Der Reschenpass und die Brennerautobahn sind besonders bei Reisenden aus Deutschland beliebte Verkehrswege auf dem Weg über die Alpen nach Italien. Wer eine solche Reise in naher Zukunft plant, sollte sich allerdings auf Verkehrsbehinderungen einstellen. Der Grund sind Sanierungs- bzw. Sicherungsarbeiten.
Bereits 1956 besangen Caterina Valente bzw. Peter Alexander, dass eine Reise nach Italien wunderschön sei. 1962 ließ Conny Froboess zwei kleine Italiener von der Reise zurück nach Italien träumen. Auch heute noch zieht es unzählige deutsche Urlauber über verschiedene Alpenpässe in den Süden. Besonders beliebt sind dabei der Brenner- und der Reschenpass.
Überquerung der Alpen flößte den Menschen schon immer Furcht ein
Schien eine Überquerung der Alpen noch im Altertum für die damaligen Menschen schier unmöglich, schaffte Hannibal 218 v. Christus mit seinem Heer samt 37 Kriegselefanten das schier Unmögliche.
Auch die Reise mit dem Mailänder bzw. Lindauer Boten per Kutsche einmal pro Woche von 1322 bis 1824 zwischen Lindau und Mailand durch die wildromantische Graubündener Via Mala Schlucht und über den Splügenpass zeugte von der Gefährlichkeit einer Alpenüberquerung, von der auch Goethe 1786 berichtete.
Längst ist die Reise über die Alpen so z.B. über die Brennerautobahn seit 1971 zur Gewohnheit geworden. Auch die Fahrt über den Reschenpass bereitet in der Regel, wenn man von der üblichen Verkehrsüberlastung im Vinschgau einmal absieht, keine Probleme.
Beiden Alpenübergängen droht jedoch Ungemach: Sanierungsfall Lueg-Brücke am Brenner
So ist die 1,8 km lange Lueg-Brücke auf der Tiroler Seite der Brennerautobahn ein Sanierungsfall. Ab Januar 2025 wird es deshalb eng vor dem Brenner. Die Brücke ist in die Jahre gekommen. Jährlich passieren rund 2,5 Millionen LKWs die Autobahn von und nach Italien.
Die Lueg-Brücke wurde 1960 gebaut und ist zwischenzeitlich ein Sanierungsfall. Deshalb hat die Asfinag (Österreichische Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungsgesellschaft) aus Sicherheitsgründen umfangreiche Sanierungsmaßnahmen geplant und beschlossen.
Alle Verkehrsteilnehmer betroffen – Baubeginn im Januar 2025
Betroffen sind alle Verkehrsteilnehmer, insbesondere aber der Schwerverkehr. Die Lueg-Brücke wird während der Sanierungsarbeiten ab dem 1. Januar 2025 überwiegend nur einspurig befahrbar sein. Das gilt insbesondere 170 Tage lang während der Hauptreisezeit. Die Asfinag rechnet mit großen Staus und Behinderungen.
An 17 Tagen herrscht sogar ein vollständiges LKW-Fahrverbot für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen (die genauen Sperrzeiten gibt die Asfinag noch rechtzeitig bekannt). Die Arbeiten werden wohl bis 2027 andauern.
Asfinag-Geschäftsführer Stefan Siegele rät allen Verkehrsteilnehmern, nicht zu Ferienbeginn bzw- ende oder an Wochenenden über den Brenner zu fahren.
Längere Bauarbeiten auf dem Weg zum Reschenpass
Wer glaubt, deshalb problemlos über den Reschenpass ausweichen zu können, irrt sich. Auch hier drohen spürbare Einschränkungen.
Der Reschenpass ist bei Reisenden in den Süden als Ausweichroute und Alternative zum Brenner sehr beliebt. Während am Brenner im Mai 2024 8298 Fahrzeuge gezählt wurden, waren es am Reschen immerhin noch 6254.
Die Bauarbeiten auf dem Weg zum Reschen haben bereits im September 2024 begonnen und laufen geplant über zwei Jahre. Mit verschiedenen Sperrphasen muss man rechnen.
Neubau einer Steinschlag-Gallerie auf Tiroler Seite
Grund für die Arbeiten ist der Bau einer Steinschlag-Gallerie zwischen Pfunds und Nauders. Zwischen dem 8. Oktober und dem 19. Dezember ist die Straße deshalb komplett gesperrt. Die Umleitung erfolgt kurvig über Schweizer Staatsgebiet.
Der Umweg beträgt 6,6 km. Mit einem zeitlichen Mehraufwand von rund 20 Minuten muss man rechnen. Wohnmobile bzw. Wohnwagengespanne dürfen nicht länger als 6,5 m sein. Längere Fahrzeuge bzw. LKWs müssen großräumig über die Schweiz ausweichen (ggf. Mautpflicht beachten!).
Die gute Nachricht: Während der Wintersaison 2024/2025 (d.h. von 20. Dezember 2024 bis 9. März 2025) ist der Reschenpass zweispurig befahrbar. Dasselbe gilt für die Zeit vom 3. Oktober (Tag der deutschen Einheit) bis 7. Oktober.
Der Klimawandel ist überall spürbar
Wie problematisch ein Ausweichen über andere Pässe sein kann, hat ein Murenabgang auf dem San Bernardino am 24. Juni gezeigt. Die beliebte Pass-Straße zwischen dem Bodensee und Oberitalien war mehrere Wochen vollständig gesperrt, wurde allerdings in Rekordzeit wieder in Stand gesetzt.
Arlbergstraßentunnel ab 23. November wieder offen
Auch am Arlbergpass und der Silvretta-Hochalpenstraße kam es nach Murenabgängen zu Vollsperrungen. Immerhin ist der Arlbergstraßentunnel nach umfangreichen Sanierungsarbeiten ab dem 23. November wieder befahrbar.
Man muss also infolge des Klimawandels bei den Alpenübergängen immer wieder mit Bauarbeiten rechnen. Die Probleme mit dem nachlassenden Permafrost werden sicher nicht weniger werden.