Unterwegs im Naturschutzgebiet Pfrunger Ried

Unterwegs im Naturschutzgebiet Pfrunger Ried
Tiefe Einblicke in eine herrliche, naturbelassene Wald- und Moorlandschaft bietet das Pfrunger Ried. (Bild: Wilfried Vögel)

Rund 2.600 Hektar umfasst das zweitgrößte Moorgebiet Südwestdeutschlands, das Pfrunger Ried. Es liegt zwischen Wilhelmsdorf und Ostrach im Herzen Oberschwabens. Die Wanderer bzw. Spaziergänger erwartet eine große- und auch einzigartige Pflanzen- und Tierwelt.

Zahlreiche verschieden lange Spazier- bzw. Wanderwege unterschiedlicher Länge, zum Großteil als Rundwege angelegt, laden geradezu zum Besuch ein. Eine ideale Gegend für eine zünftige Wanderung, die auch für Familien mit Kindern bestens geeignet ist. Zwischen 1,5 und 3,5 Stunden ist man auf den vorbildlich  beschilderten, gut gepflegten Wegen, vorbei an Aussichtsplattformen unterwegs.

Verschiedene Wanderparkplätze ermöglich ganz verschiedene Ausgangspunkte.

Der Rheingletscher hat seine Spuren hinterlassen

Zahlreiche Informationstafeln vermitteln einen perfekten Eindruck und erläutern anschaulich die Bedeutung von Moor, Wald- und Weidelandschaft. Die Geschichte des Moors geht auf die Würmeiszeit zurück. Vor rund 12.000 Jahren zog sich der Rheingletscher zurück und ließ ein Hochmoor-Biotop zurück. Dieses wurde noch bis weit ins 20. Jahrhundert intensiv zur Torfgewinnung genutzt. Aber bereits seit 1938 liefen Bemühungen das Ried zu renaturieren.

Moorgebiet von internationaler Bedeutung

Zwischen 2002 und 2015 hat der Naturschutz mit großem Aufwand das ehemalige Torfabbaugebiet mit großem Erfolg wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurück versetzt. Das Pfrunger-Burgweiler Ried gehört neben dem Federseegebiet und dem Wurzacher Ried zu den größten zusammenhängenden Moorgebieten Süddeutschlands. Es handelt sich damit um eine Moorlandschaften mit nationaler, zum Teil sogar internationaler Bedeutung.

Zerstörung des Moores erfolgreich gestoppt

Seit dem 18. Jahrhundert ging es den Mooren an den Kragen. Abtorfung, Entwässerung und Umwandlung in eine immer intensiver genutzte Kulturlandschaft sind die “Sargnägel” eines jeden Moores. Um die vollständige Zerstörung der Moorlebensräume zu stoppen und Moore wieder wachsen zu lassen, gibt es europaweit Schutzprogramme, die zum Ziel haben, die Moore wieder zu durchnässen. So auch im Pfrunger Ried, das jetzt als einzigartiges Naturschutzgebiet ausgewiesen ist

Für alle Bedürfnisse den richtigen Weg

Vom gut ausgebauten, auch mit Kinderwagen und Rollstuhl befahrbaren Weg über Kieswege bis zum eher holprigen Pfad über Wurzeln und Hackschnitzel bieten die Wanderwege für alle Bedürfnisse die richtige Beschaffenheit. Die Länge der Wege variiert zwischen sechs und 12 km.

Wer auf kurzen Wegen viel erleben und erfahren möchte, dem sei einer der Moor-Erlebnispfade mit variablen Wegstrecken von ein bis fünf km empfohlen (Startpunkt am Naturschutzzentrum Wilhelmsdorf oder in Burgweiler).

Wir haben uns für den Rundweg „Großer Trauben“ entschieden.

Die Anfahrt erfolgt über Ravensburg West bis Wilhelmsdorf und weiter nach Pfrungen. Unser Ziel ist der Weiler Ulzhausen. Gleich nach dem ersten Haus auf der rechten Seite führt ein schmaler Weg (leicht zu übersehen) rechter Hand zu einem kleinen Wanderparkplatz. Man kann den Rundweg auch beim Naturschutzzentrum in Wilhelmsdorf, in Riedhausen, Burgweiler oder Ostrach (Bahnhof) beginnen.

Ruhe und Stille im Bannwald und Moor

Erst rechts, dann links geht es schon bald in einen naturbelassenen Bannwald mit zahlreichen Wasserläufen, Seen und Tümpeln. Wie in einem Urwald ragen Baumstümpfe empor. Der Wald wird hier sich selbst überlassen. Wer Ruhe sucht, ist hier genau richtig. Abgesehen von einem Vogelkonzert herrscht Stille.

Auf dieser herrlichen Wanderung bekommt man einen guten Eindruck über das Moor, den Bannwald und eine wilde Weidelandschaft. Jede Menge verschiedenster (Wasser-) Vögel, Insekten und Kriechtiere kann man beobachten.

Fantastische Aussicht vom Bannwaldturm

Bald ist das „Wahrzeichen“ des Riedes, der knapp 40 Meter hohe Bannwaldturm erreicht. 219 Stufen führen hinauf zu einer Aussichtsplattform, die einen 360 Grad Rundblick ermöglicht. Hier oben kann man das gesamte Moorgebiet überblicken. Bei gutem Wetter reicht der Blick bis zu den Alpen. Eine Besteigung lohnt auf alle Fälle.

Weiter geht es auf einem Schotterweg, eher langweilig auf einer langen Geraden. Links grasen friedlich Gallowayrinder mit ihrem markanten zotteligen Fell. Sie weiden das ganze Jahr im Freien und bringen auch die Kälber hier draußen zur Welt.

Vorbei an verfallenen Torfhütten und Rinderherden

Nach einer knappen halben Stunde biegen wir in einen Wiesenweg mit Hackschnitzeln ein. Bald nimmt uns das Moor mit Wasserläufen und Weihern wieder auf. Vorbei an alten, zum Teil verfallenen Torfhütten geht es zu einer weiteren Weide, wo sich Longhornrinder in einer Herde das frische Gras schmecken lassen.

Im großen Bogen geht es zurück zum Ausgangspunkt.

Rund zehn km muss man auf dieser Runde zurücklegen. Dafür sollte man schon gut drei Stunden Zeit einplanen (ohne Pausen). Da es keine Einkehrmöglichkeiten gibt, sollte man eine Brotzeit und ausreichend Getränke mitnehmen. Auch Sonnenschutz ist empfehlenswert.

Weil es unterwegs immer auch wieder ein paar feuchte Stellen gibt, wird festes Schuhwerk angeraten.

Weitere Infos auch unter https://pfrunger-burgweiler-ried.de/wandern/

(Bilder: Wilfried Vögel)