13. Festspiele Wangen zeigen Goldonis „Der Diener zweier Herren“ und „Pippi Langstrumpf“

Am 24. Juli beginnen die 13. Festspiele in Wangen.
Am 24. Juli beginnen die 13. Festspiele in Wangen. (Bild: Stadt Wangen im Allgäu)

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Mit der Premiere am 24. Juli von Carlo Goldonis „Der Diener zweier Herren“ beginnt der 13. Festspielsommer im Wangener Zunftwinkel. Neu im Team der Festspiele ist Jens Schmidl. Der Regisseur lebt in Berlin und bringt nicht nur viel Knowhow aus langjähriger Theatererfahrung, sondern auch ein neues Team mit.

Der gebürtige Lörracher, Jens Schmidl, ist ein versierter Theatermacher, der an vielen namhaften Bühnen in Deutschland und Österreich inszeniert sowie an verschiedenen Theaterhochschulen gelehrt hat. Aus dieser Erfahrung schöpft er, wenn er im Juni die Proben für die Festspiel-Produktionen aufnimmt. Mit Carlo Goldonis „Diener zweier Herren“ steht eine Komödie auf dem Programm, die flotte Unterhaltung verspricht und dabei mit einer ordentlichen Portion Tiefgang ausgestattet ist. „‚Der Diener zweier Herren‘ gilt als eine der turbulentesten und spielfreudigsten Komödien der Theatergeschichte“, sagt Jens Schmidl.

Der Held dieser Komödie ist der Dienstbote und Tagelöhner Truffaldino, der getrieben von Hunger, sich schlagfertig und mit poetischem Witz durch die raue Welt der Selbstausbeutung schlägt. Truffaldinos aus Armut geborene Vitalität und seine phantasievollen Überlebensstrategien, begeistern die Zuschauer seit der Uraufführung 1746 in Mailand. „Truffaldino ist das Volk. Seine Waffe ist die simulierte Einfältigkeit. Sein Spielprinzip: ich verteidige mich auf der Bühne! Um Truffaldino herum etabliert der Autor Carlo Goldoni eine knallharte Heiratsgeschichte, die auf Emotionen und bürgerliche Lebensmodelle keinerlei Rücksicht nimmt“, so Schmidl weiter. Denn es geht um Mord, Geld und um Liebe.

So geht die Geschichte: Nachdem der finanzkräftige Bräutigam Frederigo Rasponi bei einer Messerstecherei ums Leben kam, darf Pantalones Tochter Clarice unverhofft ihre wahre Liebe, Silvio, heiraten. Mitten auf der Verlobungsfeier taucht der vermeintlich ermordete Bräutigam Frederigo Rasponi quicklebendig auf und besteht auf das gegebene Heiratsversprechen mit Clarice. Wie kann das sein? Beatrice, die Schwester Frederigo Rasponis tritt in den Kleidern ihres toten Bruders auf. Sie nimmt die Identität ihres Bruders an, um den reichen Vater Clarices, Pantalone, auszuplündern. Die geforderte Heirat mit Clarice wird lediglich fingiert. Mit dem erbeuteten Geld will Beatrice letztlich ihre große Liebe, Florindo retten. Florindo ist der mutmaßliche Mörder ihres Bruders Frederigo. Florindo befindet sich inzwischen auf der Flucht vor der Polizei und sucht wiederum verzweifelt seine Beatrice.

„Patriachale Übergriffigkeiten, Identitätsproblematiken sowie Machtmissbrauch in sozialen Hierarchien sind die ewig aktuellen Themen Carlo Goldonis“, sagt Schmidl und erläutert weiter: „Er sieht den Menschen als Träger einer Rolle. Die Entwertung moralischer Bezugspunkte des bürgerlichen Individuums über das Rollenspiel und der unaufhaltsame Kreislauf des Geldes verschont auch den privaten Hort der bürgerlichen Familie nicht.“ Ob das nicht zu ernst ist? Jens Schmidl beruhigt: „Goldoni ist ein Meister der Komik – es wird viel zu lachen geben.“

Mit „Pippi Langstrumpf“ von Astrid Lindgren und mit Elisabeth Ebner in der Hauptrolle hat die Erfolgsgeschichte der Festspiele Wangen 2011 ihren Anfang genommen. Eigentlich sollte die Pippi schon im Sommer 2020 auf die Bühne im Zunftwinkel zurückkehren, doch die Pandemie kam dazwischen. Jetzt hat sich der Vorstand der Festspiele gemeinsam mit Jens Schmidl entschieden, im Landesgartenschau-Sommer die Geschichten mit dem mutig, frechen Gör in einer neuen Inzenierung noch einmal zu zeigen. Premiere ist am Samstag, 27. Juli 2024.

Seit Generationen fasziniert Pippi Langstrumpf mit ihrer anarchischen und vitalen Phantasie ihre Fans. Die Frage, warum das so ist, beantwortet Jens Schmidl so: „Mit ihrer Intelligenz, die normative Ordnung der Erwachsenen als langweilig, lächerlich und angstgetrieben vorzuführen, lebt Pippi Langstrumpf uns einen Mut und Freiheitswillen vor, zu dem wir schlicht zu feige sind. Durch ihre Figur gelingt es uns, sich der schöpferischen Möglichkeiten zu vergewissern, die prinzipiell in uns allen stecken.“ Und so lässt sie ihr Publikum erahnen und davon träumen, welche menschlichen Qualitäten und spielerischen Freiheiten unser Leben haben könnte – ganz nach dem Motto: „Ich mach‘ mir die Welt, wie sie mir gefällt!“

„Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit mit Jens Schmidl“, sagt der Erste Vorsitzende des Festspielvereins, Manfred Wolfrum. Auch der Geschäftsführende Vorsitzende Christoph Morlok sieht mit Vorfreude auf den Festspielsommer 2024. „Ich freue mich und bin zuversichtlich, dass wir neben den Angeboten der Landesgartenschau bestehen und wie bisher unser Publikum erreichen.“

Eine Bitte hat der Vorstand an die Wangener: „Wir suchen noch Quartiere für einige Ensemble-Mitglieder von Juni bis zum Ende der Spielzeit. Gerne können Sie sich an mich wenden“, sagt Morlok.

Kinder ab 10 Jahren, die Lust haben in Pippi Langstrumpf mitzuspielen, können sich ebenfalls melden. Es wird zwei große Szenen geben – eine in einem Klassenzimmer und eine auf einem Jahrmarkt – für die Statisten gesucht werden. Interessierte wenden sich ebenfalls an Christoph Morlok.

Gespielt wird immer Mittwoch bis Sonntag in der Zeit vom 24. Juli bis zum 18. August. Karten gibt es für die Festspiele ab Juni 2024. Die Ticketpreise bleiben unverändert. „In Zeiten, in denen die Preise allgemein steigen, wollen wir unserem Publikum Theater zu den bisherigen Preisen ermöglichen“, sagt Morlok. Für das Abendstück liegt der Normalpreis beträgt somit 32 Euro, Schüler, Studierende, Schwerbehinderte bezahlen 25 Euro. Im Familienstück liegt der Normalpreis bei 17 Euro, für Kinder bei 7 Euro.

(Pressemitteilung: Wangen im Allgäu/Susanne Müller / Jens Schmidl)