Film - Unterhaltung TSCHAPPEL ist Gewinner beim Grimme Preis

Riesenfreude herrscht bei den Verantwortlichen von Apollonia Film und Lax Entertainment. Die für das ZDF produzierte Reihe TSCHAPPEL hat den Grimme Preis gewonnen. Dies ist ein riesiger Erfolg für die Macher der Episoden um den 18-jährigen Carlo Brenner (Jeremias Meyer). Mit diesem Erfolg wird Oberschwaben endgültig ins Rampenlicht der deutschen Filmindustrie gerückt. Die Fortsetzung der Serie ist bereits beschlossen, die Dreharbeiten für neue Folgen starten noch in diesem Jahr.

Bei verschiedenen Preisverleihungen (u.a. Carl Laemmle-Preis) war TSCHAPPEL nominiert, doch jetzt hat es beim renommierten Grimme Preis geklappt. In der Rubrik „Fiktion“ wurde TSCHAPPEL von der Jury ausgezeichnet. Der Grimme-Preis (bis 2010 Adolf-Grimme-Preis) ist eine Auszeichnung für Fernsehsendungen in Deutschland und gilt als renommiertester Medienpreis Deutschlands. Er wurde nach dem ersten Generaldirektor des Nordwestdeutschen Rundfunks, Adolf Grimme (1889–1963), benannt. Der Preis wurde auf Initiative von Bert Donnepp vom Deutschen Volkshochschulverband (DVV) gestiftet.

Die Begründung der Jury

Dem Autorenduo Marius Beck und Marc Philip Ginolas ist etwas im deutschen Fernsehen selten Gesehenes gelungen: Die beiden erzählen mit „Tschappel“ acht skurrile Episoden aus Hintervorderbach (Zußdorf), einem fiktiven oberschwäbischen Dorf, ohne das Leben dort zu überhöhen, zu verkitschen oder sich darüber lustig zu machen.

In diesem unterrepräsentierten Setting erzählt „Tschappel“, getragen von einem spielfreudigen Ensemble, eine klassische Coming-of-Age-Geschichte mit Comedy-Anteilen, in der es „ums Erwachsawerda“ geht, „mit alle Freid, Plaga ond dem ganz normale Kuddelmuddel, wie’s halt so isch.“ Der Dialekt ist so speziell wie authentisch, die Geschichte so universell wie originell: Jeder, der irgendwo aufgewachsen ist, wird sich mit dem Abiturienten Carlo Brenner identifizieren können, aus dessen Perspektive „Tschappel“ erzählt ist.

In den treuherzigen Augen von Hauptdarsteller Jeremias Meyer spiegelt sich das Staunen über eine auch auf dem Land nicht heile Welt, in der Carlo seinen Platz sucht, weil man ja irgendwo hin muss mit sich. Als der Oldtimer seines Vaters auf kuriose Weise zum Totalschaden mutiert, sitzt Carlo zwar am Steuer, aber vom Wesen her ist er eindeutig Beifahrer, eher beobachtend, bisweilen merkwürdig unbeteiligt, ja neben sich stehend. Er macht nicht viel und zieht das Chaos trotzdem (oder gerade deswegen?) magisch an. „Trouble Will Find Me“ von The National dürfte ein Albumtitel sein, mit dem er sich gut identifizieren kann.

Überhaupt die Musik: Der folkloristisch-elegische Rumpel-Jazz der Hochzeitskapelle, ein Nebenprojekt der „The Notwist“-Brüder Markus und Micha Acher, setzt, in kongenialer Resonanz mit der Montage, fatalistische akustische Ausrufezeichen unter die vielen Fragezeichen in Carlos Blick: Die Welt ist nun mal, wie sie ist, mach‘s wie alle, versuch dein Glück.

Das gilt insbesondere auch für die Figur von Carlos junggebliebener Single-Tante Gabi, von Nina Gnädig wunderbar in der Schwebe gehalten zwischen Lebensfreude und Verzweiflung. Die Souveränität, solche Ambivalenzen zuzulassen, statt einzuebnen, hat im deutschen Fernsehen Seltenheitswert.

„Tschappel“, liebevoll und temporeich inszeniert von Carly Coco und Ko-Autor Marc Philip Ginolas, ist beste Fernsehunterhaltung mit Witz und Verstand – komisch, aber nicht klamaukig, warmherzig, aber nicht rührselig. Leicht, aber nicht seicht. Eine Balance, die zu halten ein Kunststück ist, das bei „Tschappel“ aufgeht und Lust auf mehr macht – aus Hintervorderbach und von den jungen Macherinnen und Machern dieser grundsympathischen ZDFneo-Serie.

Weitere Gewinner im Wettbewerb Fiktion

Die weiteren Gewinner in dieser Kategorie zeigen, wie hochkarätig der Erfolg von TSCHAPPEL einzuordnen ist. Ausgezeichnet wurden „Die Affäre Cum-Ex“ (X Filme Creative Pool & True Content Entertainment/EPO-Film/Beta Film für ZDF/DR/New8), „Die Nichte des Polizisten“ (W&B Television für SWR/NDR), „Tatort – Dunkelheit“ (Sommerhaus Filmproduktion für ARD Degeto/hr). Der Grimme-Preis Spezial geht an „Unterwegs im Namen der Kaiserin“ für die zeitgemäße Dekonstruktion des Sisi-Hypes durch eine radikale Ästhetik (maze pictures/Hochschule für Film und Fernsehen für ZDF – Das Kleine Fernsehspiel)

Mehr zum Grimme Preis und dessen Geschichte gibt es hier: https://www.grimme-preis.de/ueber-den-preis/geschichte