Die Regionaltreffen des Netzwerks Naturschutz führen in diesem Jahr in bedeutende Moorlandschaften. Vor Ort stehen Renaturierung, Wiedervernässung und Klimaschutz im Mittelpunkt.
Wie Moorgebiete wiederhergestellt werden können und welche Bedeutung sie für Artenvielfalt, Klimaschutz und Wasserrückhalt haben, zeigen die diesjährigen Regionaltreffen des Netzwerks Naturschutz im Regierungsbezirk Tübingen. Die Veranstaltungen führen in das Betzenweiler Ried im Landkreis Biberach, das Wurzacher Ried im Landkreis Ravensburg sowie in die ehemalige Moorlandschaft entlang der Schmiecha auf der Schwäbischen Alb im Zollernalbkreis.
Das Netzwerk Naturschutz vernetzt ehren- und hauptamtlich Engagierte aus Naturschutzverbänden, Verwaltung und Kommunen sowie Bürgerinnen und Bürger mit dem Ziel, die biologische Vielfalt zu stärken und zu erhalten. Viele Moorgebiete im Regierungsbezirk wurden in der Vergangenheit entwässert und für den Torfabbau genutzt. Heute werden ehemalige Moorflächen schrittweise wiederhergestellt oder entsprechende Maßnahmen vorbereitet.
„Die Regionaltreffen bieten die Möglichkeit, aktuelle Moorprojekte kennenzulernen. Sie zeigen, welche Voraussetzungen für Wiedervernässungen geschaffen werden müssen und wie sich Moorflächen nach ihrer Renaturierung entwickeln können“, sagt Sonja Bluhm, Koordinatorin des Netzwerks Naturschutz am Regierungspräsidium Tübingen.
Wiedervernässung im Betzenweiler Ried
Den Auftakt macht das Regionaltreffen Donau-Iller im Betzenweiler Ried. Dort wird das geplante Wiedervernässungsprojekt des Regierungspräsidiums Tübingen in Kooperation mit der Gemeinde Betzenweiler vorgestellt.
Auf rund 60 Hektar sollen ökologische Aufwertung, Wasserrückhalt und kommunale Vorsorge miteinander verbunden werden. Die Exkursion informiert über die fachlichen, planerischen und genehmigungsrechtlichen Anforderungen eines solchen Vorhabens. Zudem wird die Bedeutung des Gebiets für Wasservögel, Biber, Wiesenbrüter, Fische und Steinkrebse erläutert.
Erfolgreiche Renaturierung im Wurzacher Ried
Das Regionaltreffen Bodensee-Oberschwaben führt in das Wurzacher Ried, das größte noch intakte Hochmoor Mitteleuropas. Während Teile des Gebiets bis heute weitgehend unberührt geblieben sind, wurde in anderen Bereichen über Jahrhunderte Torf abgebaut.
Seit dem Ende des Torfabbaus Anfang der 1990er-Jahre wird das Ried schrittweise wiedervernässt und renaturiert. Die Exkursion führt über den Bohlenpfad, vorbei an ehemaligen Abbauflächen und durch heutige renaturierte Moorflächen. Die Teilnehmenden erhalten Einblicke in die Entstehung, Ökologie und Artenvielfalt des Moores sowie in die Herausforderungen des Moorschutzes im Klimawandel.
Moorentwicklung auf der Schwäbischen Alb
Beim Regionaltreffen Neckar-Alb stehen die Moorlandschaften entlang der Schmiecha im Mittelpunkt. Die Exkursion führt zunächst in das Naturschutzgebiet Eselmühle, einen der wenigen erhaltenen Reste des ehemals vermoorten Talzugs der Schmiecha/Schmeie. Dort werden aktuelle Planungen zur Wiedervernässung vorgestellt.
Anschließend geht es in das Naturschutzgebiet Geifitze am Ursprung der Schmiecha. Das einst bedeutendste und höchstgelegene Moor der Schwäbischen Alb wurde durch Torfabbau nahezu vollständig zerstört. Heute prägen artenreiche Flachland-Mähwiesen mit Übergang zu Nasswiesen sowie vom Biber gestaltete Lebensräume das Gebiet. Zahlreiche Vogelarten nutzen das Naturschutzgebiet als Rastplatz.
Ergänzend informieren alle Veranstaltungen über aktuelle Entwicklungen im Moorklimaschutz auf Bundes- und Landesebene. Zudem stellt sich die Fachstelle Moor und natürlicher Klimaschutz mit ihrem Unterstützungsangebot vor.
„Naturschutz lebt vom Engagement vieler Menschen und vom Austausch unterschiedlicher Perspektiven. Mit dem Netzwerk Naturschutz schaffen wir seit über 20 Jahren eine Plattform, auf der Ehrenamt, Verbände, Kommunen und Verwaltung miteinander ins Gespräch kommen und voneinander lernen können. Die Regionaltreffen sind dafür ein wichtiger Baustein“, sagt Sonja Bluhm, Netzwerkkoordinatorin im Regierungspräsidium Tübingen.
Anmeldung erforderlich
Das Netzwerk Naturschutz wird vom Regierungspräsidium Tübingen koordiniert. Es vernetzt ehren- und hauptamtlich Engagierte aus Naturschutzverbänden, Verwaltung und Kommunen sowie aus angrenzenden Bereichen wie Wasser-, Land- und Forstwirtschaft. Darüber hinaus bringen sich engagierte Bürgerinnen und Bürger aktiv in das Netzwerk ein. Der thematische Schwerpunkt wechselt jährlich. Gemeinsames Ziel ist die Erhaltung und die Stärkung der biologischen Vielfalt.
Für die Teilnahme an den Regionaltreffen ist eine Anmeldung erforderlich. Die Anmeldehinweise sind online auf der Internetseite rpt.baden-wuerttemberg.de verfügbar.
(Quelle: Regierungspräsidium Tübingen)