Kreislaufwirtschaft im Fokus Positive Nachhaltigkeit statt Verzicht: Michael Braungart im Wohnbau-Forum Tuttlingen

Positive Nachhaltigkeit statt Verzicht: Michael Braungart im Wohnbau-Forum Tuttlingen
v.l.n.r. Rita Hilzinger und Horst Riess (Geschäftsführung Tuttlinger Wohnbau GmbH), Prof. Dr. Michael Braungart, Jasmin Schölzel (Sekretärin der Geschäftsführung und Veranstaltungsorganisatorin, Tuttlinger Wohnbau GmbH) (Bild: Tuttlinger Wohnbau)
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Das Wohnbau-Forum Tuttlingen wird zum Treffpunkt für Vordenker. Beim Vortrag von Prof. Dr. Michael Braungart standen Innovation und Kreislaufwirtschaft im Mittelpunkt.

Langsam aber sicher wird das Wohnbau-Forum in Tuttlingen zu einer kleinen Akademie, wenn es ums Bauen, um die Stadtentwicklung und um Nachhaltigkeit geht. Diesen Eindruck gewann das Publikum bei der Veranstaltung mit Prof. Dr. Michael Braungart. Der Geschäftsführer Horst Riess der Tuttlinger Wohnbau konnte bei der Begrüßung seinen Stolz über die Gewinnung eines so hochkarätigen international renommierten Referenten nicht verbergen.

Heimspiel für einen Weltbürger

Michael Braungart ist in Tuttlingen aufgewachsen, seine Mutter war Gemeinderatskollegin von Horst Riess. So war der Abend für ihn ein Heimspiel. Er hatte in Tuttlingen Abitur gemacht, und folglich fanden sich bei der Veranstaltung auch zahlreiche seiner damaligen Klassenkameraden ein. Braungart ist Chemiker, Verfahrenstechniker und Umweltwissenschaftler. Er ist international bekannt als Mitbegründer des „Cradle to Cradle“-Konzepts. Nach seinem Studium der Chemie und Verfahrenstechnik war er zeitweise auch bei Greenpeace tätig. Später gründete er ein internationales Forschungs- und Beratungsinstitut in Hamburg und lehrt heute als Professor an unterschiedlichen Universitäten.

Nachhaltigkeit als Gestaltungsaufgabe

Mit seinem Vortrag fesselte er das Publikum und forderte dazu auf, in seinem Sinne zu agieren. „Produkte sollten so gestaltet sein“, so Braungart, „dass ihre Materialien vollständig in biologische oder technische Kreisläufe zurückgeführt werden können – ohne Abfall, sondern als ,Nährstoff´ für neue Produkte oder natürliche Systeme“.

Er erklärte den Unterschied zwischen Ökoeffektivität und Ökoeffizienz: Es gehe nicht nur darum, weniger Schaden anzurichten (Effizienz), sondern darum, positiven Nutzen zu schaffen (Effektivität). Materialien und Chemikalien müssten so gewählt werden, dass sie gesund und unschädlich für Menschen und Umwelt sind. Nachhaltigkeit sei keine Einschränkung, sondern eine Gestaltungsaufgabe. Innovation entstehe, wenn Produkte von Anfang an so entworfen werden, dass sie Teil eines Kreislaufs sind.

So sei der Kern des „Cradle to Cradle“-Prinzips, dass alles in Kreisläufen bleibt. Ziel sei nicht, weniger schlecht zu sein, sondern gut. Statt Verzicht und „weniger schlecht“ stehe eine Vision der Überflussgesellschaft im Einklang mit der Natur im Mittelpunkt. „Fangen Sie einfach an!“, rief Braungart in das Auditorium. Jeder könne diese Ideen umsetzen, man müsse es nur wollen und beginnen.

Design, Qualität und Schönheit

Besonders hob er die Rolle von Design hervor. Nachhaltigkeit entstehe durch intelligentes Produktdesign. „Cradle to Cradle“ bedeute Innovation, Qualität und Schönheit. Es sei der erste ganzheitliche Ansatz, der Menschen als Chance und nicht als Belastung begreife. Braungart: „Wir feiern den ökologischen Fußabdruck. Wir gestalten Produkte, die der Umwelt nicht mehr schaden, sondern nützlich sind. Das ist keine Zukunftsmusik, sondern schon heute möglich.“

Anerkennung für ein Lebenswerk

Geschäftsführer Horst Riess lud nach seinen Dankesworten zur Diskussion ein, die einen regen Verlauf nahm. Er gratulierte Prof. Dr. Michael Braungart dafür, dass er den Ehrenpreis des Deutschen Nachhaltigkeitspreises erhalten habe. Diese Auszeichnung sei für sein Lebenswerk erfolgt. Zusammen mit der Veranstaltungsorganisatorin Jasmin Schölzel übergab er ein kleines Geschenk an den Gast, der sich daraufhin mit anerkennenden Worten für das Wirken der Tuttlinger Wohnbau in das Forum-Gästebuch eintrug.

Nach der Veranstaltung fuhr Professor Michael Braungart mit seinem Klappfahrrad zum Hauptbahnhof Tuttlingen, von wo aus er seine Heimfahrt mit der Deutschen Bahn antrat.

(Quelle: Tuttlinger Wohnbau)

Dieser Beitrag wurde unter Mitwirkung eines KI-Systems erstellt und von der Redaktion geprüft.