Die St. Elisabeth-Stiftung spricht in Blitzenreute mit der Landespolitik über die Zukunft der Pflege. Im Fokus stehen Bürokratie, Digitalisierung und Pflegeplätze.
Wie stark administrative Vorgaben den Pflegealltag belasten, machten Vertreter der St. Elisabeth-Stiftung anhand konkreter Beispiele deutlich. Beim politischen Sommergespräch im Wohnpark St. Martinus ging es unter anderem um die Verordnung von Thrombosestrümpfen und Bedarfsmedikamenten. Die Stiftung plädierte dafür, Pflegefachkräften mehr Entscheidungskompetenz einzuräumen.
An dem Austausch nahmen Petra Krebs, Staatssekretärin im Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit Baden-Württemberg, und Anna Wiech, Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Ravensburg-Tettnang und gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, teil. Vonseiten der Stiftung waren Vorstandssprecherin Andrea Thiele, Stiftungsratsvorsitzender Thomas Munding, Wohnparkleiterin Claudia Ziegler und Vorstandsreferentin Rafaela Haller dabei. Auch Fronreutes Bürgermeister Oliver Spieß nahm teil.
Kritik gab es zudem an der telefonischen Einstufung bei Höherstufungen von Pflegegraden sowie an langen Bearbeitungszeiten des Medizinischen Dienstes. Krebs sagte zu, die Anliegen aufzunehmen, verwies jedoch auf die eigene Zuständigkeit des Medizinischen Dienstes.
Sorge um bestehende Pflegeplätze
Ein weiteres Thema war das neue Landesheimrecht mit dem Teilhabe- und Pflegequalitätsgesetz (TPQG) und der dazugehörigen Ausführungsverordnung, die unter anderem die frühere Landesheimbauverordnung ablöst.
Thiele begrüßte, dass der Koalitionsvertrag einen Bestandsschutz für ältere Einrichtungen der stationären Pflege und Eingliederungshilfe vorsieht, und hoffte auf eine zügige Umsetzung in der Verordnung. Gleichzeitig forderte sie Planungssicherheit. Offen seien unter anderem Vorgaben zur Wohngruppengröße und ein möglicher Wegfall von Pflegeplätzen bei ohnehin hohem Versorgungsbedarf.
Soziale Träger hätten Lösungen, erklärte Thiele, erhielten von der Politik jedoch zu häufig nicht genügend Gestaltungsraum. Krebs dämpfte die Erwartungen: Ein Koalitionsvertrag sei noch kein Gesetz, weshalb die weitere Entwicklung abgewartet werden müsse.
Digitalisierung nicht vollständig refinanziert
Auch die Finanzierung neuer Technologien beschäftigte die Teilnehmer. Die Stiftung kritisierte, dass über den Innovationsfonds zu wenig echte Innovation gefördert werde. Als Beispiele nannte sie den Bau zukunftsfähiger Pflegeeinrichtungen und den Einsatz neuer, auch KI-gestützter Technologien.
„Wir hängen immer hinterher“, brachte es Einrichtungsleiterin Claudia Ziegler auf den Punkt.
Für die Anschaffung digitaler Anwendungen ist derzeit gemäß § 8 Abs. 8 SGB XI ein einmaliger Zuschuss von bis zu 12.000 Euro möglich. Folgekosten oder höhere Anschaffungskosten werden allerdings nicht refinanziert.
Thiele lud Wiech dazu ein, sich ein laufendes Digitalisierungsprojekt zur Spracherkennung vor Ort anzusehen. Die neue Software soll Mitarbeitende künftig bei der Dokumentationsarbeit entlasten.
Palliativversorgung und Fachkräfte im Fokus
Ziegler stellte zudem das Modellprojekt Palliative Care vor, das über zwei Jahre in zwei Wohnparks der St. Elisabeth-Stiftung umgesetzt wurde. Die Palliativversorgung gehört zu den Zuständigkeitsbereichen der Landtagsabgeordneten Wiech.
Beim Thema Fachkräftesicherung ging es um fehlende Praxisplätze in Krankenhäusern für die generalistische Ausbildung sowie um den Wettbewerb um Personal und Vergütungsunterschiede zu den Kliniken.
Diskutiert wurden außerdem neue Versorgungsmodelle – von stationär-ambulanten Mischformen („stambulant“) über Wohngemeinschaften bis hin zu einer stärkeren Einbindung von Angehörigen. Munding betonte, wirtschaftliche Tragfähigkeit sei Voraussetzung, um in solche Modelle investieren zu können. Krebs sprach sich für quartiersnahe, gemeinwesenorientierte Ansätze aus.
Weitere Fragen zur Versorgung
In der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen wurde auch die Umstellung auf ein konsolidiertes Modell einer Leistungs- und Vergütungssystematik nach dem Bundesteilhabegesetz (BTHG) thematisiert. Thiele kritisierte, dass die Kosten der Umstellung nicht übernommen würden.
Zur hausärztlichen Versorgung und zu Möglichkeiten der Televisite erklärte Ziegler auf Nachfrage von Krebs, dass die Bewohner derzeit ausreichend versorgt seien.
Für Krebs, die ihr Amt im Mai 2026 angetreten hat, war der Besuch Teil ihrer Sommertour durch Baden-Württemberg. Wiech und Thiele wollen ihren Austausch in der kommenden Woche beim Hospiz Schussental fortsetzen und dort vertieft über Palliative Care sprechen.
(Quelle: St. Elisabeth-Stiftung)