Bürgermeisterwahl Bad Schussenried: Bürgermeisterkandidat Jürgen Bairle stellt sich vor

Bad Schussenried: Bürgermeisterkandidat Jürgen Bairle stellt sich vor
Jürgen Bairle bewirbt sich in Bad Schussenried als Bürgermeister. Im Falle seiner Wahl, wäre er nach Gründung der Bundesrepublik der siebte Bürgermeister in der Kurstadt. (Foto: Daniel B.)

Am kommenden Sonntag, 1. Februar 2026, findet in Bad Schussenried die Bürgermeisterwahl statt. Erwin Promoli und Jürgen Bairle bewerben sich als Nachfolger von Bürgermeister Achim Deinet, der nach 16 Jahren nicht wieder antritt. Beide Kandidaten waren bereit, sich den (identischen) Fragen von Wochenblatt-Media zu stellen.

Hier die Antworten von Jürgen Bairle.

Herr Bairle, könnten Sie sich kurz unseren Lesern/Ihren möglichen Wählern vorstellen?

Mein Name ist Jürgen Bairle, ich bin 54 Jahre glücklich verheiratet und habe 5 Kinder im Alter von 7 – 28 Jahren. Ich bin in Weingarten geboren und in Bad Waldsee aufgewachsen. Unser Lebensmittelpunkt ist seit über 20 Jahren Bad Schussenried, hier ist unsere Heimat.

Ich arbeite als Servicetechniker für medizinische Geräte im Bereich der Validierung und Kalibrierung sowie deren Wartung und Service.

Warum möchte ich Bürgermeister werden:

Ich habe immer schon gerne Verantwortung übernommen, angepackt, gestaltet, mich kontinuierlich verbessert. Ich arbeite zielstrebig und lösungsorientiert, ich erkenne Probleme und finde Lösungen.

Die Vereine sind ein wichtiger Pfeiler der Stadtgesellschaft. Welche Rolle spielt dieses wichtige, ehrenamtliche Engagement für die Stadt aus Ihrer Sicht? Wie wollen Sie dieses Ehrenamt konkret unterstützen?

In unseren Vereinen wird Gemeinschaft gelebt, hier entstehen Zusammenhalt und Engagement. Vereine und das Ehrenamt sind sehr wichtige Pfeiler unserer Gesellschaft. Wir müssen die Vereine und das Ehrenamt stärken und bestmöglich unterstützen. Kürzungen der Zuwendungen, wie sie aktuell diskutiert werden, bei unseren im Ehrenamt tätigen Bürgerinnen und Bürger oder bei unseren Vereinen, halte ich für falsch. Was wir heute in Kinder und Familien aber auch in das Ehrenamt und die Vereine investieren, zahlt sich morgen vielfach aus.

Die Firma Liebherr hat vor einem Jahr den Abbau von 350 Arbeitsplätzen in Bad Schussenried verkündet. Welche Perspektiven sehen Sie für die Ansiedlung neuer/zusätzlicher Arbeitsplätze.

Unsere Unternehmen – der Einzelhandel, die Gastronomie, die Handwerksbetriebe, die Industrie und natürlich auch die Pflege und das Gesundheitswesen sowie alle anderen – sind das Rückgrat unserer Stadt. Sie schaffen Arbeitsplätze, bilden aus und sorgen für stabile Einnahmen. Alle diese Betriebe, wir alle, brauchen Planungssicherheit, verlässliche Infrastruktur und stabile Rahmenbedingungen.

Ich stehe für:

bestehende Firmen unterstützen und stärken, neue Betriebe für Bad Schussenried gewinnen, verlässliche Rahmenbedingungen schaffen, neue Gewerbegebiete nachhaltig planen. Denn eines ist klar: Arbeitsplätze vor Ort bedeuten Lebensqualität und stabile Einnahmen. Um neue Betriebe für Bad Schussenried gewinnen zu können, müssen wir vorrangig Gewerbegebiete und bezahlbare Flächen bereitstellen, den Betrieben bestmögliche Unterstützung im Bereich Wirtschaftsförderung bieten und Ihnen als verlässlicher Partner zur Seite stehen.

Viele Kommunen beschäftigen mittlerweile Wirtschaftsförderer. Haben Sie solche Pläne, oder wer übernimmt diese Aufgabe unter Ihrer Führung in der Stadt?

Wirtschaftsförderung ein sehr wichtiges Instrument!

In der Verwaltung werde ich eine Fachstelle schaffen, die sich hauptsächlich um Wirtschaftsförderung kümmert. Der Dschungel aus Fördergeldern von Bund, Land und EU ist riesengroß und unübersichtlich und gehört gelichtet. Wir brauchen eine Fachstelle, die Informationen über mögliche Förderungen und deren Beantragung ausarbeitet, diese gesammelt an uns als Kommune, an die Bürger, Unternehmer und Gewerbetreibende weitergibt und uns bei der Beantragung hilft, damit wir alle von diesen Mitteln profitieren können. Ich sehe diesen Aspekt der Wirtschaftsförderung als ein sehr wichtiges Instrument um zukünftig weitere finanzielle Mittel für unseren Wohlstand zu generieren.

Der Verlust der Kurkliniken war ein harter Schlag für die Stadt. Welche Möglichkeiten sehen Sie, um beim Tourismus mehr Menschen in die Kurstadt zu locken?

Tourismus – Chancen nutzen!

Bad Schussenried hat großes Potenzial im Bereich Tourismus.

Unsere Stadt und unsere Umgebung, die Seen, der Schussenursprung sowie die Atzenberger Höhe, natürlich unser Kloster in Bad Schussenried und die Wallfahrtskirche in Steinhausen bieten viele Möglichkeiten für Gäste und Tourismus. Ich möchte unser Zellerseebad wieder zu einer kleinen Perle der Erholung machen, eine schrittweise Sanierung der Infrastruktur, eine Rückkehr des Badestegs, ein Trampolin oder auch ein schönes und ansprechendes Kinderbecken. Der Wohnmobilstellplatz am Zellersee muss neugestaltet werden, hier haben wir stadtnah eine sehr gute Möglichkeit dauerhaft Tourismus in unsere Stadt zu bekommen. Auch müssen wir passende Veranstaltungen rund um die schönen Klosterarkaden ins Auge fassen. Wir haben in und um Bad Schussenried sehr viele Möglichkeiten, wir müssen diese nutzen, nachhaltig planen und umsetzen.

Welche Prioritäten muss die Stadt angesichts der Herausforderungen setzen (z.B. Sporthalle)?

In Bad Schussenried haben wir aktuell sehr viele Baustellen, da fällt es schwer in wenigen Worten hier zu antworten. Die Verwaltung muss sparen, das wird die größte Herausforderung sein.

Die Sanierung der Sporthalle hat für mich höchste Priorität und wird schnellstmöglich umgesetzt werden. Vorrangig werde ich klären, welche Fördermittel für eine Sanierung verfügbar sind, da ein Neubau mit Kosten von rund 12 Mio. € aktuell nicht realisierbar ist. Zudem werde ich prüfen, ob eine abschnittsweise Sanierung möglich ist und welche Haushaltsmittel und Förderungen von Bund und Land dafür in den kommenden Jahren bereitgestellt werden können. Ziel ist eine funktionale Sporthalle zu errichten, die den heutigen Anforderungen entspricht und für unsere Schulen, Vereine und Sporttreibenden ein Anlaufpunkt ist für ein gutes Miteinander und eine starke Gemeinschaft.

Sehen Sie Möglichkeiten die Stadtverwaltung noch bürgerfreundlicher aufzustellen?

Bürgernahe Politik – Zuhören. Verstehen. Anpacken.

Ein wichtiger und zentraler Punkt ist für mich Politik mit Bürgernähe. Entscheidungen, die viele Menschen betreffen, müssen gemeinsam diskutiert werden. Da unterscheide ich nicht, ob es um Themen aus den Teilorten oder der Kernstadt geht. Jeder sollte die Möglichkeit haben sich einzubringen, was als Grundlage in der Entscheidungsfindung in unsere tägliche Arbeit einfließen wird. Wir sind eine Gemeinschaft, eine Stadt. Hier dürfen keine Unterschiede eingebracht und Abstriche gemacht werden. Die Bürgerinnen und Bürger müssen frühzeitig eingebunden werden und verlässlich und verständlich informiert werden. Ich werde eine Bürgersprechstunde einführen und bin für offene Gespräche da, das ist viel Arbeit, aber diese Arbeit leiste ich gerne. Respekt, Transparenz und bürgernahe Politik sind für mich die Grundvoraussetzungen für ein Miteinander auf Augenhöhe.

Was ist Ihr größtes Ziel, das Sie für die Stadt unbedingt verwirklichen wollen?

Mein Motto wiederhole ich gerne, es gibt mein Ziel klar wieder:

Zuhören. Verstehen. Anpacken.

Lassen Sie uns gemeinsam anpacken, um unsere Stadt und ihre schöne Umgebung zukunftssicher und lebendig zu gestalten.

Mein explizites Ziel für die erste Amtszeit ist die Stabilisierung und Stärkung der Finanzen und eine starke, stetig wachsende Wirtschaft, sowie die Sanierung der Sporthalle. Auf dieser Basis bauen die anderen Ziele auf, die nicht minder wichtig sind, jedoch ohne starke Finanzen und Wirtschaft schwer realisierbar: eine tragfähige Familien- und Bildungsförderung, bezahlbarer Wohnbau, die Weiterentwicklung des Tourismus, die schonende Nutzung der Ressourcen sowie der nachhaltige Umgang mit unserer Natur – all das sind wichtige Pfeiler in unserer Gemeinschaft.