Der Adventskranz als christliches Symbol der Vorfreude auf Weihnachten

Vier Kerzen brennen auf einem rustikalen Holztisch mit Weihnachtsdekoration
Vier Kerzen brennen auf einem rustikalen Holztisch mit Weihnachtsdekoration (Bild: picture alliance / Zoonar | Andreas Berheide)

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt..

Am kommenden Sonntag feiern Christen den 1. Advent. Bei vielen wird an diesem Tag die erste Kerze am Adventskranz angezündet. Das Wochenblatt hat nachgeforscht, was es mit dem Adventskranz auf sich hat.

An den vier Adventssonntagen zündet man erst eine, dann an jedem weiteren Adventssonntag noch eine Kerze an, bis dann am 4. Adventssonntag alle vier brennen. Heuer feiern wir den 1. Advent am 28. November, den 4. Advent am 19. Dezember. Der 1. Advent fällt immer auf den vierten Sonntag vor Weihnachten. Der frühestmögliche Termin für den Beginn der Adventszeit ist damit der 27. November, spätestens fällt der erste Adventssonntag auf den 3. Dezember.

Der Adventskranz ist ein christliches Symbol der Vorfreude, das mit jedem Adventssonntag gesteigert wird.

Das Licht am Adventskranz ist ein christliches Symbol
Das Licht am Adventskranz ist ein christliches Symbol (Bild: picture alliance / Wedel/Kirchner-Media | Wedel/Kirchner-Media)

Die Kerzen am Adventskranz verkürzen die Zeit ab Adventsbeginn bis zum Heiligen Abend. Das Licht wird mit jeder weiteren Kerze heller und symbolisiert damit die steigende Vorfreude auf die Geburt von Jesus Christus.

Der Adventskranz wurde 1839 von dem evangelisch-lutherischen Theologen, Erzieher, Mitbegründer der Inneren Mission und Begründer der Evangelischen Diakonie Johann Hinrich Wichern (1808–1881) im evangelischen Norddeutschland eingeführt, womit er Straßenkindern des beginnenden Industriezeitalters die Zeit bis Weihnachten verkürzen wollte. Knapp hundert Jahre später war er auch in katholischen Gegenden zu finden.

Wichern entwarf zur Freude für Straßenkinder einen Adventskranz mit vier großen und 20 kleinen Kerzen. Während der Betreuungszeit dieser armen Kinder konnten alle gemeinsam so die Tage bis Heiligabend abzählen.

Als Wichernkranz wird die von Johann Hinrich Wichern im Rauhen Haus in Hamburg erfundene Urform des Adventskranzes bezeichnet. Es war ein Wagenrad mit vier großen weißen und 20 kleinen roten Kerzen, das erstmals am 1. Advent im Jahr 1839 im Betsaal des Rauhen Hauses in Hamburg-Horn von der Decke hing. Ab 1860 wurde der Leuchter erstmals mit Tannengrün geschmückt. An jedem Abend vom 1. Advent bis zum Heiligen Abend wird eine Kerze angezündet.

Der traditionelle Wichernkranz hat 20 kleine weiße und vier große rote Kerzen
Der traditionelle Wichernkranz hat 20 kleine weiße und vier große rote Kerzen (Bild: picture alliance / dpa | Daniel Reinhardt)

Die großen weißen Kerzen sind für die Adventssonntage, die kleinen roten für die Werktage. Die Zahl der kleinen Kerzen bis zum Heiligen Abend ist jedes Jahr unterschiedlich. Sie variieren zwischen 18 und 24, weil der 1. Adventsonntag jedes Jahr an einem unterschiedlichen Datum beginnt und die Adventszeit damit unterschiedlich lange ist.

Der Wichernkranz sollte den Kindern die Zahl der Tage bis Weihnachten anschaulich machen. Die Kinder lernten dadurch auch Zählen.

Dieser originale Adventskranz wird heute von Diakonie und Evangelischer Kirche in Deutschland (EKD) als Wichernkranz bezeichnet zur Unterscheidung von dem vereinfachten Adventskranz mit vier Kerzen, der nicht die Möglichkeit bietet, an jedem Tag des Advents eine Kerze anzuzünden, sondern nur noch ab 1. Adventssonntag an jedem weiteren Adventssonntag eine weitere Kerze, ohne dass der Heilige Abend besonders hervorgehoben ist.

Dieser erste Adventskranz ist als Wichernscher Adventskranz in das Brauchtum der Adventszeit eingegangen. Später stellten sich die Menschen kleinere Varianten aus Tannengrün und mit vier Kerzen auf die Tische. Die Idee für einen Adventskranz erinnert an sehr viel ältere Darstellungen von Lichtkränzen der Wikinger oder Hunnen. Doch mit den traditionellen Adventsfarben Rot, Grün und Violett bezieht sich die Form speziell auf den christlichen Glauben.

Der Wichernkranz bietet die Möglichkeit, an jedem Tag im Advent eine Kerze anzuzünden
Der Wichernkranz bietet die Möglichkeit, an jedem Tag im Advent eine Kerze anzuzünden (Bild: picture alliance / dpa | Daniel Reinhardt)

Die Kreisform abstrahiert die vier Himmelsrichtungen und schlussendlich den runden Erdkreis. Außerdem ist sie in Erinnerung an die Auferstehung von Jesus Christus Symbol für das ewige Leben.

Tannengrün und die Blätter des Weihnachtssterns am Adventskranz stehen für Hoffnung und Leben. Im streng katholischen Glaubenskreis werden Adventskränze mit violetten und rosa Kerzen vor dem ersten Entzünden in kirchlichen Veranstaltungen gesegnet.

Bei manchen Adventskränzen der katholischen Glaubensgemeinden steht zusätzlich eine fünfte Kerze in der Mitte des Kranzes. Sie wird nicht zu den Adventssonntagen, sondern erst am Heiligabend angezündet.

Die Tradition des Adventskranzes erfreut sich in einigen deutschen und österreichischen Gegenden besonderer Beliebtheit. So haben die Einwohner von Mariazell (Österreich) den aktuell größten hängenden Adventskranz der Welt gebaut. Er wiegt sechs Tonnen bei einem Kranzdurchmesser von 12 Metern. Seine Konstruktion entspricht dem Wichernschen Adventskranz, also der Variante mit 20 kleinen und vier großen Lichtern.

Tannengrün steht für Hoffnung und Leben
Tannengrün steht für Hoffnung und Leben (Bild: picture alliance / dpa Themendienst | Tobias Hase)

Im Advent findet sich weiteres Lichtbrauchtum wie etwa die Kerzen am Christbaum oder auch Lichtriten am Fest der Heiligen Lucia. Das Luciafest ist ein auf ein Heiligenfest zurückzuführender Brauch, der vor allem in Schweden sowie in Dänemark, Norwegen und unter Finnlandschweden und dänischen Südschleswigern verbreitet ist.

Die Vierzahl der Kerzen geht auf die Zahl der Sonntage im Advent zurück. Papst Gregor der Große hatte sie für die Westkirche auf vier fest gesetzt. Die vier Sonntage standen symbolisch für die viertausend Jahre, die die Menschen gemäß damaliger Auffassung nach dem Sündenfall auf den Erlöser warten mussten. Manchmal wird der Adventkranz mit Kerzen in den vier Farben violett, rot, rosa und weiß geschmückt, die in dieser Reihenfolge entzündet werden.

An jedem Sonntag im Advent wird eine Kerze angezündet, bis am 4. Advent alle vier leuchten. Dann kann das Weihnachtsfest kommen
An jedem Sonntag im Advent wird eine Kerze angezündet, bis am 4. Advent alle vier leuchten. Dann kann das Weihnachtsfest kommen (Bild: picture alliance/dpa | Angelika Warmuth)

In welcher Reihenfolge die vier Kerzen angezündet werden, ist jedem selbst überlassen. Hält man sich an die Tradition ist am 4. Advent oft schon die erste Kerze fast abgebrannt und sie muss schon bald ergänzt werden, um auch noch am 4. Advent das volle Licht genießen zu können.

Die Symbolik des Kerzenentzündens thematisieren auch Adventslieder wie „Wir sagen euch an den lieben Advent“ von Maria Ferschl und Heinrich Rohr sowie der weitverbreitete Kinderreim „Advent, Advent, ein Lichtlein brennt“.