Spezialisten und Chefärzte beantworten Fragen zum Thema Pankreas-Krebs

Spezialisten und Chefärzte beantworten Fragen zum Thema Pankreas-Krebs
Prof. Dr. med. Peter Klare, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I und Prof. Dr. med. Karolin Thiel, Chefärztin der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie. (Bild: OSK)

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Mit Prof. Dr. med. Karolin Thiel, Chefärztin der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie, und Prof. Dr. med. Peter Klare, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I, hat sich die Oberschwabenklinik am St. Elisabethen-Klinikum in Ravensburg 2023 mit zwei hochkarätigen, preisgekrönten Tumorspezialisten verstärkt.

„Die Wechsel von Professor Thiel und Klare, beide renommierte Experten in der Viszeralmedizin, unterstreichen eindrucksvoll die Exzellenz unseres Krankenhauses, gerade bei Krebserkrankungen des Bauchraums“, sagt Prof. Dr. Oliver Rentzsch, Ärztlicher Direktor der Oberschwabenklinik. „In den vergangenen Jahren haben die zertifizierten Krebszentren der Oberschwabenklinik und unser Viszeral-Onkologisches Zentrum mehr und mehr überregionale Bedeutung gewonnen. In unserem Darmzentrum und im Pankreaskarzinomzentrum behandeln wir Patienten auf universitärem Niveau und haben überall eine hohe Patientennachfrage.“

Prof. Thiel und Prof. Klare besitzen jahrelange ausgewiesene Expertise bei den Tumoren des Bauchraums. Prof. Thiel war an der Universitätsklinik in Tübingen Leitende Oberärztin und Schülerin von Prof. Alfred Königsrainer, einer internationalen Koryphäe auf dem Gebiet der Onkologischen Chirurgie. Prof. Dr. Klare ist Spezialist für Gastroenterologie und interventionelle Endoskopie, also minimalinvasiven Verfahren, bei denen Tumoren des Magendarmtrakts schonend entfernt werden können. Er war zuvor unter anderem als stellvertretender Leiter der interdisziplinären Endoskopie am renommierten Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München tätig.

Thema Bauchspeicheldrüsenkrebs

Im Bereich Bauchspeicheldrüsenkrebs hält die OSK als zertifiziertes Zentrum dem Vergleich mit Großkliniken stand. Pankreastumore sind selten: Etwa 21 000 Menschen erkranken jedes Jahr in Deutschland neu an der Krebsart, das sind drei Prozent aller neuen Krebspatienten. Allerdings verursachen die extrem aggressiven Pankreaskarzinome sechs Prozent der krebsbedingten Todesfälle.

Die Zahl der Neuerkrankungen steigt deutlich an, sie hat sich seit 2008 fast verdoppelt. Experten gehen davon aus, dass Pankreaskrebs im Jahr 2030 nach dem Lungenkrebs die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache sein wird. Das mittlere Erkrankungsalter liegt derzeit bei 74 Jahren. Prof. Thiel und Prof. Klare beantwortet Fragen über Diagnose, Therapie und Versorgung.

Bauchspeicheldrüsenkrebs gilt als extrem tückisch und aggressiv. Woran liegt das?

Prof. Karolin Thiel: Beim Pankreaskarzinom gibt es leider keine Möglichkeit zur Prävention, keine Vorsorgeuntersuchungen wie etwa bei Darm-, Brust- oder Prostatakrebs, deshalb ist der Krebs bei Diagnosestellung oft schon weit fortgeschritten. Man spürt den Krebs zu Beginn nicht, hat keine Schmerzen, und leider kann man kann sich dagegen auch kaum schützen – von schädlichem Nikotin- und Alkoholkonsum natürlich abgesehen.

Die Symptome sind eher unspezifisch, das können diffuse Schmerzen im Oberbauch sein, die in den Rücken ausstrahlen. Später können eine Gelbfärbung der Haut, insbesondere der Augen, und auch ein fortschreitender Gewichtsverlust und Appetitlosigkeit auftreten. Wichtig ist eine frühestmögliche Diagnose, deshalb ist es entscheidend, Arzttermine bei Beschwerden nicht lange aufzuschieben. Einzig durch eine zeitnahe Operation kann man den Krebs heilen, eine Bestrahlung ist nicht effektiv.

Prof. Klare: Tatsächlich wird Pankreaskrebs zumeist erst dann entdeckt, wenn er anhaltende Beschwerden verursacht. Er kann aber auch durch Zufall festgestellt werden, etwa bei Ultraschalluntersuchungen des Bauchraumes. In seltenen Fällen können auch aus Zysten der Bauchspeicheldrüse Krebs entstehen. Es ist daher wichtig, diese Zysten regelmäßig zu überwachen. In meine Spezialsprechstunde kommen Patienten zumeist nach Überweisung durch den Hausarzt zur weiteren Diagnostik. Es folgt dann sehr schnell eine hochsensitive Endosonographie der Bauchspeicheldrüse. Mit diesem „inneren Ultraschall“ kann die Bauchspeicheldrüse exakt beurteilt werden. Bei einer tatsächlichen Tumordiagnose folgt eine CT des Brust- und Brauchraums wegen möglicher Tumorstreuungen.

Wie lange warten Krebspatienten bei der OSK auf ihren Operationstermin?

Prof. Klare: Zunächst wird jeder Fall in der interdisziplinären Tumorkonferenz der OSK beraten, in der alle Fachbereiche – auch Onkologie und Radiologie – vertreten sind, und in der auch die OP-Methode besprochen wird. Wir können prinzipiell allen Krebspatienten garantieren, dass die Operation in unserem Zentrum innerhalb von zwei Wochen nach der Erstdiagnose erfolgt. Das Alter, ob 60 oder 85, spielt dabei keine Rolle. Und: Wir bieten eine standardisierte, leitliniengerechte Therapie an. Das bedeutet: Der Patient erhält genau die Diagnostik und Therapie, die nach dem aktuellen wissenschaftlichen Standard die richtige ist. Eine hohe Qualität der Behandlung steht auch hier im Vordergrund.

Was bedeutet „zertifiziertes Pankreaszentrum“ exakt?

Prof. Thiel/Prof. Klare: „Es ist ein Qualitätssiegel, von dem Patienten klar und nachweisbar profitieren. Studien belegen, dass Patienten, die in einem zertifizierten Zentrum behandelt werden, bessere Heilungschancen haben als andere, länger überleben und weniger Komplikationen haben. Das liegt daran, dass die Qualität der Behandlung und der Prozesse hohen Anforderungen zu genügen haben. Beispielsweise muss an einem Zentrum eine Mindestanzahl an Operationen durchgeführt werden – insgesamt als Klinik, aber auch pro Chirurg, damit Erfahrung und Expertise gewährleistet sind. Das ganze Team des Zentrums muss Fortbildungskriterien nachweisen, um eine bestmögliche Behandlung zu garantieren. Zudem werden die Behandlungsergebnisse regelmäßig überprüft, die Komplikationsraten müssen gering sein.

Welche OP-Methoden versprechen den meisten Erfolg, Frau Prof. Thiel?

Prof. Dr. Thiel: Inzwischen sind minimalinvasive, roboter-assistierte Operationen mit dem Da-Vinci-System sowohl beim oberen als auch beim unteren Gastrointestinaltrakt Standard. Sie bieten Chirurgen und Patienten einen großen Vorteil. Sie sind präziser, gewebeschonender, man kann durch optimale Winkel und die Vergrößerung der Kameras die Tumore und Lymphknoten millimetergenau, radikal und vollständig entfernen. Zudem profitieren wir von der Schnellschnitt-Methode, bei der wir während der OP Gewebe an den benachbarten Pathologen schicken, der Minuten später mitteilt, wo exakt sich noch befallene Schichten befinden.

Wir bieten im Bereich der Onkologischen Chirurgie alle klassischen und modernen OP-Methoden an. Wir können zudem mehr Pankreaspatienten als früher operieren, indem wir sie zuvor mit einer Chemotherapie vorbehandeln und dadurch die Blutgefäße von den Tumoren befreien. Man spricht hier von der vorgeschalteten sogenannten neoadjuvanten Therapie.

Es sind große, komplexe Operationen, aber unsere Expertise und Möglichkeiten an der OSK haben universitäres Niveau, sowohl im endoskopischen als auch im operativen Setting. Wir können in Ravensburg maximale Therapie anbieten und wir besitzen den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass wir heimatnah sind, in der Nähe der Angehörigen, die Patienten sind in ihrer vertrauten Umgebung. Prof. Klare: Gerade in der Nachsorge spielt das gewohnte Umfeld oft eine große Rolle. Auch hier decken wir an der Oberschwabenklinik alle nur denkbaren Aspekte ab.

Nach der Operation erholen sich Patienten zunächst wenige Tage auf der operativen Intensivstation und werden dann auf der chirurgischen Normalstation weiterbehandelt. Sie werden kontinuierlich von einem multidisziplinären Team aus Chirurgen, Onkologen, Ernährungsexperten sowie Physio- und Psychotherapeuten betreut. In der onkologischen Praxis Ravensburg betreuen Prof. Dr. Tobias Dechow und sein Team Patienten mit Pankreastumoren. Die Anbindung für eine Nachbehandlung in der onkologischen Praxis erfolgt zeitnah bereits während des stationären Aufenthalts.

(Pressemitteilung: OSK)