Nachwuchs-Offensive gestartet: Bäckerei-Azubis im Kreis Ravensburg erhalten mehr Geld

Nachwuchs-Offensive gestartet: Bäckerei-Azubis im Kreis Ravensburg erhalten mehr Geld
Backen lernen lohnt sich: Bäckerei-Azubis haben deutlich mehr Geld im Portemonnaie. „Damit wird die Ausbildung am Backofen und Verkaufstresen in Bäckereien deutlich attraktiver“, so die BäckerGewerkschaft NGG Ulm-Aalen-Göppingen. (Bild: NGG /Tobias Seifert)

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Der Nachwuchs in dem wichtigen Handwerk darf sich ab dem ersten Lehrjahr auf ein sattes Plus im Geldbeutel und einige Vergütungen freuen. Alle Bäckerei-Azubis im Kreis Ravensburg sind dazu aufgerufen, einen „Azubi-Konto-Check“ durchzuführen.

Die Zeiten, in denen Bäckerei-Azubis kleine Brötchen gebacken haben, ist vorbei, heißt es in einer Pressemitteilung. Wer in den 59 Bäckereien oder in deren Filialen im Landkreis Ravensburg eine Ausbildung macht, hat jetzt deutlich mehr Geld im Monat zur Verfügung. Darauf hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hingewiesen. Es gebe eine wesentlich höhere Ausbildungsvergütung: „Wer seine Ausbildung anfängt, geht mit mindestens 860 Euro im Monat nach Hause. Das sind 180 Euro mehr als bislang.

Rund ein Viertel mehr auf dem Konto

Im zweiten Ausbildungsjahr gibt es 190 Euro zusätzlich. Und im dritten bekommt der Bäckerei-Nachwuchs 1.085 Euro – ein Plus von 200 Euro. Im Schnitt haben die Bäckerei-Azubis damit rund ein Viertel mehr auf dem Konto“, sagt der Geschäftsführer der NGG Ulm-Aalen-Göppingen, Michael Gutmann. Außerdem werde es bis zum Jahresende noch eine Inflationsausgleichsprämie von 50 Euro pro Monat geben.

Die NGG Ulm-Aalen-Göppingen ruft alle Bäckerei-Azubis im Kreis Ravensburg zu einem „Azubi-Konto-Check“ auf. „Wer das zusätzliche Geld noch nicht bekommt, sollte sich melden. Dazu gibt es auch noch ein Ticket-Geld von 29 Euro im Monat für den ÖPNV. Da kommt also einiges zusammen“, erklärt NGG-Geschäftsführer Gutmann.

Es gilt eine Allgemeinverbindlichkeit

Für die deutlich bessere Bezahlung vom Bäckerei-Nachwuchs habe sich die NGG in zähen Verhandlungen am Tariftisch stark gemacht. „Jeder Azubi in einer Bäckerei profitiert jetzt davon: Egal, ob es um die Ausbildung in der Backstube oder am Verkaufstresen geht. Wichtig ist, dass der Tarifabschluss dazu für alle Betriebe gilt – ohne Ausnahme“, erklärt Michael Gutmann.

Für die „Azubi-Tarife“ gelte nämlich eine Allgemeinverbindlichkeit. Dafür habe sich die Gewerkschaft NGG zusammen mit dem Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks beim Bundesarbeitsministerium eingesetzt. „Die Branche startet damit eine ‚Azubi-Offensive‘. Und das ist auch dringend notwendig. Denn nur so haben die Bäckereien im Kreis Ravensburg überhaupt die Chance, Nachwuchs zu bekommen“, sagt Michael Gutmann.

Nur 62 Azubis im Kreis Ravensburg

Der Geschäftsführer der NGG Ulm-Aalen-Göppingen spricht vom „Akut-Problem Azubi-Schwund“: In allen Bäckereien im Kreis Ravensburg gebe es derzeit lediglich 62 Auszubildende. „Zehn Jahre zuvor waren es immerhin 144 Bäckerei-Azubis“, so Gutmann. Die NGG beruft sich dabei auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. „Die Azubi-Zahlen bei den Bäckereien im Kreis Ravensburg sind damit dramatisch eingebrochen – um rund 57 Prozent. Jetzt geht es darum, diesen Trend zu stoppen“, sagt NGG-Geschäftsführer Gutmann.

Die Arbeit in Bäckereien sei interessant und krisensicher. Um sie aber wirklich attraktiv zu machen, müsse auch der Lohn nach der Ausbildung stimmen: „Eine faire Bezahlung bedeutet, dass jede Bäckerei im Kreis Ravensburg den Tariflohn zahlt. Und das ist wichtig, um Bäcker und Fachverkäuferinnen bei der Stange zu halten. Denn die Qualität von Brot, Brötchen, Torten, Kuchen & Co. steht und fällt damit, ob ausgebildete Profis in der Bäckerei arbeiten“, macht Michael Gutmann deutlich.

Backen ist ein Handwerk – und das muss man lernen

Am Ende entscheide nicht zuletzt auch der Tariflohn darüber, wie gut die Ware sei, die über die Ladentheke gehe. Schon jetzt versuchten viele Betriebe, fehlende Fachkräfte durch Quereinsteiger zu ersetzen. „Backen ist ein Handwerk. Und das muss man lernen. Dazu müssen die Bäckereien aber auch eine gute Ausbildung bieten“, sagt der Geschäftsführer der Bäcker-Gewerkschaft.

(Quelle: Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG))