Die Gesundheitsversorgung in Oberschwaben ist im Umbruch. In den Kreisen Biberach, Sigmaringen und Ravensburg wurden die Schließungen der Kliniken in Laupheim, Riedlingen, Bad Saulgau, Pfullendorf und Bad Waldsee beschlossen.
Für die betroffenen Bürger des jeweiligen Einzugsgebietes stellt sich die Frage, ob und welche Nachfolgeregelungen für eine angemessene Gesundheitsversorgung als Ausgleich geschaffen werden. Die Zeit drängt, weil die wachsende Zahl der fehlenden Haus- und Fachärzte besorgniserregende Ausmaße annimmt. Beim Vergleich von Bad Waldsee zu Riedlingen ist festzustellen, dass die Städte bei der Umsetzung von Nachfolgestrukturen für die geschlossenen Kliniken mit unterschiedlichem Tempo unterwegs sind.
MVZ Bad Waldsee: OSK löst Kreistagsbeschlüsse um
Erst seit wenigen Tagen ist das Krankenhaus Bad Waldsee endgültig Geschichte. Noch bevor die Schließung vollzogen wurde, hat die Oberschwabenklinik gGmbH (OSK) mit einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) für erste ambulante Nachfolgestrukturen gesorgt.
Dazu teilte Winfried Leiprecht (OSK, Marketing und Unternehmenskommunikation) mit: „Das Medizinische Versorgungszentrum eröffnete am 3. Juli mit dem Fachbereich Chirurgie. Arzt im MVZ ist Dr. Peter Merz (Facharzt für Chirurgie). Seit vielen Jahren arbeitet im Erdgeschoss bereits von der OSK unabhängig die Urologische Praxis Dr. Pöttich/Dr. Wösle. Das MVZ der OSK könnte ein Teil eines künftigen Primärversorgungszentrums (PVZ) werden. In diesem Versorgungszentrum würden dann noch weitere Anbieter arbeiten. Die Federführung für das PVZ liegt bei der Stadt Bad Waldsee.“
PVZ in Planung
Oberbürgermeister Mattias Henne teilte auf Nachfrage ungewohnt knapp mit: „Die Dinge werden weiter vertraulich und in enger Abstimmung mit möglichen Partnern erarbeitet.“ Wer Henne kennt, kann davon ausgehen, dass das PVZ sorgfältig, aber mit großem Elan vorangetrieben wird. Dabei wird die Stadt von der Firma DIOMEDES GmbH (Melsungen) unterstützt.

Mittlerweile kann das MVZ Bad Waldsee einen Neuzugang zu vermelden. Die Oberschwabenklinik kann einen Fachbereich Innere Medizin einrichten. Der Start soll zum 1. Oktober erfolgen. Simone Strobel, bislang Oberärztin in der Inneren Medizin am Krankenhaus Bad Waldsee, wird die Stelle besetzen. Das ist aber wohl nicht das Ende der Fahnenstange. Interessant ist, dass unter der Webseite zu lesen ist, dass damit die Kreistagsbeschlüssen vom vergangenen Jahr von der OSK umgesetzt wurden.
Riedlingen wartet immer noch auf das AMD
Seit rund 10 Jahren kämpft die Bürgerinitiative zum Erhalt des Riedlinger Krankenhauses (BI) unermüdlich um eine gute Nachfolgeregelung für das Krankenhaus. Sie gab auch den Anstoß, dass auf der Klinge ein medizinisches Dienstleistungszentrum gebaut wurde, in dem am 3. Juli die Orthopädisch Chirurgische Praxis (OCP), die frühere SI-Klinik im Krankenhaus, ihre Tätigkeit aufgenommen hat. In den nächsten Wochen werden nach und nach weitere Arzt- und Facharztpraxen, sowie medizinische Dienstleister ihre Tätigkeit in dem Neubau aufnehmen.

Der große Wurf zu einer umfassenden Nachfolgeregelung blieb bisher aber aus. Die Planungen für ein Ambulant-Medizinisches-Dienstleistungszentrum (AMD) unter städtischer Verantwortung wurde vor über einem Jahr von der Gemeinderatsmehrheit auf Vorschlag der Verwaltung „kassiert“. Zwar wurde das Projekt für Investoren ausgeschrieben, aber über Ergebnisse ist bis heute nichts bekannt. Dies, obwohl die Eingabefrist für die Investoren bereits am 22. Dezember 2022 endete. Selbst wenn die Stadt tatsächlich mit einem Investor erfolgreich verhandelt und dieser die an ihn gestellten Anforderungen umfänglich erfüllt, kann mit einem Baubeginn in diesem Jahr wohl nicht mehr gerechnet werden.