Am kommenden Sonntag, 1. Februar 2026, findet in Bad Schussenried die Bürgermeisterwahl statt. Erwin Promoli und Jürgen Bairle bewerben sich als Nachfolger von Bürgermeister Achim Deinet, der nach 16 Jahren nicht wieder antritt. Beide Kandidaten waren bereit, sich den (identischen) Fragen von Wochenblatt-Media zu stellen.
Hier die Antworten von Erwin Promoli
Herr Promoli, könnten Sie sich kurz unseren Lesern/Ihren möglichen Wählern kurz vorstellen?
Mein Name ist Erwin Promoli. Ich bin verheiratet und Vater von 2 Kindern (16 und 19 Jahre). Im Jahr 2020 haben wir uns als Familie bewusst für Bad Schussenried als unsere neue Heimat entschieden. Ich habe viele Jahre in der freien Wirtschaft gearbeitet, Unternehmen im In- und Ausland gegründet und geführt teils mit über 150 Mitarbeitenden. Ich habe Firmen erfolgreich durch Krisen und aus Krisen geführt. Zusätzlich bringe ich als stellvertretender Kämmerer der Stadtverwaltung Bad Schussenried Erfahrung aus der öffentlichen Verwaltung mit und kenne die Abläufe einer Kommune, sowie die finanziellen Rahmenbedingungen und Herausforderungen unserer Stadt.
Die Vereine sind ein wichtiger Pfeiler der Stadtgesellschaft. Welche Rolle spielt dieses wichtige, ehrenamtliche Engagement für die Stadt aus Ihrer Sicht?
Unser Bad Schussenried lebt vom Engagement eines jeden einzelnen.
Es lebt von den Vereinen, von Bürgern, die ein Ehrenamt ausüben.
Von Menschen, die Verantwortung übernehmen, z.B. bei den Feuerwehren, den Vereinen, den Narrenzünften, der Brauchtumspflege, den Kirchen, dem roten Kreuz und all den anderen Vereinen und Organisationen, wo sich engagierte Menschen für uns alle einbringen. Ehrenamt verbindet Generationen und gibt unserer Stadt Identität. Eine Stadt lebt nicht allein von Gebäuden und Infrastruktur, sondern von den Menschen, die sich füreinander engagieren. Dieses Engagement verdient Respekt und Unterstützung.
Wie wollen Sie dieses Ehrenamt konkret unterstützen?
Mit klaren Ansprechpartnern im Rathaus und transparente Förderstrukturen. Zudem halte ich eine stärkere Wertschätzung für wichtig – etwa durch regelmäßige Ehrenamtsformate, bessere Nutzung städtischer Räume und eine offene Kommunikation. Ehrenamtliche sollen spüren, dass ihre Arbeit gesehen und unterstützt wird. Beteiligung und Dialog sind dabei zentrale Elemente.
Die Firma Liebherr hat vor einem Jahr den Abbau von 350 Arbeitsplätzen in Bad Schussenried verkündet. Welche Perspektiven sehen Sie für die Ansiedlung neuer/zusätzlicher Arbeitsplätze.
Die Nachricht des Stellenabbaus hat viele Familien verunsichert und gezeigt, wie wichtig eine breite wirtschaftliche Basis ist. Bad Schussenried hat großes Potenzial – durch seine Lage, seine Infrastruktur und seine Lebensqualität. Chancen sehe ich vor allem im Mittelstand, im Gesundheits- und Dienstleistungsbereich sowie bei innovativen Unternehmen. Entscheidend ist, aktiv zu gestalten und verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen.
Viele Kommunen beschäftigen mittlerweile Wirtschaftsförderer. Haben Sie solche Pläne, oder wer übernimmt diese Aufgabe unter Ihrer Führung in der Stadt?
Wirtschaftsförderung ist für mich eine zentrale Führungsaufgabe. Meine Erfahrung aus der Wirtschaft hilft mir, Standortfaktoren realistisch zu bewerten und gezielt zu verbessern. Als Bürgermeister möchte ich erster Ansprechpartner für Unternehmen sein. Gleichzeitig braucht es in der Verwaltung klare Zuständigkeiten, um Betriebe professionell zu begleiten. Wichtig ist, dass Unternehmen spüren: Diese Stadt hört zu und handelt verlässlich. Wirtschaftsförderung darf nicht reaktiv, sondern muss strategisch gedacht werden. Hierzu denke ich konkret an die Unterstützung von Start-ups mit Pop-Up Stores oder einer Starterprämie – gleichzeitig wird der Ladenleerstand reduziert. Das alles wird mit der Unterstützung eines Stadtmarketings begleitet.
Der Verlust der Kurkliniken war ein harter Schlag für die Stadt. Welche Möglichkeiten sehen Sie, um beim Tourismus mehr Menschen in die Kurstadt zu locken?
Bad Schussenried bleibt Kurstadt – auch ohne klassische Kurkliniken. Wir müssen den Tourismus breiter denken: Kultur, Natur, Rad- und Wandertourismus sowie Veranstaltungen, oder Konzerte und eine engere Zusammenarbeit mit dem Land, um den Bibliothekssaal als Aushängeschild der Stadt mehr hervorzuheben. Unsere Innenstadt, die Stadthalle und bestehende Angebote müssen besser miteinander verknüpft und vermarktet werden. Ziel ist es, Aufenthaltsqualität zu schaffen und Besucher für unsere Stadt zu begeistern, um länger in der Stadt zu halten. Da denke ich auch an eine größere Auswahl der Gastronomie. Tourismus entsteht dort, wo Erlebnis, Service und Atmosphäre zusammenpassen.
Welche Prioritäten muss die Stadt angesichts der Herausforderungen setzen (z.B. Sporthalle)?
Ich stehe für eine Finanzpolitik mit Augenmaß:
- realistisch
- transparent
- verantwortungsvoll
Investitionen müssen Sinn machen und dorthin, wo sie Wirkung entfalten.
Mit den zur Verfügung stehenden Mitteln müssen wir sinnvoll umgehen. Die Mittel sind nicht unbegrenzt. Dabei sind Prioritäten zu setzen:
Die Sporthalle steht dabei an erster Stelle. Die Sporthalle ist wichtig für Schulen, Vereine und das gesellschaftliche Leben und muss zukunftsfähig aufgestellt, sprich saniert werden.
Gute Finanzpolitik heißt nicht – nichts tun.
Gute Finanzpolitik heißt: das Mögliche und Richtige zu tun – zur richtigen Zeit!
Sehen Sie Möglichkeiten die Stadtverwaltung noch bürgerfreundlicher aufzustellen?
Eine moderne Stadt braucht eine moderne Verwaltung. Verwaltung sollte verständlich, erreichbar und lösungsorientiert sein. Digitale Angebote können vieles erleichtern, persönliche Gespräche bleiben wichtig. Bürgerinnen und Bürger sollen wissen, an wen sie sich wenden können und was sie erwartet. Vertrauen entsteht durch Offenheit und Transparenz.
Deshalb werde ich meine Bürgerdialoge, die ich während des Wahlkampfs begann, weiterführen – eventuell in einem anderen Format, aber auf alle Fälle im Austausch mit allen Bürgerinnen und Bürger der Stadt und aller Teilorte.
Für mich steht im weiteren Fokus ein effizientes Arbeiten und verantwortungsvoller Umgang mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen.
Was ist Ihr größtes Ziel, das Sie für die Stadt unbedingt verwirklichen wollen?
Ich will, dass man sich in unserer Stadt gerne aufhält:
-Geschäfte Perspektiven haben.
-Gastronomie Raum bekommt.
-Neues entstehen kann, ohne Bewährtes zu verdrängen.
Ich bin davon überzeugt, dass die Perle Bad Schussenried wieder aufpoliert werden kann.
Mein größtes Ziel ist es, Bad Schussenried gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Eine Stadt, die wirtschaftlich stabil ist, sozialen Zusammenhalt lebt und allen Generationen Perspektiven bietet. Ich möchte gestalten statt nur verwalten und dabei Menschen mitnehmen. Wenn wir am Ende sagen können: Diese Stadt hat sich gut weiterentwickelt, ohne ihre Identität zu verlieren, dann haben wir viel erreicht.