500 Jahre Bauernkrieg Gedenksteine als Appell für Demokratie und Gerechtigkeit in Lindau eingeweiht

Gedenksteine als Appell für Demokratie und Gerechtigkeit in Lindau eingeweiht
„Recht, Freiheit und Gerechtigkeit“ sind die drei Worte, die in goldenen Lettern auf den beiden Gedenksteinen zu lesen sind, die am Freitag in den Lindauer Stadtteilen Oberreitnau und Rickenbach aufgestellt wurden. Im Bild: Steinbildhauer René Geier, Kulturpreisträger Karl Schweizer, Oberbürgermeisterin Dr. Claudia Alfons, Kulturamtsleiter Alexander Warmbrunn und Axel Schnell von der Sparkassenstiftung. Die Stele in Oberreitnau (im Bild) wurde aktuell provisorisch aufgebaut und wird in Kürze fest installiert. (Bild: Stadt Lindau)
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Mit den Worten „Recht, Freiheit und Gerechtigkeit“ in goldenen Lettern wurden am vergangenen Freitag in den Lindauer Stadtteilen Oberreitnau und Rickenbach zwei Gedenksteine feierlich eingeweiht.

Zahlreiche Bürger nahmen an der Zeremonie teil, die an den Bauernkrieg von 1525 erinnern soll. Die Initiative zur Errichtung der Stelen stammt vom Lokalhistoriker und Kulturpreisträger Karl Schweizer. Der Lindauer Steinbildhauer René Geier gestaltete die Gedenksteine, finanziert wurden sie durch die Sparkassen-Stiftung Lindau sowie durch zahlreiche Einzelspenden. Das Kulturamt der Stadt Lindau organisierte die Einweihung.

Demokratie als fortwährender Auftrag

Lindauer Oberbürgermeisterin Dr. Claudia Alfons unterstrich bei der Einweihung die zeitlose Bedeutung der Werte, für die die Bauern vor 500 Jahren kämpften. „Wenn wir uns in der heutigen Welt umschauen, erkennen wir schnell, dass die Demokratie, wie wir sie kennen, nicht selbstverständlich ist“, betonte Alfons.

Die Gedenksteine seien Mahnmale dafür, dass Demokratie persönliches und gesellschaftliches Engagement erfordere. „In dieser Hinsicht können uns die Teilnehmer des Bauernkriegs von 1525 Vorbild sein. Und wir können stolz auf sie sein, als Wegbereiter unserer Demokratie“, so die Oberbürgermeisterin weiter.

Erinnerungskultur lebendig halten

Kulturamtsleiter Alexander Warmbrunn würdigte ebenfalls die Initiative von Karl Schweizer: „Karl Schweizer ist ein Historiker und Kulturpreisträger, der sich wie kaum ein anderer mit der Geschichte Lindaus beschäftigt.“

Er hob zudem die künstlerische Arbeit von René Geier hervor: „Die Stelen sind sichtbar gewordene Erinnerung. Nun sind die Werte, für die die Bauern aufgestanden sind und für die es sich auch heute zu streiten lohnt, buchstäblich in Stein gemeißelt.“

Warmbrunn nutzte die Gelegenheit, um zur Eröffnung des Cavazzen-Museums im Mai einzuladen, wo Geschichte lebendig erlebbar gemacht werde. „Wir sehen doch, wie wichtig es ist, aus der Geschichte zu lernen, damit wir die Gegenwart und unsere Zukunft gut gestalten können“, so Warmbrunn.

Ein Appell für Freiheit und Selbstbestimmung

Karl Schweizer, Initiator des Projekts, verdeutlichte in seiner Rede, warum die Stelen in Oberreitnau in der Nähe des Freizeitzentrums und in Rickenbach am neu gestalteten Dorfplatz aufgestellt wurden. Die Bauern hätten damals für gesicherte Rechte, mehr Freiheit, eine gerechtere Sozialordnung und tatsächliche Selbstbestimmung gekämpft. „Auch heute tut es vermutlich jedem Staatswesen ganz grundsätzlich gut, auf ähnliche Art und Weise immer wieder mal durchlüftet zu werden“, sagte Schweizer.

Er erinnerte daran, dass das nördliche Bodenseeufer, Oberschwaben und das Allgäu Schwerpunkte des Bauernkriegs waren und auch Lindau, insbesondere die damaligen Dörfer der Reichsstadt, in die historischen Ereignisse eingebunden waren. „Namentlich bekannt sind uns die Bauern Thomas Mayerhofer und Thomas Mesmer aus Oberreitnau, für Rickenbach Lutz Eglin und aus Reutin der Bauer Joler“, führte Schweizer aus.

Dank an Unterstützer und Mahnung an die Gesellschaft

Das Projekt wurde maßgeblich durch die Sparkassen-Stiftung Lindau und viele Einzelspenden aus der Bürgerschaft ermöglicht. Axel Schnell, Vorstandsmitglied der Stiftung, hob die aktuelle Bedeutung der Themen Freiheit und Gerechtigkeit hervor: „Manchmal habe ich den Eindruck, wir wissen gar nicht, was wir zu verlieren haben.“

Die Einweihung der Gedenksteine setzt ein deutliches Zeichen für die Bewahrung demokratischer Werte und lädt dazu ein, sich der Geschichte zu erinnern, um die Zukunft verantwortungsvoll zu gestalten.

(Quelle: Stadt Lindau/Bodensee)