Zielgenau und körperbeherrscht Über die richtige Vorbereitung auf ein Hobby als Sportschütze

Über die richtige Vorbereitung auf ein Hobby als Sportschütze
4,5 Millimeter Geschossdurchmesser, aber 10 Meter Distanz. Was für Laien nach wenig anmutet, ist für Sportschützen eine körperlich-mentale Höchstleistung, wenn die Treffer „Loch in Loch“ sitzen sollen. (Bild: stock.adobe.com © lettas)
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Sportschießen ist nach wie vor eine Körper und Geist gleichermaßen fordernde Disziplin. Wer Erfolg haben will, muss sich daher mehr schulen, als so mancher Uneingeweihte vermutet.

Fast 14.000 Schützenvereine gibt es Deutschlandweit. Sehr viele davon agieren als klassische historische Schützenvereine. Bedeutet, angeboten werden meistens Disziplinen mit Luftgewehr und -pistole (Besitz frei ab 18, Schießen unter Aufsicht ab 12) sowie „scharfen“ Kleinkaliberwaffen (Besitz nur für volljährige Inhaber einer Waffenbesitzkarte, Schießen unter Aufsicht ab 14).

Dadurch sind diese Vereine traditionell die wichtigsten Orte, an denen sich Nachwuchs rekrutiert. Ganz gleich ob für das historische Schützenwesen, die Jagd, die Großkaliber-Sportschützen oder die Olympioniken. Wer in Deutschland hobby- oder berufsmäßig schießt, hat überaus häufig in einem dieser typischen Dorf- und Stadtteilvereine angefangen.

Dabei ist das Schießen mit Druckluft- und Kleinkaliberwaffen ganz grundsätzlich ein sehr guter Lehrmeister. Denn keine andere Waffenklasse hilft so sehr dabei, jene zahllosen detaillierten Abläufe zu verinnerlichen, die nötig sind, um konsistent ein hohes Ziel zu erreichen: Idealerweise mehrere Schüsse in ein und dasselbe Loch des ersten Treffers in der Schießscheibe zu setzen. Wer allerdings hierin brillieren möchte, sollte unbedingt auch abseits des Schießstandes an sich feilen.

Hinweis: Aus Gründen der Laienverständlichkeit haben wir auf einige allgemeinverständlichere Begriffe und Vereinfachungen gesetzt. Etwa „Abzug“ anstelle von „Abzugszüngel“ oder „Druckluftwaffe“ als Gattungsbegriff.

Die richtigen Körperpartien trainieren

Einmal abgesehen von Biathlon sowie den sogenannten IPSC-Disziplinen ist Sportschießen eher statisch. Das bedeutet jedoch keinesfalls, das Körperliche käme hier vollkommen zu kurz – an dieser Stelle sei kurz auf die olympischen Schießdisziplinen verwiesen.

Denn Schießen bedeutet:

  1. Die Waffe wird in einer für höchste Präzision erforderlichen Körperhaltung gehalten – in den meisten Disziplinen, ohne sie aufzustützen („freihändig“).
  2. Das Gewicht der Waffe muss eher hoch sein, damit sie ruhiger in der Hand liegt. Daher sehen die Regularien Maximalgewichte vor. Eine regelkonforme Luftpistole etwa darf höchstens 1.500 Gramm wiegen. Gezielt wird sie mit einer Hand und ausgestrecktem Arm.
  3. Zumindest bei Großkaliberwaffen kommt noch ein teils beträchtlicher Rückstoß hinzu.

Hier zeigt sich, wie sehr Schießsport Körper und Geist gleichermaßen fordert: Die Waffe ruhig halten, die Augen auf Ziel und Visierung fokussieren, die Atmung kontrollieren, den Zeigefinger stets an derselben Stelle auf den Abzugsbügel legen und in einer langsam gleitenden Bewegung über den Auslösepunkt bringen – bei Top-Athleten sogar zwischen zwei Herzschlägen.

Druckluft- und Kleinkaliberwaffen sind hierbei extrem fordernd. Denn, obwohl die Distanzen gering anmuten (Druckluft 10 m, Kleinkaliber 25 bzw. 50 m), sind die Trefferflächen sehr klein. Bereits kleinste Fehler sorgen für ein Verreißen – und dadurch weniger Punkte.

Gute Schützen sind deshalb meist mindestens so häufig im Fitnessstudio wie auf dem Schießstand. Daher sollte ersteres ganz ähnlich regional und zeitlich vielfältig verfügbar sein wie letzteres. Welche Auswahl an Trainingsbereichen gibt es hier und was genau wird trainiert?

  • Hände
  • Unterarm
  • Bizeps
  • Trizeps
  • Schultermuskulatur
  • Nacken
  • Brustmuskel
  • Rückenmuskel
  • Körpermitte

Tatsächlich können Sportschützen den „Leg Day“ übergehen. Wichtig ist vor allem, die Übungen mit freien Gewichten durchzuführen, weil das der Realität am nächsten kommt. Und wenngleich das Fitnessstudio ein unverzichtbarer Ort ist, so lässt sich zuhause ein umfassendes Ergänzungs-Workout durchführen.

Sportschießen belohnt denjenigen, der den Fleiß zeigt, selbst bei kleinsten Details immer wieder an sich zu feilen – und sei es nur eine so trivial anmutende Bewegung wie die des vordersten Zeigefingerglieds.
Sportschießen belohnt denjenigen, der den Fleiß zeigt, selbst bei kleinsten Details immer wieder an sich zu feilen – und sei es nur eine so trivial anmutende Bewegung wie die des vordersten Zeigefingerglieds. (Bild: stock.adobe.com © Marek)

Das Abziehen üben

Es mag nur eine Zeigefingerbewegung sein. Definitiv ist das Abziehen jedoch ein extrem wichtiger Faktor für konstante Schießleistungen. Dabei spielen folgende Punkte eine Rolle:

  1. Abzugsweg, bis der Schuss bricht
  2. Abzugswiderstand, bei Matchwaffen meist einstellbar, aber durch die Regularien meist nach unten eingeschränkt
  3. Fläche und Winkel des Auflagepunktes am Abzug
  4. Auflagepunkt auf den Finger bezogen
  5. Anmutung des Abzugs während der Bewegung
  6. Bewegungsrichtung des Abzugs (entweder als Drehbewegung nach hinten/oben oder gerade nach hinten)

Match-Waffen, wie sie von Sportschützen genutzt werden, haben serienmäßig äußerst gute Abzugseinheiten – kein Wunder, wo eine hochwertige Match-Luftpistole problemlos deutlich über 1.000 Euro kostet. Ebenfalls haben sie Vorrichtungen, um den Abzug „trocken“ abzuziehen – ohne dabei Druckluft freizugeben, was der Waffe schaden würde. Bei Kleinkaliberwaffen sind dagegen sogenannte Pufferpatronen nötig oder man muss den Schlagbolzen entnehmen, sonst nimmt er durch das trockenes Abziehen Schaden.

Nötig ist beides, denn gute Sportschützen nehmen auch die ungeladene Waffe in die Hand, um immer wieder das Abziehen zu trainieren. Hierbei geht es vor allem darum, diesen sehr feinen Bewegungsablauf in das Muskelgedächtnis zu überführen. Man bewegt sich dadurch stets automatisch richtig, ohne nachzudenken – dazu bleibt im Wettkampf keine Zeit.

Das ist nicht zuletzt für die entscheidenden Momente nach dem Schuss wichtig. Es mag für Laien zwar nicht so wirken, aber das Geschoss braucht einen Augenblick, bis es den Lauf verlassen hat. So lange muss die Waffe aufs Ziel gerichtet bleiben. Wie sich der Finger hinter dem Auslösepunkt verhält, hat starken Einfluss auf die Trefferlage.

Das Zielen üben

In den hier genannten Disziplinen gibt es weder Zielfernrohe noch Rotpunktvisiere. Es gibt nur Kimme bzw. Diopter und (Ring-)Korn – die klassische mechanische Visierung. Das bedeutet:

  1. Es ist zusammen mit dem Ziel nötig, drei Elemente bzw. optische Ebenen miteinander in Einklang zu bringen. Da das Auge nur eine fokussieren kann, ergibt sich das Dilemma, entweder das Korn oder das Ziel scharf zu sehen.
  2. Es existieren verschiedene Möglichkeiten für Zielfehler, indem Kimme, Korn und Ziel nicht in einer bis ins Letzte geraden Linie liegen.
  3. Es bleiben i.d.R. beide Augen offen, weil das Zukneifen des anderen Auges ablenken könnte. An das im Kopf entstehende Doppelbild muss man sich jedoch gewöhnen.

Insbesondere in Verbindung mit der richtigen Anschlagstechnik (Fachbegriff für das korrekte Halten der Waffe) ergibt das eine ähnliche Herausforderung wie beim Abzug: Eine möglichst hohe Wiederholgenauigkeit der richtigen Schritte.

Übrigens sollten angehende Schützen deshalb zeitnah beim Optiker vorstellig werden. Selbst kleine (unbemerkte) Sehschwächen können sich deutlich negativ auswirken – und die Brille ist in den hier erwähnten Disziplinen die einzige erlaubte optische Hilfe.

Durch das hohe Gewicht liegen Match-Waffen ruhiger in der Hand. Gleichsam steigt jedoch die Beanspruchung der Muskulatur.
Durch das hohe Gewicht liegen Match-Waffen ruhiger in der Hand. Gleichsam steigt jedoch die Beanspruchung der Muskulatur. (Bild: stock.adobe.com © Guy Sagi)

Das Atmen üben

Wenn wir atmen, bewegen sich viele Körperpartien. Selbst wer sein Luftgewehr so ruhig wie ein Roboter halten könnte, könnte daher nur durch Ein- und Ausatmen sehen, wie sich die Zielscheibe in der Visierung bewegt. Elementar wichtig für die Körperbeherrschung ist es daher, die eigene Atmung kontrollieren zu können. Eine typische Übungseinheit (gerne in Verbindung mit Abzugs-Trockentraining) sieht so aus:

  1. Ganz normal über die Brust atmen, damit sich genügend Sauerstoff im Blut anreichert.
  2. Allmählich in die flachere Bauchatmung wechseln und so wenigstens fünf Züge tun. Aktiv eine Muskelentspannung zulassen.
  3. Aufs Zielen fokussieren. Sobald es ruhig im Visier liegt, eine möglichst sanft eingeleitete, wenige Sekunden dauernde Atempause machen und den Abzug betätigen.
  4. Waffe aus dem Ziel nehmen und einige tiefe Brust-Atemzüge machen, damit der verbrauchte Sauerstoff rasch ersetzt wird und der Puls nicht wieder ansteigt.

Übrigens ist diese Übung perfekt dazu geeignet, im Alltag immer wieder zwischendurch durchgeführt zu werden. Wichtig ist vor allem die Entspannung durch die Bauchatmung (wodurch auch der Puls ruhiger wird) sowie der maximal sanfte Übergang vom rhythmischen Atmen in die kurze Atempause.

Die Konzentration üben

Wer selbst nur mit dem Gedanken spielt, in dieses so sehr auf Selbstdisziplin setzende Hobby hineinzuschnuppern, der sollte sich zeitnah an einen der Vereine in seiner Umgebung wenden und herausfinden, wann dieser zusammenkommt. Das ist nicht nur wichtig, um den Verein an sich kennenzulernen sowie dort mit den Vereinswaffen erste Schüsse abzugeben, bevor man das Bankkonto leert, um eigene Ausrüstung anzuschaffen.

Nein, ein solcher Besuch zeigt ebenfalls auf, warum ein Sportschütze mitunter daran feilen muss, seine innere Ruhe zu finden, egal was um ihn herum passiert. Denn im Verein ist man niemals allein vorn auf dem Schießstand. Neben einem werden ebenso andere Schützen ihre Disziplinen absolvieren. Selbst wenn das bei Druckluftwaffen eher gedämpft vonstattengeht, so ist es dennoch vernehmbar.

Und obwohl sich die Wartenden alle Mühe geben, leise zu sein, wird es dennoch immer ein gewisses „Grundrauschen“ aus dem Mix von Getuschel, Stühlerücken und dergleichen geben. Das kann insbesondere Einsteiger in dieses Hobby durchaus darin stören, alle Abläufe korrekt durchzuführen.

Im Gegensatz zu fast allen anderen Übungen aus diesem Text braucht es dafür jedoch keine sonderlich Schießsport-spezifischen Herangehensweisen. Es genügen ganz normale Achtsamkeitsübungen bis hin zum altbekannten autogenen Training.

Zusammengefasst

Sportschießen im Verein ist sehr viel mehr, als möglichst viel Blei zu verschießen und ansonsten lieber mit den Schützenbrüdern und -schwestern am Tisch zu spaßen. Gerade in den hochbeliebten Basisdisziplinen mit Druckluft- und Kleinkaliberwaffen geht es im Höchstmaß um die Quintessenz des Schießsports: Atmung, Körperbeherrschung, Konzentration und mentale Stärke finden hier zu einer Mischung zusammen, die ein Hobby kreiert, das definitiv eine lebenslange Lernkurve aufweisen kann, ohne ein einziges Mal langweilig zu werden. Definitiv ein Vergnügen, das vollkommen zu Unrecht bei manchen einen schlechten Ruf hat.