Sicher durch den Winter Straßenverhältnisse, Regen und Glätte richtig einschätzen

Straßenverhältnisse, Regen und Glätte richtig einschätzen
Bei Glättegefahr verhindern einen angepasste Geschwindigkeit und ein winterfittes Auto viele Unfälle. (Bild: smiltena/iStock / Getty Images Plus)
WOCHENBLATT
WOCHENBLATT

Im Winter verändern sich die Bedingungen auf den Straßen. Insbesondere auf Landstraßen wirken sich die Witterungsverhältnisse stark aus. Ob nasses Laub oder Glättegefahr; Fahrer müssen besondere Vorsicht walten lassen, wenn es draußen nasser und kälter wird.

Der Süden Deutschlands bietet herrliche Panoramastraßen, beeindruckende Wälder und Berge und im Winter – vergleichsweise – viel Schnee und Glätte. In der kalten Jahreszeit wirkt sich das alles in besonderer Weise auf die Straßenverhältnisse aus. Darauf können sich Landstraßenfahrer vorbereiten und so auf sich selbst und andere Acht geben.

In Baden-Württemberg verunglücken jährlich rund 360 Menschen im Straßenverkehr. Rund 55 Prozent davon kommen auf Landstraßen ums Leben. Damit sind Landstraßen die gefährlichsten Straßen in Baden-Württemberg. Um die Vision Zero, die Vision von null Verkehrstoten und Schwerverletzten zu erreichen, kann jeder Autofahrende etwas für mehr Sicherheit tun.

Was es im Winter zu beachten gibt

Spätestens mit den ersten Schneefällen sind Glätte und Eis ein Thema, das Autofahrende besonders fordert. Jetzt machen sich viele Familien auf den Weg zur ersten Schlittenfahrt des Jahres. Damit der Ausflug zum Vergnügen und nicht zum Alptraum wird, sollten einige Punkte berücksichtigt werden.

Ute Hammer von der Verkehrsunfall-Opferhilfe Deutschland (VOD) engagiert sich für die Vision Zero und ist Expertin für Verkehrssicherheit. Sie kennt die entscheidenden Faktoren, die die Sicherheit auf den Straßen bei Kälte und Nässe beeinflussen. Hier sind fünf wertvolle Tipps, die das Fahren sicherer machen:

Tipp 1: Bevor es losgeht

Bereits bevor die Fahrt losgeht, sollte sichergestellt werden, dass die Sicht frei ist – und zwar so, dass der komplette Rundumblick gewährleistet ist. Ein Eiskratzer gehört standardmäßig ins Auto, beschlagene Scheiben lassen sich effektiv mit einem Mikrofaserscheibenschwamm wieder klar wischen. Eine klare Sicht ist unerlässlich, um andere Verkehrsteilnehmer, Verkehrszeichen und mögliche Hindernisse sicher wahrnehmen zu können.

Tipp 2: Mit allem rechnen

In der kalten Jahreszeit müssen Autofahrer besonders wachsam sein, da verschiedene Faktoren die Fahrbedingungen erheblich beeinflussen können. Schlechte Sicht durch Nebel, Regen oder Schnee sowie Astbruch von gefrorenen Bäumen sind nur einige der Gefahren, die plötzlich auftreten können. Auch die Gefahr von erhöhtem Wildwechsel ist in dieser Zeit nicht zu unterschätzen, da Wildtiere in der Dämmerung verstärkt auf der Suche nach Nahrung unterwegs sind.

Tipp 3: Geschwindigkeit anpassen

In den kälteren Monaten ist es von entscheidender Bedeutung, die Geschwindigkeit den winterlichen Fahrbedingungen anzupassen. Die Straßenverhältnisse können sich rasant ändern und stellen oft unerwartete Herausforderungen dar. Beispielsweise können Laub auf der Straße oder Glätte in schattigen Kurven die Gripbedingungen erheblich beeinträchtigen.

Um jederzeit schnell und sicher reagieren zu können, ist es unerlässlich, die Geschwindigkeit deutlich zu reduzieren. Dies schafft nicht nur mehr Zeit, um potenzielle Gefahren zu erkennen, sondern erhöht auch die Kontrolle über das Fahrzeug.

Tipp 4: Kein Risiko beim Überholen

Ein bisschen Schnee, schlechte Wettervorhersagen – auf Landstraßen sind auch bei widrigen Wetterbedingungen Fahrzeuge mit ganz unterschiedlichen Geschwindigkeiten unterwegs. Schnell wird von hinten gedrängelt und dicht aufgefahren.

Das Drängeln der anderen oder die eigene Ungeduld verleiten zu riskanten Überholmanövern. Überholunfälle auf Landstraßen haben meist verheerende Folgen für alle Beteiligten. Also gelassen bleiben und wirklich sichere Überholmöglichkeiten abwarten.

Tipp 5: Bloß keinen Sekundenschlaf!

Auch in der oft stressigen Vorweihnachtszeit sollte man sich nicht müde hinters Lenkrad setzen. Sobald man merkt, dass die Augenlider schwer werden: auf einen Parkplatz fahren, 10 bis 20 Minuten einen Kurzschlaf halten oder den Kreislauf durch Bewegung mobilisieren. Es ist ein Trugschluss, dass man es „dann schon merkt, wenn man einschläft“ – im schlimmsten Fall endet das an einem Baum. Und Baumunfälle enden größtenteils tödlich.

Ute Hammer appelliert daran, sich und andere zu schützen: „Vorausschauend und risikoarm zu fahren kostet im Höchstfall etwas Geduld – und würde, wenn sich alle daranhalten, täglich Menschenleben retten. Dazu gehört auch: Wer trinkt, fährt nicht – und der Blick gehört auf die Straße, nicht aufs Handy.“

Das Hilfenetzwerk der Verkehrsunfall-Opferhilfe unterstützt alle Unfallbeteiligten und gibt wichtige Hinweise zu Themen wie Schadensabwicklung, sozialrechtliche Fragen, Rehabilitation oder Suche nach therapeutischer Hilfe.

Verkehrsteilnehmer neigen häufig zu Ungeduld, äußern ihren Unmut und drängen andere. In solchen Momenten kann unser inneres „Monster“ die Kontrolle übernehmen. Ein wenig mehr Gelassenheit hinter dem Steuer könnte viele Situationen deutlich entspannen. Das meinen auch Fachleute und Rettungskräfte, die Teil des Teams Vision Zero sind und sich dafür einsetzen, die Sicherheit auf unseren Straßen kontinuierlich zu verbessern.

Erfahrungen einer Rettungskraft

Einer von ihnen ist Kilian Wieczorek, Erster Hauptbrandmeister bei der Feuerwehr Stuttgart. Er hat in etlichen Berufsjahren einige Unfälle gesehen, manche davon beschäftigen ihn auch heute noch. Generell kann er sagen, dass viele Unfälle passieren, weil Autos nicht rechtzeitig winterfest gemacht wurden. Ein häufiges Beispiel sind Autos, die trotz winterlicher Verhältnisse noch mit Sommerreifen unterwegs sind. Auch Frontalzusammenstöße, die durch Laub und Nässe verursacht wurden, sind keine Seltenheit. Oder es ist eine zu hohe Geschwindigkeit mit im Spiel.

„In erster Linie ist eine unangepasste Fahrweise Unfallursache Nummer Eins. Gerade in Herbst und Winter ist der Bremsweg ein ganz anderer!“, betont Wieczorek, stellt aber gleichzeitig klar: „Meiner Meinung nach muss es keine weiteren Verbote geben. Eine angepasste Fahrweise von jedem würde reichen, um viele Unfälle zu vermeiden.“

Empfohlen wird Tempo 80. Das Ministerium für Verkehr sowie weitere Verkehrsverbände und Experten sind sich einig, dass Tempo 80 auf Landstraßen erheblich zur Unfallvermeidung beitragen würde.

Ist dein Auto winterfest?

Zu den allgemeinen Checks für ein winterfestes Auto gehören:

– Die Kontrolle der Fahrzeugbeleuchtung: Sind alle Leuchten funktionsfähig und richtig eingestellt? Die

– Kontrolle der Scheiben: Sind alle Scheiben innen wie außen gereinigt, damit sie weniger beschlagen und reflektieren? Wie sieht es mit den Wischblättern aus?

– Die Kontrolle des Frostschutzes: Ist genug Frostschutzmittel im Kühlwasser? Wie sieht es mit dem Wasser zur Reinigung der Scheiben aus?

– Der Reifencheck: Reicht die Profiltiefe der Winterreifen noch aus (min. 1,6 mm, der ADAC empfiehlt 4 mm)? Und seit diesem Jahr Pflicht: Haben meine Winterreifen das Alpine Schneeflocken Symbol?

– Überpüfung der Autobatterie: Werkstätten können die Spannung sowie die Kaltstartfähigkeit überprüfen. Ein Starthilfekabel zur Überbrückung von Anlassschwierigkeiten im Auto mitzunehmen, ist allerdings immer sinnvoll. Gerade niedrige Temperaturen setzten der Autobatterie zu und diese fällt unter Umständen aus.

Wieczoreks eindringlicher Wunsch ist klar: „Ich hoffe, dass sich viele Menschen unserem Team Vision Zero anschließen und sich gemeinsam für ein sicheres Ankommen im Straßenverkehr einsetzen.“ Auf der Webseite team-vision-zero.de sind weitere Tipps, interessante Fakten und einen umfassenden Monstertest zu diesem wichtigen Thema zu finden. Damit einem entspannten Ausflug nichts entgegensteht – gelassen und sicher.

Hintergrundinformation

2019 hat das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg seine mehrjährige Verkehrssicherheitskampagne gestartet. Seit 2023 wirbt die Kampagne unter dem Aktionsmotto „Team Vision Zero“ verstärkt bei jungen und alten Menschen. Diese sollen gemeinsam am Ziel von null Verkehrstoten und Schwerverletzten im Straßenverkehr – der Vision Zero – mitarbeiten.

Die Kampagne macht auf wichtige Sicherheitsthemen aufmerksam, klärt über Fakten auf und gibt konkrete Tipps für Verhaltensänderungen.

Weitere Informationen zur Kampagne: www.team-vision-zero.de

(Quelle: Ministerium für Verkehr Baden Württemberg)