Rasanter Preisanstieg Bericht: G7-Staaten beraten über Freigabe von Öl-Notreserven

Bericht: G7-Staaten beraten über Freigabe von Öl-Notreserven
Ihre strategischen Ölreserven geben Volkswirtschaften jeweils in Krisensituationen frei, um den Ölmarkt zu stabilisieren oder auf Versorgungsengpässe zu reagieren. (Bild: Federico Gambarini/dpa)
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Deutsche Presse-Agentur
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Angesichts stark steigender Ölpreise prüfen führende Industrienationen offenbar außergewöhnliche Maßnahmen. Laut einem Medienbericht beraten die G7-Finanzminister über eine mögliche Freigabe strategischer Ölreserven.

Die Finanzminister der führenden westlichen Industrienationen (G7) wollen einem Zeitungsbericht zufolge noch heute über eine mögliche Freigabe strategischer Erdölreserven beraten. Die Maßnahme soll unter der Koordination der Internationalen Energieagentur (IEA) erfolgen. Ziel der Gespräche sei es, den starken Anstieg der Ölpreise infolge des Kriegs im Nahen Osten zu bremsen, berichtet die «Financial Times» unter Berufung auf Vertreter der G7-Staaten.

Dem Bericht zufolge planen die Minister gemeinsam mit IEA-Direktor Fatih Birol eine Telefonkonferenz um 8.30 Uhr New Yorker Zeit (14.30 Uhr MEZ). Dabei sollen die wirtschaftlichen Auswirkungen des Iran-Krieges erörtert werden. Drei G7-Staaten, darunter die USA, hätten dem Vorschlag einer möglichen Freigabe von Ölreserven bereits zugestimmt.

Die Mitgliedsstaaten der IEA halten strategische Erdölreserven vor, die im Rahmen eines gemeinsamen Notfallsystems eingesetzt werden können, um Krisen auf den Energiemärkten abzufedern. Laut «Financial Times» halten die USA eine koordinierte Freigabe von 300 bis 400 Millionen Barrel Öl (je 159 Liter) für angemessen. Das entspräche etwa 25 bis 30 Prozent der insgesamt rund 1,2 Milliarden Barrel umfassenden Reserven.

Der Hintergrund ist der starke Anstieg der Ölpreise durch die zunehmende Eskalation im Nahen Osten. Der Preis für ein Barrel der Nordsee-Sorte Brent stieg in der Nacht auf Montag zeitweise um bis zu 29 Prozent auf nahezu 120 Dollar. Später ging der Preis zwar wieder etwas zurück, lag am Morgen aber mit rund 108 Dollar immer noch etwa 16 Prozent höher als noch am Freitag.

Strategische Reserven nur in Krisenfällen

Die Freigabe strategischer Ölreserven ist ein Instrument, das nur in außergewöhnlichen Krisensituationen eingesetzt wird, um Versorgungsengpässe auszugleichen oder Märkte zu stabilisieren. In Deutschland wurden solche Reserven bislang viermal freigegeben – jeweils im Rahmen gemeinsamer Entscheidungen der IEA-Mitgliedstaaten.

Zuletzt kam dieses Mittel im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg zum Einsatz. Ende März 2022 kündigten die USA an, über sechs Monate hinweg täglich rund eine Million Barrel Rohöl aus ihrer strategischen Reserve freizugeben.

Bereits Anfang März 2022 hatte die IEA mitgeteilt, dass ihre Mitgliedsländer gemeinsam 60 Millionen Barrel Rohöl freigeben würden, um die Folgen des Kriegs für die Energiemärkte abzumildern. Auch Deutschland beteiligte sich daran mit einem kleinen Teil seiner Reserven.

Zuvor hatten die USA im November 2021 zusammen mit China, Indien, Japan, Südkorea und Großbritannien ebenfalls eine koordinierte Freigabe von Ölreserven beschlossen. Anlass waren damals hohe Inflationsraten und stark gestiegene Benzinpreise.

Weitere koordinierte Freigaben der strategischen Reserven gab es in der Vergangenheit unter anderem während des Golfkriegs 1990/91, nach dem Hurrikan Katrina im Jahr 2005 sowie beim Ausfall libyscher Ölexporte im Jahr 2011.

Deutsche Reserven für etwa drei Monate

Deutschland verfügt über strategische Erdölreserven, die nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums für mindestens 90 Tage reichen. Mit diesen Vorräten könnte ein vollständiger Ausfall aller Ölimporte für rund drei Monate ausgeglichen werden.

Verantwortlich für die Lagerung ist der Erdölbevorratungsverband (EBV). Dort werden sowohl Rohöl als auch Mineralölerzeugnisse wie Benzin, Diesel und Kerosin gelagert.

Die Vorräte an Erdölprodukten sind über ganz Deutschland verteilt. Das Rohöl selbst wird überwiegend in unterirdischen Kavernen in Norddeutschland gespeichert. Von dort aus kann es über Pipelines oder per Schiff zu Raffinerien transportiert und weiterverarbeitet werden.

Finanziert wird die Ölbevorratung über Pflichtbeiträge von Unternehmen, die Kraftstoffe, leichtes Heizöl oder Flugkraftstoff nach Deutschland importieren oder hier produzieren.

Dieser Beitrag wurde unter Mitwirkung eines KI-Systems erstellt und von der Redaktion geprüft.