Biberach setzt Zeichen gegen Ausschreitungen am Aschermittwoch

Für die Versammlungsteilnehmenden steht fest: Die Versammlungs- und Meinungsfreiheit sind eines der höchsten Güter. Und diese hört dort auf, wo Gewalt und Beleidigungen gegen Menschen ins Spiel kommen.
Für die Versammlungsteilnehmenden steht fest: Die Versammlungs- und Meinungsfreiheit sind eines der höchsten Güter. Und diese hört dort auf, wo Gewalt und Beleidigungen gegen Menschen ins Spiel kommen. (Bild: Theo Döllmann)

Die Zustände des politischen Aschermittwochs in Biberach sind für viele noch präsent. Jetzt haben drei Bürger am vergangenen Samstag für den demokratischen Zusammenhalt eine Mahnwache vor der Stadthalle organisiert. Ein Landwirt kam auch zu Wort.

Innerhalb von 24 Stunden sind in Biberach 350 Personen dem Aufruf zur “Mahnwache für Demokratie und Meinungsfreiheit – gegen Gewalt und Demokratiefeindlichkeit” gefolgt. Bei der Eilversammlung am 17. Februar im Stadtgarten neben der Stadthalle protestierten die Bürger gegen die gewaltvollen Ausschreitungen am vergangenen Mittwoch. Auf der Kundgebung wurde unter anderem ein Augenzeugenbericht verlesen und die Perspektive von Landwirt Josef Weber aufgezeigt, der sich deutlich von den Geschehnissen am politischen Aschermittwoch der Grünen distanziert.

Innerhalb von 24 Stunden sind in Biberach 350 Personen dem Aufruf zur “Mahnwache für Demokratie und Meinungsfreiheit - gegen Gewalt und Demokratiefeindlichkeit” gefolgt.
Innerhalb von 24 Stunden sind in Biberach 350 Personen dem Aufruf zur “Mahnwache für Demokratie und Meinungsfreiheit – gegen Gewalt und Demokratiefeindlichkeit” gefolgt. (Bild: Theo Döllmann)

Viele Demonstranten sind immer noch geschockt

Die Versammlungsleitung Carolin Schäfer (21) zitierte aus einem Augenzeugenbericht über den Aschermittwoch: “Ein erheblich alkoholisierter älterer Demonstrant – mit einer Bierkiste in der Hand – der bereits Mühe hatte, geradezustehen, erklärte den Umstehenden, dass er dem Land bereits mehrfach angeboten hätte, eine freiwillige Polizeimiliz „für den Fall einer Islamischen Republik“ aufzustellen und dass er die Politiker gerne alle aufhängen würde.” Viele der Demonstrierenden waren selbst vor Ort gewesen und sind noch immer geschockt. Ein Demonstrant mit Kamera berichtete, wie man ihm am Mittwoch seine Kamera aus der Hand geschlagen hatte – andere seien “nur” beschimpft worden.

„Durch die Parteien provoziert“

Was sich beim grünen politischen Aschermitwoch abgespielt hat, war nicht nur ein No-Go, das war entsetzlich”, sagte Josef Weber (Landwirt). Er selber sei eine sehr lange Zeit in der Vorstandschaft des Bauernverbands aktiv gewesen, um dort, leider vergeblich, ökologische Impulse einzubringen. “Darum habe ich auch vor einigen Jahren die Mitgliedschaft im Bauernverband beendet”, so Weber.

Theo Döllmann (21), ein Mitorganisator, sieht die Ausschreitungen auch durch Parteien wie die CDU/CSU provoziert: “Wenn Markus Söder Ricarda Lang vorwirft, im Vergleich zu seinem Hund noch nicht einmal eine Ausbildung zu haben, hat das für mich nichts mehr mit demokratischer Meinungskundgabe zu tun. Das ist Hetze.” Döllmann argumentiert weiter: “Wer, wie Söder, Hass und Hetze sät, sollte sich nicht wundern, auf der Straße gewaltvolle Ausschreitungen zu ernten.” Dass die Ausschreitungen bei den Grünen geschehen sind, findet Döllmann nicht verwunderlich – gegen diese werde “seit Jahren gezielt gehetzt.”

Viele der Demonstrierenden waren selbst vor Ort gewesen und sind noch immer geschockt.
Viele der Demonstrierenden waren selbst vor Ort gewesen und sind noch immer geschockt. (Bild: Theo Döllmann)

„Gewaltvolle Ausschreitungen werden hier nicht akzeptiert“

Für die Versammlungsteilnehmenden steht fest: Die Versammlungs- und Meinungsfreiheit sind eines der höchsten Güter. Und diese hört dort auf, wo Gewalt und Beleidigungen gegen Menschen ins Spiel kommen.

“Biberach hat gezeigt, dass gewaltvolle Ausschreitungen hier nicht akzeptiert werden”, erklärte der Biberacher Walter Scharch. “Das ist ein wichtiges Zeichen für unsere Demokratie!” Die Mahnwache hatten drei junge Privatpersonen spontan organisiert und angemeldet, um schnell ein wichtiges Zeichen gegen Demokratiefeindlichkeit zu setzen.