„Landwirtschaft geht uns alle an!“ In ihrer Predigt zum Erntedankgottesdienst, der am vergangenen Sonntag das Mariaberger Hoffest eröffnete, legte Pfarrerin Bärbel Danner den Fokus auf die gerechte Verteilung der Güter, den nachhaltigen Umgang mit der Schöpfung und einer lebenswerten Umwelt mit ausreichend gesunden Nahrungsmitteln für die künftigen Generationen.
„Was ist uns das wert? Das wird es nicht zum Nulltarif oder als Schnäppchen im Supermarkt geben. Wir dürfen die Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten bei dieser wichtigen Aufgabe nicht allein lassen.“
Den landwirtschaftlichen Betrieb mit allen Sinnen erleben konnten rund 2.000 kleine und große Gäste beim Hoffest der Mariaberger Landwirtschaft mit allerlei Mitmachaktionen und hochwertigen Bioland-Produkten aus eigenem Anbau. „Die Kinder soll man ausprobieren lassen. Sie sollen wissen, wie alles funktioniert“, findet Besucherin Birgit Mössner.
Sie und ihre Familie nehmen gerne über eine Stunde Fahrt auf sich, um zum Hoffest zu kommen; ihr Enkel baut beim Hoffest bereits den zweiten Vogel-Nistkasten für die heimische Streuobstwiese. Highlight für alle Kinder und auch verzückten Erwachsenen war die Kükenbrüterei: hier konnten frisch geschlüpfte Hühnerküken, die in der Nacht zuvor geboren worden sind, vorsichtig gestreichelt und ihre gerade schlüpfenden Geschwister im Brutkasten beobachtet werden.
Von Apfelsaftpressen über Strohtierebasteln bis zum Kräutersalzherstellen konnten die Gäste einiges über die ökologische Landwirtschaft lernen und ganz nebenbei in Kontakt mit den betreuten Beschäftigten der Mariaberger Werkstätten kommen. „Siehste? Der schneidet dem Schäfle die Haare runter“, erklärt ein Besucher seiner kleinen Enkelin. Die beobachtet staunend, wie ein Mitarbeiter der Landwirtschaft den Schafscherer bei der Arbeit unterstützt und sich ein Schaf zum Transport locker unter den Arm klemmt. „Ganz einfach, man muss es nur gut festhalten.“
18-20 Menschen mit geistiger Behinderung arbeiten in engmaschiger Betreuung auf dem Hof, erklärt Landwirtschaftsleiter Hans Hübner bei seiner Führung über das Gelände. Jeder und jede an dem Einsatzort, der den eigenen Neigungen und Fähigkeiten am besten entspricht. Ein Klient mit einer Leidenschaft für die Gemüsezucht bat um ein Gewächshaus für Sorten, die eine geschütztere Umgebung benötigen.
Mittlerweile wachsen im Folientunnel und auf den Äckern über 60 Gemüsesorten von Artischocke bis Zucchini, so Hübner. Diese sowie frisches Holzofenbrot, Honig aus dem Mariaberger Ländereien und leckere Direktsäfte werden unter anderem über den Hofladen jeden Donnerstag von 13-17 Uhr verkauft. „Wir schmeißen hier nichts weg: jeden Donnerstagabend feiern die Alblinsen-Schweine zum Beispiel ein großes Fest, weil sie all die Gemüsereste vom Putzen und Herrichten zum Verkauf kriegen.“
Hans Hübner erklärte den Besuchern, wie sie mit ihren Kaufentscheidungen großen Einfluss auf die Art und Weise nehmen können, wie Nahrungsmittel angebaut werden. Natürlich spürt auch die Mariaberger Landwirtschaft den Klimawandel: „Der erste Frost hätte eigentlich schon stattfinden sollen; jetzt ist der Spinat schon nach vier Wochen bereit zur Ernte. Das ist schon ungewöhnlich“, so Hübner.
Vielleicht als Hommage daran zieren den diesjährigen Erntedank-Altar neben typischen Kürbissen und Kartoffeln auch Bananen und Ananas. Zum Abschluss hielten die Jagdhornbläserkameradschaft Eningen und Pfarrer Wolfgang Drescher in der Maschinenhalle noch eine Hubertusmesse.
Der Mariaberger Vorstand Rüdiger Böhm dankte den über 60 Mitarbeitenden und ehrenamtlichem Helfern rund um die Landwirtschaft, die Gottesdienste mitsamt der Musikkapelle Mägerkingen, die den Festtag umrahmt hatte, und den Mariaberger Marktplatz mit seiner herzhaften Verköstigung der Besucher.
„Danke auch Ihnen, den Mariaberger Landwirten. Bei Wind und Wetter, Regen und Sonne sind Sie auf den Wiesen, auf den Äckern, im Wald und pflegen und bearbeiten unserer Mariaberger Natur“, so Rüdiger Böhm.
„Der Mariaberger Hof ist ein ganz besonderer Lern- und Arbeitsort und ein lebendiger Wohnort geworden. Die Kinder unseres Kindergartens, die Schüler vom Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum und die Beschäftigten der Mariaberger Werkstätten treffen hier aufeinander. Wir wissen Ihrer aller Leistung sehr zu schätzen, deshalb unterstützen wir Sie, wo es möglich ist.“
(Pressemitteilung: Mariaberg e.V.)