Felssturz im Nationalpark Berchtesgaden Tausende Tonnen Gestein stürzen ins Tal – Wege gesperrt, Lebensgefahr droht

Tausende Tonnen Gestein stürzen ins Tal – Wege gesperrt, Lebensgefahr droht
In einem Teil der Berchtesgadener Alpen besteht die Gefahr eines weiteren Felssturzes. (Symbolbild: Oliver Berg/dpa)
Deutsche Presse-Agentur
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Am 5. August donnerten im Nationalpark Berchtesgaden rund 4.000 Kubikmeter Fels ins Tal. In dem Gebiet befanden sich viele Wanderer, die dadurch nicht mehr absteigen konnten. Das furchterregende Spektakel wurde im Video festgehalten.

Was für ein Schreck und unglaubliche Szenen für viele Wanderer. Die Bergwacht Ramsau musste 20 Personen ausfliegen, ein Urlauber aus Hessen wurde zudem leicht von einem Stein verletzt, konnte aber selbst noch weiterlaufen. Für andere Urlauber hat das Geschehen nun auch Konsequenzen Ein Geologe hat sich den Bereich angesehen und kann keine Entwarnung geben, heißt es von der dpa.

Gefährliche offene Spalte in der Felswand

Der Geologe Stefan Kellerbauer habe den Bereich im hinteren Wimbachtal kurz vor dem Trischübelpass in Augenschein genommen, teilte ein Sprecher des Nationalparks Berchtesgaden mit. Demnach bestehe im Bereich des Felssturzes weiterhin Lebensgefahr, die Sperrung des verschütteten Steiges sei deshalb unausweichlich. Da nicht alle labilen Bereiche abgegangen seien, bestehe die Gefahr eines weiteren Felssturzes, sagte Kellerbauer. 

Rund 4.000 Kubikmeter Fels seien am Dienstag abgebrochen. «Aber es gibt an der Ausbruchstelle noch ein labiles Volumen von mindestens der gleichen Größe, eventuell sogar mehr.» Zudem gebe es eine sichtbare, offene Spalte in der Felswand, aus der bereits Material ausgetreten sei.

Die Bergwacht Ramsau postete ein Video von dem Felssturz auf ihrem Instagram-Account.

«Die Leute sind nicht mehr weitergekommen, weil der Felssturz den Weg verschüttet hat», sagte ein Polizeisprecher. Ein Polizeihelikopter habe die 20-köpfige Gruppe dann aus dem Gefahrenbereich herausgeflogen. Mehrere Medien hatten über den Felssturz am Dienstag im hinteren Wimbachtal bei Ramsau berichtet.

Laut Bayerischem Roten Kreuz (BRK) mussten 18 Erwachsene, ein Jugendlicher und ein Kind ausgeflogen werden. Der 46-jährige aus Hessen sei eigentlich mindestens 150 Meter vom Felsabgang weg gewesen, wurde aber laut BRK trotzdem von einem abprallenden Stein am Fußgelenk getroffen. Er sei selbst wieder zur nahen Wimbachgrieshütte abgestiegen.

Verschütteter Weg muss weiträumig umlaufen werden

Wie Nationalpark-Sprecherin Carolin Scheiter berichtete, sind die Wege in dem Bereich nun vorläufig gesperrt. Der Steig zwischen der Hütte und dem Trischübelsattel sei auf einer Länge von 100 Metern verschüttet. Nach einer ersten Schätzung seien in etwa 1.700 Metern Höhe rund 4.000 Kubikmeter Fels ausgebrochen.

Laut Scheiter haben die Wanderer keine Möglichkeit, den verschütteten Weg einfach zu umgehen. «Das Gebiet muss weiträumig umgangen werden, was eine gute und weitsichtige Tourenplanung erfordert.» Wie lange die Sperrung bestehen bleibt, sei noch unklar. In Kürze werde ein Geologe vor Ort die Lage beurteilen.

Das spröde Kalkgestein in der Region hat auch früher schon zu Felsstürzen geführt. Erst im vergangenen Jahr waren laut Nationalparkverwaltung Felsmassen ins Tal gedonnert. Einen wesentlich größeren Felssturz, bei dem sich etwa 200.000 Kubikmeter gelöst hatten, gab es nach Angaben von Scheiter im September 1999.

Appell, die Sperrung ernst zu nehmen

Der Revierleiter des Nationalparks, Martin Weckel, bat darum, die Sperrung ernst zu nehmen: «Niemand weiß, wann weiteres loses Gestein abgeht. Das kann jederzeit der Fall sein.» Der Weg sei auf einer Länge von rund 100 Metern komplett verschüttet und auch im weiteren Umgriff der Sturzrinne bestehe akute Steinschlaggefahr.

Das spröde Kalkgestein in der Region hatte auch früher schon zu Felsstürzen geführt. Erst im vergangenen Jahr waren laut Nationalparkverwaltung Felsmassen ins Tal gedonnert. Einen wesentlich größeren Felssturz, bei dem sich etwa 200.000 Kubikmeter gelöst hatten, gab es demnach im September 1999.