Wohnungsmarkt unter Druck Studie: Baden-Württemberg braucht jedes Jahr 19.200 neue Sozialwohnungen

Studie: Baden-Württemberg braucht jedes Jahr 19.200 neue Sozialwohnungen
Steigende Mieten und fehlender günstiger Wohnraum treffen im Kreis Tuttlingen besonders Auszubildende und ältere Menschen. (Bild: Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt)
WOCHENBLATT
WOCHENBLATT

Vor allem junge Menschen in Ausbildung und ältere Menschen geraten auf dem Wohnungsmarkt zunehmend ins Hintertreffen. Das zeigt der aktuelle „Soziale Wohn-Monitor“ für den Kreis Tuttlingen.

Jüngere und ältere Menschen zählen zu den Verlierern auf dem Wohnungsmarkt. „Etliche der rund 3.190 Azubis im Landkreis Tuttlingen wohnen noch bei ihren Eltern. Und das nicht immer ganz freiwillig. Denn eine eigene Wohnung können sie sich oft nicht leisten“, sagt Ilse Bruttel von der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). Gerade für Auszubildende werde das Wohnen zunehmend zum Problem, wie der aktuelle „Soziale Wohn-Monitor“ des Pestel-Institut zeige, den die Gewerkschaft mit in Auftrag gegeben hat.

„Tragisch ist es, wenn ein Ausbildungsvertrag nicht zustande kommt, weil das Wohnen zu teuer ist. Etwa dann, wenn Jugendliche weder eine Wohnung noch ein WG-Zimmer in der Nähe des Ausbildungsbetriebs bezahlen können“, so Ilse Bruttel. Die Bezirksvorsitzende der IG BAU Südbaden warnt: „Wenn Ausbildungsverträge am Wohnungsmangel und an zu hohen Mieten scheitern, dann ist das Maß voll. Das kann sich die heimische Wirtschaft nicht erlauben“, sagt Bruttel.

Aus diesem Grund sollten Bund und Land Baden-Württemberg den Neubau von Azubi-Wohnungen stärker fördern, insbesondere in der Nähe von Ausbildungszentren. Ilse Bruttel spricht sich zudem für steuerliche Anreize aus, wenn Betriebe dafür sorgen, dass ihre Auszubildenden Wohnraum erhalten. Auch Studierende seien vom angespannten Wohnungsmarkt betroffen. „Deshalb muss es auch in Universitätsstädten eine gezielte Förderung für den Neubau von Studi-Wohnungen geben“, so Bruttel.

Darüber hinaus warnt die IG BAU Südbaden vor einer zunehmenden „Wohnarmut im Alter“. Dabei richtet sich der Blick auf rund 17.100 Baby-Boomer im Landkreis Tuttlingen, die laut Berechnungen des Pestel-Instituts bis 2035 vollständig in Rente sein werden. „Viele der Baby-Boomer im Kreis Tuttlingen bekommen nur eine niedrige Rente. Denn sie haben oft Phasen von Arbeitslosigkeit hinter sich. Außerdem haben sie ganz häufig auch für niedrige Löhne gearbeitet“, erklärt Ilse Bruttel. Wenn diese Generation in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehe, könnten sich viele ihre bisherige Wohnung kaum noch oder gar nicht mehr leisten. „Sie wohnen sich regelrecht arm“, so Bruttel.

Die IG BAU warnt vor einer weiteren Zuspitzung der Lage. „Mieten kennen seit Jahren nur eine Richtung: nach oben. Das muss sich ändern. Wir brauchen wieder sinkende und damit bezahlbare Mieten“, fordert die IG BAU-Bezirkschefin. Ein entscheidender Hebel seien zusätzliche Sozialwohnungen. „Nur mehr günstiger Wohnraum sorgt für Druck auf die Mieten am Markt. Der Neubau von Sozialwohnungen muss zur politischen Herzenssache und zur Sache der politischen Vernunft werden“, sagt Bruttel.

Der „Soziale Wohn-Monitor“ des Pestel-Instituts nennt dafür eine klare Zielmarke: Die Zahl der Sozialwohnungen in Deutschland soll von derzeit einer auf zwei Millionen bis zur Mitte des kommenden Jahrzehnts steigen. Für Baden-Württemberg bedeutet das konkret: „Bis 2035 muss es in ganz Baden-Württemberg 224.400 Sozialwohnungen geben“, so Bruttel. Daraus ergibt sich ein jährlicher Bedarf von 19.200 neuen Sozialwohnungen im Land.

Um dieses Ziel zu erreichen, sei eine intensive Förderung durch Bund und Land notwendig. „Die Fördergelder des Bundes müssen dabei schon gleich zum Baubeginn bereitstehen. Sie dürfen nicht erst über Jahre verteilt ausgeschüttet werden“, fordert Bruttel.

Auch die Baukosten spielen aus Sicht der IG BAU eine zentrale Rolle. Der Regelstandard „Erleichtertes Bauen“ biete die Möglichkeit, günstiger zu bauen. „Es geht darum, einfacher zu bauen – und damit fürs gleiche Geld mehr Sozialwohnungen bauen zu können. Und das trotzdem in guter Qualität, mit niedrigen Instandhaltungskosten“, erläutert Ilse Bruttel.

Zudem müsse das Land eine öffentliche Statistik einführen. „Es ist wichtig, zu wissen, wo in Baden-Württemberg wie viele Sozialwohnungen pro Monat neu gebaut worden sind“, sagt die Vorsitzende der IG BAU Südbaden.

(Quelle: Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt / Bezirksverband Südbaden)

Dieser Beitrag wurde unter Mitwirkung eines KI-Systems erstellt und von der Redaktion geprüft.