Klimakrise statt Wahlkampf: Expertenvortrag in der Mensa Isny

Klimakrise statt Wahlkampf: Expertenvortrag in der Mensa Isny
Manfred Walser fand eine sehr interessierte Zuhörerschaft in Isny vor. (Bild: Barbara Rau)
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Die Klimakrise hat im Wahlkampf nahezu keine Rolle gespielt. Umso mehr ein Grund für das Regionale Energieforum Isny (REFI), Manfred Walser von den Scientists for Future zu einem Vortrag in die Mensa des Schulzentrums einzuladen, wie REFI in seiner Pressemitteilung erklärt.

„Wir wollen nicht nur informieren und aufrütteln“, beschrieb Guntram Fischer, Vorsitzender von REFI die Aufgaben des Vereins. Für das Aufrütteln war der Vortrag Walsers, der in der Einführung auf die Grundlagen des Treibhauseffekts einging, durchaus geeignet.

Die Klimakrise, unter der die Menschheit zunehmend leidet, hat sie selbst verursacht. Darüber herrsche in der Wissenschaft zu 100 Prozent Konsens, erklärte Walser. Weltweit sei die 1,5 Grad-Marke gerade überschritten worden, in der Nordhälfte sogar die Zwei-Grad-Marke. Die bekannten Folgen sind Hochwasser, Dürre, Waldbrände und Stürme. Kipppunkte sind Punkte, ab denen sich die Erderwärmung nicht mehr aufhalten lasse und ab 1,5 Grad-Erderwärmung steige die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten der Kipppunkte stark an.

„Es braucht schnelles Handeln“, betonte Walser. Es tue sich viel, aus wissenschaftlicher Sicht aber nicht genug. „Das Klima wartet nicht auf uns“, mahnte er. Eine Lösung sei der CO2– und Emissionshandel. Ab 2027 sei mit deutlich steigenden Preisen bei Erdgas, Heizöl, Benzin und Diesel zu rechnen und damit weniger Nachfrage. Damit drohe jedoch manchen Menschen die Energiearmut und daher sei soziale Abfederung notwendig. Demgegenüber stehen die gleichbleibend niedrigeren Kosten für den Strombedarf von Wärmepumpen, bei deren Nutzung Deutschland zu den Schlusslichtern gehört, und einige Länder sogar um ein Vielfaches weiter sind als Deutschland. Wie übrigens auch bei der E-Mobilität.

 Kernkraft nennt Walser extrem teuer und riskant, die Endlagerung eine Hypothek für die nachfolgenden Generationen und die derzeit von manchen Politikern gehypte Kernfusion funktioniere nur auf der Sonne. Positiv sieht Walser, dass der Ausbau von PV und Windkraft läuft, und der Ausbau der Speicher beginne. Um Klimaschutz wirksam voranzubringen, müsse noch mehr Strom aus Wind und Sonne kommen, die Elektrifizierung genauso wie der Ausbau von Netzen und Speichern fortschreiten, und Wasserstoff als Speicher für grünen Strom, beispielsweise überschüssigen von Offshore-Windrädern.

Ein Baustein ist für Walser auch die Stärkung des öffentlichen Verkehrs. E-Mobilität sei die bessere Technik, aber eine Reduktion des Individualverkehrs trotzdem notwendig. Und angesichts der Grafik über die CO2-Emissionen von Nahrungsmitteln, scheint weniger fleischliche Kost (insbesondere Rind und Schwein) dringend geboten.

Nicht zuletzt ergibt eine wissenschaftliche Hochrechnung, dass es 2040 200 Millionen Klimaflüchtlinge geben wird. Denn bis dahin werden die Bedingungen auch in Ländern wie Spanien oder Griechenland für die Menschen unerträglich werden.

Die anschließende Diskussion zeigte, dass Walser bei den etwas über 50 Zuhörern offene Türen eingerannt hatte.

Die Vortragsfolien stehen zum Nachlesen bereit auf der Homepage von REFIoder unter s4f-rv.de.

(Pressemitteilung: Stadt Isny)