Gelungener Test für den neuen Damm Hochwasser-Management im Biberacher Wolfental

Hochwasser-Management im Biberacher Wolfental
Thomas Moll (l.) und Matthias Schühle hatten den neuen Damm im Wolfental während des Hochwassers im Blick. (Bild: Stadt Biberach)

WOCHENBLATT

Er hat wie geplant funktioniert und Schlimmeres verhindert: Der Hochwasserdamm im Wolfental hat bei der Hochwasserlage am ersten Juni-Wochenende seine Belastungsprobe bestanden und die Biberacher Innenstadt vor einer Überschwemmung bewahrt. Mitarbeiter des städtischen Baubetriebsamts und des Tiefbauamts waren das ganze Wochenende über im Einsatz, beobachteten die Situation und regelten, wie viel Wasser in Richtung Innenstadt abfloss.

Bereits am Donnerstag, an Fronleichnam, hatte der Deutsche Wetterdienst erste Warnungen vor ergiebigem Dauerregen und einer damit verbundenen Hochwasserlage in den folgenden Tagen herausgegeben. Baubetriebsamt und Tiefbauamt konnten sich darauf einstellen, dass der erste Test für den neuen Damm möglicherweise schon ein halbes Jahr nach dessen Fertigstellung erfolgt. Im Bauhof wurden am Freitagvormittag vorsorglich zusätzliche Kräfte in Bereitschaft versetzt. „Wir haben die Pegelstände im Einzugsbereich, beispielsweise in Reute und Stafflangen, am Computer verfolgt und deren Entwicklung beobachtet“, berichtet Thomas Moll vom Baubetriebsamt.

Am Freitagabend gegen 19.30 Uhr waren in Stafflangen schließlich beide Rückhaltebecken eingestaut, sowohl das städtische als auch der Ayweiher. Der Ayweiher wurde kontrolliert abgelassen, das Wasser floss über Mittelbiberach in Richtung Wolfental, wo es rund zwölf Stunden später ankam. Nachdem sich immer mehr Wasser in dem Rückhaltebecken Wolfental mit insgesamt rund 330.000 Kubikmeter Rückstauvolumen gesammelt hatte, schloss sich einer der beiden Schieber am Auslassbauwerk des Hochwasserdamms automatisch, um die abfließende Wassermenge zu drosseln.

Die Luftaufnahme verdeutlicht, wie der Hochwasserdamm die Wassermassen im Wolfental gestaut hat.
Die Luftaufnahme verdeutlicht, wie der Hochwasserdamm die Wassermassen im Wolfental gestaut hat. (Bild: DRK Drohnenstaffel)

„Es hat alles genau so funktioniert, wie es soll“, sagt Matthias Schühle vom Tiefbauamt. Während sich das Auslassbauwerk anfänglich selbstständig regelte, übernahmen später die Spezialisten die Steuerung des Bauwerks, um das Verhältnis zwischen abfließendem und eingestautem Wasser optimal auszutarieren. „Durch das Bauwerk läuft immer Wasser“, erklärt Schühle. Im Hochwasserfall aber eben nur so viel, wie in das Bachbett des Rotbachs gehe, um die Kanäle in der Innenstadt nicht zu überlasten.

Im Maximalfall sind dies zwischen 13 und 14 Kubikmeter pro Sekunde. Ein an das Auslassbauwerk anschließendes „Tosbecken“ mit großen Steinen sorgt dafür, dass die Kraft des ablassenden Wassers gleich gebremst und die Strömung verringert wird. Überwacht und betrieben werden kann der Damm via Internet zwar theoretisch von überall, doch die städtischen Mitarbeiter hatten die Situation am ersten Juni-Wochenende auch stets vor Ort im Blick. Erst recht, als in der Nacht von Samstag auf Sonntag das Rückhaltebecken voll war und das Wasser wie geplant über die tieferliegenden Bereiche der Dammkrone lief.

„Ruhig und geregelt“

„Auch wir müssen Erfahrungswerte sammeln“, berichtet Thomas Moll. Und dies tue man am besten direkt am Damm. Den Überlauf gegen 0.30 Uhr in der Nacht von Samstag auf Sonntag bezeichnet er als „ruhig und geregelt“. Etwa 17 Kubikmeter Wasser seien in diesem Moment Richtung Innenstadt geflossen. Bis gegen 4 Uhr stieg der Pegel noch leicht an, ab 7.25 Uhr lief dann kein Wasser mehr über. Die Mitarbeiter des Baubetriebsamts hatten zwischendurch noch mit einem Kran Treibgut aus der Staufläche geholt. Darunter meterlange Baumstämme, die das Wasser mitgerissen hatte.

Durch das überschwappende Wasser wurde die Dammkrone an den Stellen des Überlaufs sowie angrenzende Wege etwas ausgespült. Im Boden verlegte Netze, sogenannte Geogitter, sicherten das Bauwerk und sorgten dafür, dass keine Schäden entstanden. Nachdem die Pegel im Laufe des Sonntags weiter sanken, kehrte das Auslassbauwerk am Montag gegen 9.30 Uhr in den Normalbetrieb zurück, beide Schieber wurden wieder geöffnet. Im Nachgang können die Spezialisten über Vermessungspunkte die Sicherheit des Damms prüfen. Dies geschehe ohnehin regelmäßig, erklärt Matthias Schühle.

Doch was wäre ohne den neuen Hochwasserdamm passiert? „Wir hätten ein ähnliches Hochwasser wie 1926 gehabt“, vermutet Schühle. Vor knapp hundert Jahren war so viel Wasser in die Altstadt geflossen, dass Boote auf dem Biberacher Marktplatz unterwegs waren. Jetzt habe für die Bevölkerung und die Gebäude in der Innenstadt zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr bestanden, ergänzt Thomas Moll. Was zusätzlich in die Karten spielte: die jüngst abgerissene Brücke über die Rollinstraße beim Wieland-Gymnasium. „Sie war für die Wassermassen oft eines der ersten Hindernisse“, weiß Moll.

Der erste ernstzunehmende Probebetrieb des Hochwasserdamms hat laut Schühle eindrucksvoll gezeigt, dass man für solche oder gar noch extremere Ereignisse gewappnet sei: „Der Damm hätte noch weiteres Potenzial gehabt.“ 

(Pressemitteilung: Stadt Biberach)