Die Turmfalken in Wangen ziehen auch in diesem Jahr zahlreiche Jungvögel groß. Experten beringen insgesamt 35 Tiere und geben spannende Einblicke in das Leben der Greifvögel.
Die Turmfalkenpaare waren in diesem Jahr erneut sehr erfolgreich. Das Betreuer-Duo Gerhard Lang vom NABU und Stefan Gufler vom städtischen Bauhof beringte 30 Jungvögel in der Wangener Altstadt sowie fünf weitere Tiere in Neuravensburg.
Nicht alle Nistkästen auf der Wangener Gemarkung wurden allerdings besiedelt. Warum zwei Kästen in diesem Jahr leer blieben, lässt sich laut Gerhard Lang nicht erklären.
Die Beringungsaktion wurde im Pfaffenturm des Rathauses abgeschlossen. Je größer die Jungvögel sind, desto kräftiger setzen sie sich zur Wehr. Während Stefan Gufler die Tiere festhält, damit Gerhard Lang die Ringe mit den Kennnummern an den Beinen anbringen kann, bekommt er trotz Handschuhen regelmäßig die scharfen Krallen der Falken zu spüren.
Spannende Beobachtungen rund um die Brut
Gerhard Lang berichtete auch von einer besonderen Begebenheit aus den Anfangsjahren des Projekts. Damals hätten sich zwei Turmfalkenmännchen um den Brutplatz im Rathaus gestritten. Dabei sei einem Vogel eine Daumenfeder abgestanden. Später wurde das Tier am Ravensburger Tor wieder gesichtet, wo es mit einer Gefährtin einen neuen Brutplatz bezogen hatte.
Während die Jungvögel dort etwa gleich groß waren und offenbar nahezu gleichzeitig schlüpften, gab es unter dem Rathausdach zwei deutlich größere Jungtiere. Über die Ursache könne man nur spekulieren, sagte Gerhard Lang. Möglich seien etwa sogenannte „Kuckuckseier“, also Eier eines anderen Vogels. Gewissheit gebe es jedoch nicht.
Beim Beringen zeigte sich außerdem, dass die Jungvögel ihren ersten Flaum bereits verloren hatten und nun das eigentliche Gefieder nachwächst. Deshalb tragen die Experten während der Arbeit Masken. Der feine Flaum verteile sich wie Staub in der Luft, zudem wisse man nie, ob die Tiere vollständig gesund seien, erklärte Stefan Gufler. Die Turmfalken jagen vor allem auf den Wiesen zwischen der Altstadt und dem Schwarzensee und sind dabei häufig vom Aussichtsturm über der Argenwiese aus zu beobachten.
Mehr als 100 Mäuse pro Tag
Der Appetit der Greifvögel ist beachtlich. Ein ausgewachsener Turmfalke frisst täglich vier bis fünf Mäuse. Allein für die fünf Jungvögel im Rathaus brachte das Männchen jeden Tag zehn bis 15 Mäuse zum Nest. Bei insgesamt 30 Jungvögeln in der Altstadt und deren Eltern komme die Population auf deutlich mehr als 100 Mäuse täglich. Auf dem Speiseplan wurden allerdings auch schon ein Molch und ein Vogel gefunden.
„Manchmal nimmt das Weibchen die Maus auf der Kletterhilfe außen entgegen und versucht sie dann im Brutkasten möglichst gleichmäßig zu verteilen“, hat Gerhard Lang beobachtet. Möchte das Weibchen selbst ungestört fressen, nutzt es dafür den Außenbereich oder sogar ein Vorratslager. Im Martinstor liegen in den Öffnungen an den runden Ecken regelmäßig abgelegte Mäuse. Viel Zeit bleibt dafür allerdings nicht – innerhalb von etwa fünf Minuten ist eine Maus vollständig verspeist.
Wer die Turmfalken im Rathaus beobachten möchte, kann dies per Live-Stream tun. Dafür sorgt der Projektbetreuer der Stadt, Siegfried Stampfer. Der Live-Stream ist unter wangen.de/turmfalken erreichbar.
(Quelle: Stadt Wangen im Allgäu)