Ein halbes Jahrhundert 50 Jahre Heilerziehungspflege: Wiedersehen in Heggbach
Acht ehemalige Auszubildende kehrten 50 Jahre nach ihrem Berufsstart nach Heggbach zurück. Bei einem Rundgang erinnerten sie sich an die Veränderungen in der Betreuung.

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Vor 50 Jahren begannen sie ihre Ausbildung in der Heilerziehungspflege und erlebten eine Zeit großer Veränderungen in der Betreuung von Menschen mit Behinderung. Jetzt sind acht ehemalige Auszubildende nach Heggbach zurückgekehrt. Bei einem gemeinsamen Rundgang erinnerten sie sich an ihren Berufsstart im Jahr 1976 und daran, wie sich die Einrichtung seitdem entwickelt hat.
Damals gehörten die jungen Erwachsenen zu den ersten Jahrgängen der Heilerziehungspflege am Sozialpädagogischen Institut in Ravensburg, dem heutigen Institut für soziale Berufe. Sie waren Teil des dritten Ausbildungsjahrgangs und arbeiteten in Heggbach gemeinsam mit den dort tätigen Franziskanerinnen.
Die Ausbildung dauerte drei Jahre. An zwei Tagen pro Woche erhielten die Auszubildenden theoretischen Unterricht in Ravensburg, während sie die übrige Zeit praktische Erfahrungen in Heggbach sammelten.
Betreuung unter völlig anderen Bedingungen
Wie stark sich der Arbeitsalltag seither verändert hat, wurde beim Wiedersehen deutlich. Die damaligen Bedingungen waren mit heutigen Standards kaum vergleichbar.
„Die Gruppe in Heggbach, in die ich kam, bestand aus 30 Personen“, erinnert sich Monika Jauch, eine der ehemaligen Auszubildenden. Um alle Bewohner versorgen zu können, hätten die Vorbereitungen für die Nachtruhe bereits Stunden vorher beginnen müssen.
Auch die Ausstattung war wesentlich einfacher. „Beispielsweise gab es keine Einmalhandschuhe“, berichtet Jauch.
Werner Schaut, der das Ehemaligentreffen organisiert hatte, erinnert sich an weitere Herausforderungen: „Es gab auch keine Spülmaschine, wir mussten den Abwasch selbst erledigen.“
Viele der heutigen Gebäude existierten damals noch nicht. Autos wurden direkt vor der Kirche geparkt, und Teile der Verwaltung sowie der Förderangebote waren in einfachen Gebäuden untergebracht.
Als die 70er-Jahre auf klösterliche Regeln trafen
Das Leben in Heggbach war 1976 noch stark von den Franziskanerinnen geprägt. Neben der Arbeit bestimmten auch klösterliche Regeln den Alltag.
„Die Schwestern achteten sehr auf die Kleiderordnung“, erzählt Monika Jauch. „Kurze Röcke waren tabu.“
Auch der Umgang mit Musik unterschied sich von heutigen Vorstellungen. „Wenn Klienten zur Rockmusik mit dem Kopf wackelten, wurde das als Unwohlsein interpretiert“, berichtet Werner Schaut schmunzelnd.
Die gesellschaftlichen Veränderungen der 1970er-Jahre trafen in Heggbach auf traditionelle Strukturen. Gleichzeitig begann sich die Betreuung von Menschen mit Behinderung zunehmend weiterzuentwickeln.
Einige Bewohner arbeiteten damals noch auf dem Bauernhof, der inzwischen verpachtet ist. Die Verwaltung befand sich in einem Gebäude, das die Beschäftigten als Baracke bezeichneten. Eine weitere Baracke beherbergte die Fördergruppe.
Nach und nach entstanden differenziertere Betreuungsangebote. Auch die Gebäude wurden zunehmend an die Bedürfnisse der betreuten Menschen angepasst.
Vom Zivildienst zur beruflichen Heimat
Trotz der teilweise schwierigen Arbeitsbedingungen erinnern sich die ehemaligen Auszubildenden gerne an ihre Zeit in Heggbach.
„Wir fühlten uns wohl“, sagt Wolfgang Bohner. Er hatte zunächst als Zivildienstleistender in der Einrichtung begonnen, blieb anschließend dort und absolvierte eine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger.
Ursprünglich hatte Bohner als Starkstromelektriker gearbeitet. In Heggbach entdeckte er jedoch eine neue berufliche Perspektive.
„Ich habe hier eine Welt kennengelernt, die meine Welt wurde“, sagt er rückblickend.
Annabel Munding, Referentin im Geschäftsbereich Teilhabe und Inklusion, bedauert, dass es heute keine Zivildienstleistenden mehr gibt. Für viele junge Männer sei der Dienst damals ein Einstieg in soziale Berufe gewesen.
Heute übernehmen teilweise junge Menschen nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr eine berufliche Tätigkeit in Heggbach.
Heggbach entwickelte sich grundlegend weiter
Die ehemaligen Auszubildenden erlebten eine Phase, in der sich die Betreuung von Menschen mit Behinderung zunehmend professionalisierte.
„Damals hat man an vielen Stellen damit begonnen, mehr Fachlichkeit in die Einrichtung zu bringen“, erklärt Renate Weingärtner, Leiterin des Geschäftsbereichs Teilhabe und Inklusion.
Die heutige St. Elisabeth-Stiftung ist unter anderem eine Ausbildungsstätte für soziale und pflegerische Berufe in der Region.
Bei einem Rundgang zeigte Weingärtner den ehemaligen Beschäftigten, wie sich Heggbach in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat.
Ein Beispiel ist das Haus Georg, dessen Umbau sie mitverantwortete. Die Modernisierung eines Gebäudeteils wurde 2021 abgeschlossen. Wo früher Ordensschwestern lebten, befinden sich heute unter anderem Wohngruppen mit zeitgemäßer Ausstattung.
Für die Besucher, die teilweise seit vielen Jahren nicht mehr in Heggbach gewesen waren, waren die baulichen und konzeptionellen Veränderungen besonders eindrucksvoll.
Aus einer Ausbildung wurde ein ganzes Berufsleben
Einige der damaligen Auszubildenden blieben Heggbach und der späteren St. Elisabeth-Stiftung über Jahrzehnte verbunden.
Dazu gehört auch Werner Schaut. Durch seinen Freund Wolfgang Bohner, der dort Zivildienst leistete, war er erstmals mit Heggbach in Kontakt gekommen.
Nach seiner Ausbildung übernahm Schaut zunächst die Leitung einer Gruppe. Die damalige Oberin, Schwester Kunolda Gueter, erkannte sein Potenzial und unterstützte seine berufliche Entwicklung.
Nach weiteren Fortbildungen wurde Schaut Wohnbereichsleiter. Diese Aufgabe übte er bis zu seinem Ruhestand aus.
Noch heute besucht er Heggbach regelmäßig und trifft dort ehemalige Kollegen sowie Menschen, die er früher betreut hat.
Das Wiedersehen endete mit einer gemeinsamen Kaffeerunde, bei der weitere Erinnerungen ausgetauscht wurden.
Für Werner Schaut hatte seine Zeit in Heggbach neben der beruflichen Entwicklung noch eine weitere persönliche Bedeutung: „Ich habe hier meine Frau kennengelernt.“
(Quelle: St. Elisabeth-Stiftung)
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Was bedeutet das?Transparenz
- Erstmals veröffentlicht
- 27.10.2026, 13:19 Uhr





