Streit um Tariflöhne 5.130 Reinigungskräfte in der Region warten auf mehr Lohn
Rund 5.130 Reinigungskräfte in vier Landkreisen warten auf höhere Löhne. Die IG BAU fordert zwei Euro mehr pro Stunde und kritisiert das bisherige Arbeitgeberangebot.

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Rund 5.130 Beschäftigte in der Gebäudereinigung sind in den Landkreisen Ravensburg, Biberach, Tuttlingen und im Bodenseekreis von den laufenden Tarifverhandlungen betroffen. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) fordert eine Lohnerhöhung um zwei Euro pro Stunde. Das bisherige Angebot der Arbeitgeber liegt deutlich darunter.
Am Dienstag, 3. November, treffen sich die IG BAU und der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks zur dritten und nach Gewerkschaftsangaben entscheidenden Verhandlungsrunde. Die Arbeitnehmervertreter kritisieren, dass die Arbeitgeber bislang lediglich eine Erhöhung um 1,8 Prozent ab Mai 2027 angeboten haben. Das entspräche einem Plus von 27 Cent pro Stunde.
Die Gewerkschaft hält dieses Angebot für unzureichend und warnt vor möglichen Folgen für die Beschäftigten und Unternehmen.
Mehr als 5.000 Beschäftigte in vier Landkreisen betroffen
In den vier Landkreisen arbeiten nach Angaben der IG BAU insgesamt rund 5.130 Menschen in der Gebäudereinigung. Die Beschäftigten verteilen sich wie folgt auf die Region:
- Landkreis Ravensburg: rund 1.990 Beschäftigte in 76 Gebäudereinigungsunternehmen
- Bodenseekreis: rund 1.480 Beschäftigte in 66 Unternehmen
- Landkreis Biberach: rund 980 Beschäftigte in 40 Unternehmen
- Landkreis Tuttlingen: rund 680 Beschäftigte in 28 Unternehmen
Insgesamt gibt es in den vier Landkreisen damit 210 Gebäudereinigungsunternehmen.
Die Beschäftigten reinigen unter anderem Büros, Schulen, Kindertagesstätten und sanitäre Anlagen. Nach Auffassung der Gewerkschaft muss sich die körperlich anstrengende Arbeit stärker in der Bezahlung widerspiegeln.
IG BAU fordert 17 Euro Stundenlohn
Der derzeitige Stundenlohn in der Gebäudereinigung liegt nach Angaben der Gewerkschaft bei 15 Euro. Die IG BAU fordert eine Erhöhung um zwei Euro auf 17 Euro pro Stunde.
Dem steht bislang ein Arbeitgeberangebot gegenüber, das eine Lohnsteigerung um 1,8 Prozent beziehungsweise 27 Cent pro Stunde ab Mai 2027 vorsieht.
Christian Ribatzky, Vorsitzender der IG BAU Südwürttemberg, kritisiert die bisherige Haltung der Arbeitgeber. Er vertritt die Gewerkschaft in den Landkreisen Ravensburg und Biberach sowie im Bodenseekreis.
„Doch die Arbeitgeber treten gewaltig auf die ‚Lohn-Bremse‘: Erst ab Mai nächsten Jahres soll es 1,8 Prozent – und damit lediglich 27 Cent pro Stunde – mehr geben. Das ist eine Farce. Denn das reicht nicht einmal, um die Inflation aufzufangen“, sagt Ribatzky.
Auch Petra Harich, Vorsitzende der IG BAU Südbaden und zuständig für den Landkreis Tuttlingen, kritisiert das Angebot mit derselben Begründung.
Mindestlohn steigt ab Januar auf 14,60 Euro
Ein weiterer Kritikpunkt der Gewerkschaft ist der Abstand zwischen dem Branchenlohn und dem gesetzlichen Mindestlohn.
Ab Januar 2027 steigt der gesetzliche Mindestlohn nach Angaben der IG BAU auf 14,60 Euro pro Stunde. Der derzeitige Stundenlohn in der Gebäudereinigung liegt mit 15 Euro lediglich 40 Cent darüber.
Ribatzky stellt deshalb die Frage, ob sich die körperlich anstrengende Arbeit und die häufig frühen Arbeitszeiten für Beschäftigte noch ausreichend lohnen.
„Warum soll sie für 40 Cent mehr ihren Wecker auf 3 Uhr morgens stellen, in aller Herrgottsfrühe aufstehen und sich dann auch noch krummmachen? Einen Job zum gesetzlichen Mindestlohn findet sie allemal auch woanders“, sagt der Gewerkschaftsvorsitzende.
Die Arbeit in der Gebäudereinigung bezeichnet er zudem als „körperlich hart: ein Knochenjob“.
Petra Harich äußert für den Landkreis Tuttlingen dieselbe Kritik. Auch sie sieht angesichts des geringen Lohnabstands zum gesetzlichen Mindestlohn die Gefahr, dass Beschäftigte in andere Branchen wechseln könnten.
Gewerkschaft warnt vor Personalverlust
Sollten die Arbeitgeber bei ihrem bisherigen Angebot bleiben, befürchtet die IG BAU, dass zahlreiche Reinigungskräfte ihre Arbeitsplätze aufgeben und sich beruflich neu orientieren.
„Weigern sich die Unternehmen weiterhin hartnäckig, ein ordentliches Angebot auf den Tisch zu legen, dann werden viele Reinigungskräfte den Stecker vom Staubsauger ziehen: Sie hängen ihren Job an den Nagel und suchen sich etwas anderes“, warnt Christian Ribatzky.
Nach Einschätzung der Gewerkschaft könnte dies die Reinigungsunternehmen vor erhebliche Schwierigkeiten stellen, da Personal in der Branche bereits knapp sei.
Auch Petra Harich warnt vor möglichen Personalverlusten im Landkreis Tuttlingen und den daraus entstehenden Problemen für die Betriebe.
Ob es tatsächlich zu einer größeren Zahl von Arbeitsplatzwechseln kommt, ist offen. Die Gewerkschaft beschreibt damit mögliche Folgen eines aus ihrer Sicht unzureichenden Tarifabschlusses.
Entscheidende Tarifrunde am 3. November
Am Dienstag, 3. November 2026, werden die Tarifverhandlungen zwischen der IG BAU und dem Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks fortgesetzt.
Es handelt sich um die dritte Verhandlungsrunde. Die Gewerkschaft bezeichnet den Termin als entscheidend für die weitere Entwicklung der Löhne in der Gebäudereinigung.
Ob sich beide Seiten auf eine Lohnerhöhung verständigen können, bleibt abzuwarten.
(Quelle: IG Bau)
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- Erstmals veröffentlicht
- 27.10.2026, 09:55 Uhr





