Zahlreiche Menschen zieht es aus Deutschland in die Schweiz, da hier in vielen Branchen lukrative Gehälter gezahlt werden. Doch wer in der Schweiz lebt, muss sich auch mit deutlich höheren Lebenshaltungskosten auseinandersetzen.
Viele Menschen aus Deutschland entscheiden sich, in der Schweiz zu arbeiten, da dort in vielen Branchen höhere Gehälter gezahlt werden. Allerdings sind die Lebenshaltungskosten in der Schweiz ebenfalls deutlich höher. Eine mögliche Alternative: In Deutschland wohnen und in der Schweiz arbeiten. Dies scheint auf den ersten Blick attraktiv, um von den höheren Löhnen zu profitieren und gleichzeitig die vergleichsweise günstigeren Lebenshaltungskosten in Deutschland zu nutzen. Aber ist das Leben als Grenzgänger wirklich so vorteilhaft?
Der Kontostand jubelt, aber idealisieren sollte man die Möglichkeit nicht. Obwohl die Schweiz und Deutschland geografisch eine enge Verbindung haben, gibt es deutliche Unterschiede zwischen beiden Ländern. Sowohl steuerlich als auch versicherungsrechtlich gibt es vieles zu beachten, bevor dieses Modell wirklich angestrebt wird.
Der Status der Grenzgänger ist genau definiert
Nicht jeder, der in der Schweiz einem Job nachgeht, ist automatisch ein Grenzgänger. Um diesen Status zu genießen, müssen folgende Voraussetzungen vorliegen:
- Regelmäßige Rückkehr (täglich oder einmal wöchentlich) an den Wohnsitz
- Vorliegende Grenzgängerbewilligung
Ein Grenzgänger bezahlt für die Einnahmen in der Schweiz Steuern in Deutschland. Anders sieht es aus, wenn der Status Aufenthalter vergeben wurde. Dieser kommt in Frage, wenn sich Grenzgänger längerfristig in der Schweiz aufhalten.
Während Grenzgänger in Deutschland wohnen und mit der Grenzgängerbewilligung G in der Schweiz arbeiten dürfen, leben Aufenthalter überwiegend in der Schweiz und haben die Grenzgängerbewilligung L oder B inne.
Aufgrund der geltenden Personenfreizügigkeit ist es Menschen mit Staatsangehörigkeit eines EFTA- oder EU27-Staates möglich, eine Arbeitsstelle in der Schweiz anzunehmen. Ohne Bewilligung ist der Pendeljob jedoch nicht zulässig.
Schweiz und Deutschland unterscheiden sich in vielen Punkten
Wer nahe der Schweizer Grenze lebt, pendelt unter Umständen nur wenige Minuten bis zur Arbeit. Der Grenzübertritt wird irgendwann zur Routine und genau dann droht Gefahr. In einigen Punkten unterscheidet sich die Gesetzgebung Deutschlands erheblich von jener in der Schweiz. So können Autofahrer Probleme bekommen, wenn sie nach dem Grenzübertritt vergessen, auf geltende Geschwindigkeitsregeln zu achten.
Auch beim Freizeitvergnügen gibt es deutliche Abweichungen. So gelten in der Schweiz z.B. Netzsperren für Websites, die nicht erlaubt sind. Durch Überfahren der Grenze wird ein legales Casino aus Deutschland schnell zu einem nicht zugelassenen Angebot in der Schweiz. Solche Kleinigkeiten können Auswirkungen haben. So droht bei Geschwindigkeitsüberschreitungen ein Bußgeld, obwohl das gleiche Tempo im anderen Land noch akzeptabel war.
Auch beim sehr beliebten Online-Shopping kann es schnell Probleme geben. Wer in der Mittagspause mal schnell im Schweizer Internet surft und ein tolles Angebot findet, kann es nicht automatisch nach Deutschland senden lassen. Die Nähe ist nicht entscheidend, Zollgebühren fallen trotzdem an. Daher versenden viele Schweizer Shops gar nicht erst an die deutschen Nachbarn.
Durch das Pendeln verschwimmen die gedanklichen Grenzen. Für viele Grenzgänger ist es mit der Zeit nicht mehr spürbar, dass sie täglich das Land wechseln. Genau das ist aber wichtig, um die jeweils geltenden Gesetze im Auge zu behalten.
Die Arbeitsbedingungen weichen kaum voneinander ab
Geht es rein um die Arbeitsbedingungen, gibt es nur wenige Abweichungen zwischen Schweiz und Deutschland, mit Ausnahme vom höheren Gehalt. Die durchschnittliche Arbeitszeit liegt zwischen 38,5 und 42,5 Stunden, maximal sind 45 Arbeitsstunden in Büros, industriellen Betrieben und für Angestellte des Einzelhandels zulässig. Alle anderen Arbeitnehmer dürfen bis zu 50 Stunden pro Woche arbeiten.
Überstunden sind grundsätzlich erlaubt und müssen wie in Deutschland durch Freizeit oder Lohn plus Zuschlag von mindestens 25 % ausgeglichen werden.
Der Urlaubsanspruch liegt bei mindestens vier Wochen jährlich. In vielen Unternehmen setzen die Verantwortlichen auf fünf Wochen. Für jeden Arbeitnehmer gilt außerdem die obligatorische Absicherung über die Invalidenversicherung sowie die Alters- und Hinterlassenenversicherung.
Generell gelten die Arbeitsbedingungen in der Schweiz als fortschrittlich, aber auch leistungsorientiert. Auf ein Mindestlohngesetz wird verzichtet, die Löhne sind branchenübergreifend fair und hoch. Dafür legen Arbeitgeber Wert auf effizientes Arbeiten, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sowie Eigenverantwortung.
Krankenversicherung für Grenzgänger muss genau geregelt sein
In Deutschland gilt die gesetzliche Krankenversicherungspflicht, im Angestelltenverhältnis übernimmt der Arbeitgeber die Anmeldung bei der Krankenkasse. Wer nun nicht mehr in Deutschland angestellt ist, kann die Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung als freiwilliges Modell fortführen. Das ist teuer, denn die Mitgliedsbeiträge richten sich nach dem monatlichen Einkommen.
Eine Alternative ist die private Krankenversicherung. Hier stehen mehr Tarife und Optionen zur Verfügung, die an die eigenen Bedürfnisse anpassbar sind. Das Einkommen spielt keine Rolle, allerdings erfolgt im Vorfeld eine Prüfung des Gesundheitszustands. Je höher das Eintrittsalter, desto höher sind auch die monatlichen Beiträge. Ein weiterer Nachteil der PKV ist, dass Familienangehörige nicht automatisch mitversichert sind.
Die dritte und beliebte Variante ist die Pflichtversicherung in der Schweiz oder auch das „Grenzgängermodell“. Die Grundversicherung erfolgt bei einer Krankenkasse in der Schweiz. Darüber sind Krankenhausaufenthalte und Arztbesuche in der Schweiz abgedeckt. Mithilfe eines Zusatzformulars (E106/S1) werden zusätzlich Leistungen der GKV in Deutschland gewährt. Die einfachste Option ist die Fortführung der Versicherung bei der vorherigen Krankenkasse in Deutschland als E106-Kooperationsmodell.
Was spricht für die Arbeit in der Schweiz?
Die gesetzlichen Besonderheiten spielen eine wichtige Rolle, wer sie einmal verinnerlicht hat, wird damit zurechtkommen. Aber damit fehlt noch immer die Antwort auf die Frage, ob sich der Grenzgang überhaupt lohnt. Wer eine hohe Bildung in Deutschland genießen durfte, ist auch auf dem Schweizer Arbeitsmarkt gefragt.
Ein paar klare Vorteile sprechen für den täglichen Grenzgang:
- Einkommen: Keine Frage, das Lohn- und Gehaltsniveau in der Schweiz ist ein großer Motivator, der Menschen aus Deutschland und anderen Nachbarstaaten zum Grenzgängermodell animiert.
- Vielfalt: Die Wirtschaft der Schweiz gilt als international und vielfältig. Vier Landessprachen und ein hohes Maß an Internationalität machen die Schweizer Arbeitgeber so attraktiv.
- Kontinuität: In zahlreichen eidgenössischen Unternehmen setzt die Führungsebene auf flache Hierarchien und Teamzusammenhalt. Arbeitsverhältnisse sind langfristig ausgerichtet. Eine lange Betriebszugehörigkeit erhöht wiederum das Einkommensniveau.
- Lebensqualität: In der Schweiz herrscht eine besonders hohe Lebensqualität. Grenzgänger profitieren am Tage davon.
Ob ein Job im Nachbarland wirklich attraktiv ist, hängt von den persönlichen Umständen ab. Obwohl es viele Vorteile gibt, hat auch die Schweiz ihre Nachteile. Die Nachfrage nach gut bezahlten Jobs ist hier höher, sodass nur erstklassige Bewerber realistische Chancen haben.
Es können Monate vergehen, bis der passende Beruf gefunden ist. Auch leichte Sprachbarrieren entstehen zu Beginn häufig. Wer sich für das Grenzmodell entscheidet, sollte sich im Vorfeld sprachlich vorbereiten und auch die Besonderheiten der Schweizer Kultur in Augenschein nehmen.