Vorreiter Ravensburger Schulen Tampons und Binden kostenlos aus dem Automaten

Gratis Menstruations-Artikel in Schulen. In Ravensburg ist das ab sofort an der Tagesordnung.
Gratis Menstruations-Artikel in Schulen. In Ravensburg ist das ab sofort an der Tagesordnung. (Bild: picture alliance / Flashpic | Jens Krick)

Das Welfengymnasium und andere weiterführenden Schulen der Stadt Ravensburg haben auf ihren Damentoiletten nun das, was längst überfällig war: Einen Automaten mit kostenlosen Tampons und Binden. Zu den Initiatoren der ersten Stunde gehörte ein Junge.

Am Dienstag gab es für die Presse einen eher ungewöhnlichen Ort der Zusammenkunft. Man traf sich im Welfengymnasium vor der Damentoilette und inspizierte gemeinsam einen brandneuen Automaten im Innern des WC’s. Der Inhalt: kostenlose Hygieneartikel.

Schneller Helfer während der Tage

Mädels, die während der Schulstunden von ihrer Periode überrascht werden, müssen nun nicht mehr wie früher ins Sekretariat springen, peinlich berührt nachfragen oder schauen, ob die Vorgängerin im kleinen Produkt-Körbchen im WC noch etwas übriggelassen hat. Jetzt reicht ein Klick auf den weißen Automaten an der Wand und die benötigten Hilfsmittel kommen sauber und hygienisch verpackt heraus.

Das hört sich alles ganz einfach und selbstverständlich an, ist es aber nicht. Bis zu diesem neuen und kostenfreien Luxus war es ein langer Weg. Dafür gekämpft haben von der ersten Stunde an Charly Schmidt, Lucy Schäfer und Florentine Auffinger vom Schülerrat. Aller Ehre wert, dass sich für die Probleme der Frauen auch ein Junge eingesetzt hat. Ich nehme mal an, dass sie sicherlich mit vielen Schwestern aufgewachsen sind? „Nein, ich habe nur einen jüngeren Bruder, aber das Anliegen der Mädels war mir ein Bedürfnis, mich dafür einzusetzen.“

Schülerrat hat dafür gekämpft

Angefangen hat alles mit den bereits erwähnten Körbchen und einer kleinen Auswahl an Hygieneartikeln im WC. Auch dafür setzte sich schon vor drei Jahren der Schülerrat ein. Über die Jahre erwies sich die Nachfüllung als schwierig und die Finanzierung als unpraktisch.

Schülerrat, Vertreter der Stadt Ravensburg und natürlich Rhoda Fideler (li.). Die Geschäftsfrau aus der Region sorgt mit kleinen Annehmlichkeiten aus dem Automaten dafür, dass sich Frau wohlfühlt.
Schülerrat, Vertreter der Stadt Ravensburg und natürlich Rhoda Fideler (li.). Die Geschäftsfrau aus der Region sorgt mit kleinen Annehmlichkeiten aus dem Automaten dafür, dass sich Frau wohlfühlt. (Bild: privat)

Aus diesen Gründen hatte sich der Schülerrat das Ziel gesetzt, eine leicht zugängliche Versorgung für all die Mädels an den Schulen für die natürlichste Sache der Welt einzurichten. Anfang des Jahres wurde dann ein Antrag an die Stadt gestellt und am 11. Mai stimmte der Gemeinderat positiv für die Einführung der kostenlosen Bereitstellung ab. „Die Stadt ist immer offen für Anliegen des Schülerrats und bei Simon Blümcke (1. Bürgermeister der Stadt Ravensburg) ist der Schülerrat Chefsache. Bei guten Diskussionen ist schon oft aufgefallen, wie positiv die Wirksamkeit des Schülerrats ist. Hier werden Türen zur Politik aufgemacht,“ so Jugendreferent Thomas Ritsche. Auch aus der Elternschaft des Welfengymnasiums gab es große Zustimmung für die Automaten.

An den sechs städtischen weiterführenden Schulen profitieren durch die Aktion nun rund 1.330 Schüler von 18 Automaten. Alle Hygieneprodukte werden übrigens in Deutschland hergestellt. Mit dabei sind die Gemeinschaftsschule Ravensburg mit beiden Standorten, die drei städtischen Gymnasien, die Realschule Ravensburg sowie die Schule St. Christina. Die Stadt hat rund 21.000 Euro für die Anschaffung und Erstbestückung der Automaten finanziert.

Was lange währt, wird endlich war: Charly Schmidt, Lucy Schäfer und Florentine Auffinger (v.li.) vom Schülerrat mit dem brandneuen Automaten im Damen-WC des Welfengymnasiums.
Was lange währt, wird endlich war: Charly Schmidt, Lucy Schäfer und Florentine Auffinger (v.li.) vom Schülerrat mit dem brandneuen Automaten im Damen-WC des Welfengymnasiums.

Kenianerin mit großem Erfindergeist 

Hinter den Automaten verbirgt sich die gelernte Krankenschwester Rhoda Fideler, Gründerin von Meritacare aus Tettnang. Sie ist in einem ostafrikanischen Land aufgewachsen, in dem alles rund um die Periode ein absolutes Tabuthema ist. „In meiner Heimat sind viele Frauen der Ansicht, dass man am besten zuhause bleibt, wenn man seine Tage hat.“ Dagegen kämpft Fideler an. Sie möchte alte Tabus brechen und unterstützt regelmäßig Schulen in Kenia mit kostenlosen Binden.

Den Automaten für die Schulen hat die findige Geschäftsfrau in kurzer Zeit nach eigenen Ideen selbst entworfen. Wie kommt man auf die Idee, Automaten für verschiedene Hygieneartikel zu entwerfen? „Als Frau habe ich bemerkt, dass es eine Menge verschiedener Automaten für alles Mögliche gibt: Snacks, Getränke, Kondome, Kaugummis, Zahnbürsten, etc. Das ist alles schön und gut, aber was ich vermisst habe, ist ein Automat, der die Grundbedürfnisse der Frauen bedient. Also habe ich beschlossen etwas dagegen zu tun.“ Mitarbeiter von Meritacare sorgen auch dafür, dass die Automaten immer wieder befüllt werden.

Nach den Ravensburger Schulen wird es hoffentlich noch viele weitere Instituten geben, die einen dieser Automaten aufstellen. Und damit einer Menge Mädchen und Frauen helfen, sich wohler zu fühlen.