Bild: Pixabay)
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Redaktion

Ravensburg – 2016 wurden im Landkreis Ravensburg 338 AOK-Versicherte wegen einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt. Die Zahl fiel kontinuierlich auf 270 im Jahr 2018 und stieg 2019 erneut auf 301. Im von Corona geprägten Jahr 2020 sank die Zahl der Betroffenen stark auf 250 – den niedrigsten Wert der Betrachtung.

Einen ähnlichen Trend gibt es auch in der gesamten Region Bodensee-Oberschwaben. 2019 wurden 645 AOK-versicherte Personen wegen Komatrinkens behandelt, 2020 waren es 502. Das entspricht 0,2 Prozent aller Versicherten. Betroffen waren 375 Männer und 127 Frauen.

Der starke Rückgang der Zahlen im Jahr 2020 lässt vermuten, dass im Coronajahr die Gelegenheiten zum Komatrinken gefehlt haben und eventuell auch insgesamt weniger Alkohol konsumiert wurde. Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der AOK Baden-Württemberg bestätigt diesen Eindruck zum Teil.

Im Frühjahr 2021 wurden 2.500 Baden-Württemberger zu ihrem Alkoholkonsum befragt. Rund ein Viertel (25,4 Prozent) der Befragten aus dem Landkreis Ravensburg gab an, während der Corona-Pandemie weniger Alkohol zu trinken als vorher. Bei 39 Prozent blieb der Konsum gleich, 11,5 Prozent tranken mehr.

Alkoholabhängigkeit ist das größte Suchtproblem in Deutschland

Ernüchternd ist, dass 47,3 Prozent der Befragten aus der Region angaben, mindestens einmal wöchentlich Alkohol zu trinken, 10,9 Prozent davon sogar täglich. „In Deutschland und den meisten europäischen Ländern ist Alkohol als Genussmittel kulturell fest verankert. Der Konsum von Alkohol hat jedoch auch gesundheitsgefährdendes Potenzial. Alkoholabhängigkeit ist das größte Suchtproblem in Deutschland“, warnt Roland Beierl, Geschäftsführer der AOK – Die Gesundheitskasse Bodensee-Oberschwaben.

Der Konsum beginnt oft bereits mit geringem Alter

So gaben 48,8 Prozent der Befragten aus dem Landkreis Ravensburg an, dass sie ihren ersten starken Rausch im Alter bis 17 Jahre hatten, 12,6 Prozent davon waren sogar jünger als fünfzehn.

Roland Beierl ergänzt: „Übermäßiger Alkoholkonsum kann das Risiko zum Beispiel für Krebs, neurologische Störungen, Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems, Störungen im Verdauungssystem und vor allem für Leberkrankheiten erhöhen.“ Doch über die Gefahren sind sich viele nicht bewusst: 53,5 Prozent der Befragten gaben an, sich noch nie länger mit gesundheitlichen Schäden durch Alkoholismus beschäftigt zu haben.

(Die Befragung des Meinungsforschungsinstituts Civey wurde im Zeitraum 27.04.2021 – 03.05.2021 mit 2.500 Teilnehmern durchgeführt)

(Quelle: AOK Ravensburg)