Glücksbringer oder Humbug? Magisches rund um das Karfreitagsei

Glücksbringer oder Humbug? Magisches rund um das Karfreitagsei
Karfreitagseiern werden besondere Kräfte nachgesagt. Sie sollen vor Unfällen und mehr schützen. (Bild: Leeloo Thefirst/Pexels)

Ein Ei ist halt ein Ei. Weit gefehlt! Eier, die am Karfreitag gelegt werden, umweht eine besondere Aura. Laut Volksglauben schützen sie vor Krankheiten und Autounfällen. Männern sollen sie sogar dabei helfen, einen Jungen zu zeugen. Wir sind auf Spurensuche gegangen.

Rund um Ostern gibt es viele Bräuche. Sie füllen das Fest mit Lebendigkeit und Freude. Manch alte Bräuche und Überzeugungen halten sich seit Jahrhunderten und haben immer noch ihre Anhänger – besonders im ländlichen Raum. Etwas ganz Besonderes sind Eier, die am Karfreitag gelegt werden. Ihnen wird nachgesagt, dass sie nicht faulen, sondern im Laufe der Zeit einfach austrocknen, ohne irgendwelche unangenehmen Gerüche von sich zu geben. Das Wichtigste: Sie sollen vor Gefahren und schlimmen Krankheiten schützen.

Solls ein Junge werden, muss ein Karfreitagsei her

In manch kleinen Schweizer Bergdörfen glauben die Menschen immer noch daran, dass Männer, die ein Karfreitagsei verzehren, einen Knaben zeugen können. Mancherorts stehen die Leute dafür beim Eiermann des Vertrauens sogar Schlange. Im Schweizer Tagblatt war beispielsweise zu lesen, dass einige Landwirte auf den Schutz der Karfreitagseier im Stall setzen. Sie füttern den Tieren vor dem ersten Weidegang ein rohes Karfreitagsei mit geweihtem Salz. Es soll die Tiere vor Blähungen beim Verzehr von frischem Gras schützen. Deponiert auf dem Dachboden sollen sie Haus und Hof vor Blitzschlag schützen.

Auch im schwäbischen Raum glauben immer noch Menschen an die Kraft der „besonderen“ Eier. Eine alte Bauersfrau aus Horgenzell, die namentlich nicht genannt werden möchte, schwört jedes Jahr aufs Neue auf die wundersame Kraft, die von den Eiern ausgeht. „Wer sich ein Karfreitagsei ins Handschuhfach seines Autos legt, wird vor Unfällen geschützt und wer am Hauseingang ein weiteres Ei deponiert, dessen Haus wird vor allem Bösen bewahrt.“

Ob die Hühner sich ihrer wichtigen Aufgabe an Karfreitag bewusst sind, ist fraglich.
Ob die Hühner sich ihrer wichtigen Aufgabe an Karfreitag bewusst sind, ist fraglich. (Bild: Pixabay)

Karfreitagsei als Wetterorakel

Der Zauber tritt aber nur in Kraft, wenn das Ei wirklich vom Karfreitag stammt. In der Landwirtschaft werden die Eier gerne auf die Felder getragen, um eine gute Ernte zu erreichen. In Burladingen auf der Schwäbischen Alb dienen die ausgetrockneten Karfreitagseier vom Vorjahr beispielsweise als Wetterorakel. Seit rund 40 Jahren werden hier in kleiner Runde von gestandenen Männern Schlussfolgerungen und Prognosen über das Sommerwetter getroffen.

Wissen die Hühner Bescheid?

Viele denken jetzt sicherlich an Humbug und woher will so ein Huhn eigentlich wissen, dass Ostern vor der Tür steht und auch noch Karfreitag ist? Spott gehört zum Leben und was wären Feste ohne überlieferte Traditionen und Rituale? Der Glaube an eine gewisse Magie ist für einige Menschen etwas Spannendes, gibt Kraft und überzeugt. Sie melden sich Tage im Voraus beim Eierverkäufer ihres Vertrauens an und bestellen ein Karfreitagsei.

Schon die alten Ägypter, Perser und Chinesen sollen gesegnete Eier für das Haus ausgelegt haben. Sie galten als Fruchtbarkeits- und Lebenssymbol und sollten alles Böse abwenden. Bei Wikipedia heiß es: „Bemalte Eier sind auch aus der europäischen Antike bekannt. Hieraus entstand neben dem Osterei das Karfreitagsei. Es darf der Überlieferung nach weder bemalt noch verziert werden. Regional ist der Glaube an eine Magie erhalten geblieben.“

Heil- und Glückbringer aus früheren Zeiten

Wer tiefer in den Volksglauben über die Eier eintaucht, landet bei den „Antlasseiern“. Ihnen sprach man in früheren Zeiten Segen bringende und Unheil abwehrende Kräfte nach, zudem galten sie als Heil- und Glücksbringer. Antlasseier waren Eier, welche die Bauern meist am Gründonnerstag ihren Grundherren als Steuer entrichtet hatten. Mit der Übergabe waren die Bauern von ihrer Schuld befreit.

In vielen Supermärkten in Vorarlberg stehen Eier, die am Karfreitag von den Hennen gelegt wurden, speziell gekennzeichnet im Kühlregal. Hier glaubt man ebenfalls an die magische Heilkraft der Eier. Dort werden auf vielen Hühnerhöfen am Gründonnerstag noch spät in der Nacht alle Nester geleert, damit am Karfreitagmorgen die ersehnten Eier separat verpackt werden können.

Der Karfreitag ist sowohl Glücks- als auch Unglückstag. Das Unglück besteht in der Kreuzigung, das Glück im Frühling der ansteht.
Der Karfreitag ist sowohl Glücks- als auch Unglückstag. Das Unglück besteht in der Kreuzigung, das Glück im Frühling der ansteht. (Bild: Pixabay)

Bestellungen nur unter der Hand

Auch bei uns in der Gegend gibt es kleinere Bauern, die lange vor Ostern von treuen Kunden Bestellungen erhalten. Die Namen werden auf keinen Fall verraten, da die Hennen nur begrenzt Eier legen und es eine reine Vertrauenssache ist, dass das Ei wirklich am Karfreitag gelegt wurde.

Glaube versetzt bekanntlich Berge und jeder muss für sich entscheiden, ob die Sache mit den Karfreitagseiern zu Herzen geht und einen Versuch wert ist, oder nicht. Der Schreiberling persönlich glaubt fest an die Kraft der Eier.