Was der Krimiautor Michael Boenke und die Band Coleslaw den Besuchern bei der Veranstaltung „RiedRockRead“ im Riedlinger Lichtspielhaus boten, war beste Unterhaltung. Mit seinen spannenden, gruseligen und teils tiefsinnigen Betrachtungen, brillierte Boenke. Der Autor verfügt auch über eine gehörige Portion Wortwitz, wie er eindrücklich im Laufe des Abends unter Beweis stellte. Boenke las aus fünf seiner Krimis, in denen die Jungs von Coleslaw vorkamen. Musikalisch drehten Jojo Schneiderhahn (Gitarre), Andreas Michelberger (Bass) und Thomas Sedon Jäggle auf seiner „tollen“ Kiste (Drum) auf.
Das von Boenke eingangs zitierte „Experiment“ einer Lesung mit Musik war ein echter Volltreffer. Je länger die Veranstaltung dauerte, desto begeisterter waren die Zuhörer. Dabei sorgte schon der erste Ausschnitt aus dem Krimi „Kuhnacht“ für gruselige Momente. Boenke erklärte den Zuhörern das Kapitel Schnapstaufe. Dies hat mit einem vermeintlichen Saitenwürstchen im Mund des Bönle-Sohnes zu tun. Das „Saitenwürstchen“ entpuppte sich aber als Finger. Selbstverständlich musste der Mund von Korbinian T. Rex desinfiziert werden, mit Schnaps natürlich.
Boenke fragte harmlos seine Zuhörer, wer wisse was T. Rex bedeute und tatsächlich bekam er die erhoffte Antwort: „Eine Band.“ Dies animierte den Autor mühelos an einige Songtitel der Band zu erinnern.
Boenke der Musikkenner
Coleslaw versuchte sich danach am Song „Lost on the way“. Doch schon der erste Versuch misslang nach rund 20 Sekunden. Schneiderhan stimmte seine Gitarre neu. Nächster Versuch, doch auch der wurde abgebrochen. Schneiderhan bastelte erneut an seiner Gitarre. Großes Gelächter gab es im Publikum, als sein Bassist Michelberger laut äußerte: „Haben wir das Lied in den letzten 20 Jahren falschgespielt?“ Quasi von der der Seitenlinie aus kommentierte Boenke das Malheur: „Ich habe ja gesagt, dass das ein Experiment ist.“ Die bis dahin noch leicht zögerlichen Besucher amüsierten sich köstlich und es schien, als ob die Veranstaltung dadurch noch mehr Drive bekommen hatte. Beim dritten Versuch der Band war dann alles fein und die Jungs wurden am Ende des Songs frenetisch bejubelt.
Weiter ging es mit „Versumpft“ Krimi Nummer sechs. Boenke las daraus. Ich wünschte mir nichts sehnlicher als „Coleslaw“ herbei oder wenigstens den Geist von Lemmy Kilmister:“ Die Band rief: „Keep your Powder dry!“ Prompt bewies Boenke wieder sein Wissen aus der Musikgeschichte. Er fragte das Publikum: „Sagt Euch Kilmister etwas? Wo ist der Streber (T. Rex) von vorher?“ Zögerlich kam von einem Besucher die Antwort: „Motörhead!“ Der Autor erinnerte an den verstorbenen Musiker, der die Band gegründet hatte. Vorher war er bei Hawkwind, Rockin‘ Vickerssowie kurzzeitig bei Sam Gopal dabei, zudem war als Roadie für den legendären Jimi Hendrix tätig.

Letale Leberwurst, Krautsalat und mehr
Mit Auszügen aus „Leberwurst letal“ und „Camping mortale“ ging es weiter. Beim letzteren Krimi wurde auch die Namensbedeutung der Band geliefert. Hier ein Auszug: Und dann setzte sie sich zu uns. Die fesche Kommissarin, sie zwängte sich zwischen Deo und mich, Schulter an Schulter saßen wir und waren nicht unglücklich, da die Blonde eine weitere Wärmequelle bot. Mittlerweile waren die ‚Nordlichter‘ noch zu uns gestoßen, Paris war widerwillig vom Headbangen abgezogen worden. Sie fand die Band echt cool, vor allem den Drummer. Der PKA (Polizei-Kommissar-Anwärter) hatte die musikalisch Aufgewühlte neben sich platziert.“ „Und die heißen Krautsalat?“ „Wo gibt es Krautsalat oda hab ich dich falsch verstanda?“ Deo war hellhörig geworden.“ Zum besseren Verständnis für all diejenigen, die unverständlicherweise noch keine Ried-Krimis gelesen haben, sei gesagt, die Kommissarin war früher Schülerin bei Dani (Dani) Bönle, mittlerweile fast eine Intimfeindin, weil sich Bönle immer in die Mordermittlungen einmischte. Deo, ein aus Afrika stammender Pfarrer ist dagegen ein enger Freund von Dani und seiner Frau Cäci, der mit Wortgewalt, einer eigenwilligen Sprachakrobatik und seinem ungeheuren Hunger und Durst für die heiteren Momente in den Ermittlungen um Mord und Totschlag sorgt.
Die Kommissarin und Deo im Auto
Ganz leicht lüftete Boenke noch den Schleier zum 10. Krimi, der noch in diesem Jahr erscheinen soll. Der Titel blieb aber ein noch gut gehütetes Geheimnis. Der folgende Auszug zeigt, dass Deo und die fesche Kommissarin wieder voll dabei sind: Deo konnte nicht mehr an sich halten und klopfte sich auf die Schenkel, im Schoß der Soutane hüpften die Brösel des Leberwurstvespers. Die Kriminalistin stieß mit ihrem rechten Ellbogen an Deos linken Oberarm und meinte lasziv kichernd: Aber eins musst du wissen, mein Braunbärli, bloß reinstecken nützt nichts. Du musst auch den richtigen Knopf drücken. Sonst passiert nichts!“ Deo drehte seinen Kopf entsetzt zur Fahrerin: „Aba, Frau Kommissaaain, äh, Petra, so was sagt man doch nicht zu einem Mann Gottes, auch wenn da Verlockunga groß sind!“ Die Kommissarin verschluckte sich und prustete los: „Ich meine die CD, Deo, nicht nur reinstecken, du musst auch noch den Play-Knopf drücken, sonst passiert da wirklich nichts!“
Mit „Share a Smile“ und „Like a Rockstar“ läuteten die Krautler von Coleslaw das Ende der gelungenen Lesung ein.
Boenke war mit dem Abend sehr zufrieden: „Die Buben von Coleslaw waren klasse! Es war eine sensationelle Atmosphäre im Lichtspielhaus.“