Insektenwelt Männerfresserin bundesweit auf dem Vormarsch

Männerfresserin bundesweit auf dem Vormarsch
Die kräftigen Fangarme der Gottesanbeterin sind mit zahlreichen Dornen bestückt. Einmal darin gefangen gibt es für die Beute kein Zurück mehr. (Bild: Nabu/Frank Derer)

Sie kann ihren dreieckigen Kopf nahezu um 180 Grad drehen, ist stets auf der Lauer und verspeist nach der Paarung meist das Männchen. Die Gottesanbeterin ist auf dem Vormarsch – auch bei uns. Wer das große Insekt sieht, sollte das unbedingt beim NABU melden.

Einst war die Gottesanbeterin eines der seltensten Insekten Deutschlands. Inzwischen ist sie immer öfter in neuen Regionen zu finden. Die wärmeliebende Mantis religiosa hat sich in den letzten Jahren durch den Klimawandel vom Kaiserstuhl aus in ganz Baden-Württemberg verbreitet.

Schneller als ein menschlicher Lidschlag

Das Insekt wird bis zu acht Zentimeter groß und verdankt seinen Namen ihrer typischen Sitzhaltung mit angewinkelten Vorderbeinen, die an betende Hände erinnern. Die vorderen Beine sind zu schnellen Fangwerkzeugen umgebaut, um Beute im Bruchteil einer Sekunde zu greifen. Der Vorgang des Fangschlags dauert nur 50 bis 60 Millisekunden – das ist etwa sechsmal schneller, als ein Lidschlag des menschlichen Auges.

Noch nie wurden so viele Gottesanbeterinnen gesichtet

Wie der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) berichtet, scheint der Sommer 2026 der Fangschrecke mit den Riesenaugen besonders gut zu tun. Noch nie wurden so viele Gottesanbeterinnen gesichtet und die Zahl nimmt immer weiter zu. An der Spitze sind es mehr als tausend Stück pro Tag. Seit Anfang Juli wurden bei NABU-naturgucker.de über 15.000 Meldungen eingetragen. Das ist deutlich mehr als im gesamten letzten Jahr.

Auf dem Weg von der Larve zum fertigen Insekt häuten sich Gottesanbeterinnen mindestens sechs Mal. Je nach Umgebung sind sie grün oder braun gefärbt und dadurch bestens getarnt. Flügel haben nur die erwachsenen Tiere.

Manche verirren sich sogar ins Haus

Aktuell fallen sie auf, wenn sie auf der Suche nach Nahrung und Hochzeitspartnern kurze Flüge unternehmen und dabei auch in Gärten kommen oder sich sogar ins Haus verirren. Der Anstieg der Beobachtungen signalisiert daher, dass immer mehr ausgewachsene Gottesanbeterinnen unterwegs sind. Meist ist das ab Mitte August der Fall, 2026 hat die Hitze die Entwicklung um zwei bis drei Wochen beschleunigt.

Im Zug des Klimawandels hat sich ihr Areal gewaltig vergrößert. Genetische Untersuchungen zeigen, dass die „Ost-Gottesanbeterinnen“ aus Tschechien und Polen eingewandert sind.

Ein Drittel der Männchen wird aufgefressen

Bei den Gottesanbeterinnen ist in den nächsten Wochen Fortpflanzung angesagt. Noch bis in die zweite Septemberhälfte sind sie häufig zu sehen, dann nimmt ihre Zahl rasch ab. Geschätzt ein Drittel der Männchen stirbt bereits unmittelbar nach der Paarung, denn sie werden von den Weibchen verspeist.

Was grausam klingt, ist im Sinne der Arterhaltung nachvollziehbar. Die Männchen haben ihre Schuldigkeit getan und die Weibchen stärken sich für die anstrengende Eierproduktion. Im Herbst sterben auch die Weibchen, nur die „Oothek“ genannten Eipakete überwintern.

Hungrig und harmlos – aber bitte melden

Wer eine Gottesanbeterin sieht, sollte das unbedingt melden. Die Art ist für Citizen Science, also die Erfassung durch Laien, ideal geeignet. Sie ist ruhig und geduldig, man kann sie gut fotografieren. Und sie ist durch ihre großen Fangarme unverwechselbar. Auswertungen der hochgeladenen Bilder zeigen, dass es kaum Fehlbestimmungen gibt.

Weitere Infos unter nabu.de