Projekt Oberleitungsinseln für Baden-Württemberg Studenten treiben nachhaltige Mobilität voran

Studenten treiben nachhaltige Mobilität voran
In einer innovativen Projektarbeit haben sich nun Studenten des Studiengangs Bau-Projektmanagement/Bauingenieurwesen der Hochschule Biberach (HBC) dieser wichtigen Zugverbindung angenommen. (Bild: HBC)

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Die Bahnstrecke zwischen Ulm und Sigmaringen in Baden-Württemberg ist eine der meistgenutzten Verkehrsadern der Region, die täglich hunderte Pendler zu ihren Arbeitsplätzen befördert. Die Strecke ist nicht elektrifiziert. In einer innovativen Projektarbeit haben sich nun Studenten des Studiengangs Bau-Projektmanagement/Bauingenieurwesen der Hochschule Biberach (HBC) dieser wichtigen Zugverbindung angenommen.

Unter der Betreuung von Prof. Florian Schäfer und Prof. Christof Gipperich sowie in enger Zusammenarbeit mit der DB InfraGo (Ulm) arbeiten sie an dem Projekt „Oberleitungsinseln für Baden-Württemberg“ und untersuchen – auch mittels einer Bürger-Umfrage – ob auf der Bahnstrecke eine vollständige Elektrifizierung notwendig ist oder ob alternative Antriebe wie Akkuzüge, Dieselhybridzüge oder Wasserstoffzüge geeigneter wären.

Die Landesregierung Baden-Württemberg hat sich zum Ziel gesetzt, „den Ausbau und die Elektrifizierung des Schienennetzes in Baden-Württemberg konsequent voranzutreiben und keine neuen Fahrzeuge mit Dieselantrieb mehr zu beschaffen“ (Winfried Hermann, Minister für Verkehr, 10.08.2021). „An diese notwendige Transformation wollen wir als Hochschule anknüpfen und einen wesentlichen Beitrag leisten – in der Lehre ebenso wie in Forschung und Transfer“, betont Prof. Schäfer.

Auch die Deutsche Bahn bestrebt das Ziel, bis spätestens 2045 klimaneutral zu werden. „Wie man sehen kann, haben sowohl die Bahn als auch die Landesregierung sowie die HBC das Ziel, eine klimafreundliche und nachhaltige Mobilität zu erreichen, und da wollen wir als Studierende natürlich unseren Beitrag leisten“, pflichtet Studentin Jo-Ann Grosche, die mit ihren Kommilitonen des 7. Semesters an dem Projekt arbeitet, bei.

Grosche studiert Bau-Projektmanagement an der Hochschule Biberach und hat sich, wie einige ihrer Teammitglieder, auf die Vertiefungsrichtung „Infrastruktur“ spezialisiert. Die Projektarbeit ist ein wesentlicher Bestandteil des Studiengangs und trägt erheblich zur Bewertung des Studiums bei. „Wie im späteren Berufsleben werden dabei insbesondere die im Studium erworbenen Fähigkeiten im Bereich Projektmanagement gefordert und gefördert. Dies umfasst die Projektstrukturierung und -organisation, das Termin-, Kosten- und Risikomanagement sowie die Vorbereitung und Durchführung von Besprechungen und Präsentationen“, erklärt die Studentin ihre Aufgaben.

Das Thema für die Projektarbeit haben in diesem Semester die betreuenden Professoren Dr.-Ing. Christof Gipperich und Dr.-Ing. Florian Schäfer gewählt und sind mit ihrer Idee auf die DB infraGo Ulm herangetreten. „Nachhaltigkeit hat in der heutigen Ausbildung von Ingenieuren einen hohen Stellenwert. Und die Wege zu mehr Nachhaltigkeit sind sehr vielfältig. Daher haben wir uns für die Projektarbeit des aktuellen Semesters ein Bahnprojekt ausgesucht“, erklärt Prof. Schäfer die Auswahl des Themas.

Auch bei der Deutschen Bahn stößt das Thema der Projektarbeit auf positive Resonanz vor allem in Kooperation mit der Hochschule Biberach, wie Thomas Ludwig, Betrieblicher Infrastrukturplaner bei der Deutschen Bahn, betont: „Die Zusammenarbeit ist ausgesprochen gut, sehr konstruktiv und macht richtig Spaß. Es ist wirklich erstaunlich, wie begeistert und motiviert die Studierenden an solchen Projekten arbeiten. Die Herangehensweise ist dabei sehr unkonventionell und hilft uns, unsere manchmal etwas eingefahrene Denkweise zu durchbrechen.“

Es ist bereits das dritte Projekt, das die DB InfraGO AG gemeinsam mit der HBC durchführt. Der Vorteil: Es handelt sich um ein Realprojekt und hilft dem Eisenbahninfrastrukturunternehmen bei der späteren Umsetzung. „Beide Seiten, die Studierenden sowie die Bahn, lernen voneinander und profitieren so von den Erkenntnissen und dem Wissen“, freut sich Ludwig.

Um die gewünschten Ergebnisse liefern zu können, untersuchen die Studierenden nun zunächst, welche Vorteile und Herausforderungen sich bei Oberleitungsinselanlagen ergeben und welche Alternativen vorhanden sind. Dafür sammeln sie ihre Informationen aus Studien sowie Interviews mit Herstellern und Planern sowie der DB InfraGo.

Um herauszufinden, wie mögliche Varianten von Oberleitungsinseln für die Strecke Ulm-Sigmaringen aussehen können, haben die Studenten ihre Untersuchungspunkte in die vier Kriterien Effizienz, Umwelt, Wirtschaftlichkeit sowie Akzeptanz und Umsetzbarkeit unterteilt. Dabei suchen sie Antworten auf verschiedene Fragestellungen: Wie energieeffizient sind Züge, die mit Oberleitungsinseln betrieben werden im Vergleich zu nicht‐elektrifizierten oder konventionell elektrifizierten Zügen? Wie wirken sich die ökologischen Auswirkungen der Elektrifizierung des Schienenverkehrs durch Oberleitungsinseln im Vergleich zu alternativen Antriebsarten aus? Welche wirtschaftlichen Kosten und Nutzen ergeben sich für Bahnbetreiber durch den Einsatz von Oberleitungsinseln, unter Berücksichtigung von Investitionskosten, Betriebskosten und potenziellen Einsparungen?

Um die Akzeptanz und Umsetzbarkeit von Oberleitungsinseln seitens der Bahnpassagiere, Betreiber und Anwohner untersuchen zu können, haben die Studierenden eine Umfrage entwickelt, die den Wissensstand der Teilnehmer über Bahntechnologien, insbesondere Oberleitungsinseln, ermittelt. Die Umfrage informiert die durch ein begleitendes Video über Oberleitungsinselanlagen und dient dazu, die Akzeptanz dieser Antriebsmöglichkeit zu messen. Zudem zielt die Umfrage darauf ab, potenzielle Hindernisse oder Bedenken zu identifizieren.

Auf dieser Basis können gezielte Maßnahmen entwickelt werden, um die Einführung und Nutzung von Oberleitungsinseln effektiv zu gestalten und mögliche Konflikte zu minimieren. „Mit unserer Umfrage wollen wir vor allem Bahnnutzer, aber auch Bahnmitarbeitende und die Anwohner*innen entlang der Strecke Ulm-Sigmaringen erreichen. Wir erhoffen uns eine rege Teilnahme, um die Akzeptanz der Oberleitungsinseln klar darstellen zu können“, so Grosche.

Nutzen Sie regelmäßig die genannte Bahnstrecke? Dann beteiligen Sie sich gerne an der Umfrage

Auf Basis dieser Erkenntnisse wollen die Studierenden verschiedene Werkzeuge entwickeln, die zum Vergleich unterschiedlicher Antriebsarten genutzt werden können, sowohl allgemein als auch für spezifische Strecken. „Unser Ziel ist es, das Tool so flexibel zu gestalten, dass verschiedene Parameter angepasst werden können. Dazu gehören sowohl streckenspezifische Parameter als auch solche, die sich je nach Antriebsart ändern“, fasst die Studentin zusammen.

Seine Ergebnisse präsentiert das Projektteam Ende Juni beim „P-Tag“, also dem Tag des Studienganges Bau-Projektmanagement, der am Ende jedes Semesters stattfindet. Hier reflektieren nicht nur die Lernenden, sondern auch die Lehrenden ihre persönlichen Highlights und geben damit einen Überblick über die Aktivitäten im Studiengang insgesamt.

(Pressemitteilung: HBC)