Immer mehr ausländische Fachkräfte verstärken das Handwerk in der Region

Immer mehr ausländische Fachkräfte verstärken das Handwerk in der Region
Zahntechnikermeisterin Tanja Erhardt-Nusser zeigt ihrem neuen Mitarbeiter Florian Tahiraj ein Verfahren. (Bild: Nusser)

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Ausländische Fachkräfte sind wichtig für die gut 20.000 Handwerksbetriebe zwischen Ostalb und Bodensee, um die Versorgung der Menschen vor Ort mit Handwerksleistungen zu sichern und den hohen Personalbedarf zu decken.

Immer mehr Betriebe geben deshalb auch Handwerkern mit ausländischen Berufsabschlüssen eine Chance. Im ersten Halbjahr 2023 konnten so beispielsweise im Ulmer Kammergebiet 157 ausländische Berufsabschlüsse anerkannt werden. Das ist ein Drittel aller positiven Bescheide, die in ganz Baden-Württemberg erteilt wurden.

Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm, sagt: „Wir brauchen Zuwanderung, denn an jeder Ecke fehlen Fachkräfte. Handwerkerinnen und Handwerker aus dem Ausland nehmen keine Arbeitsplätze weg. Im Gegenteil: Sie helfen dabei, die Versorgung der Bevölkerung in der Region aufrecht zu erhalten.“

Das Handwerk begrüßt deshalb das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das seit Mitte November nach und nach in Kraft tritt. Damit wurde die Grundlage für eine leichtere Fachkräfte-Integration gelegt.

Mehlich betont: „Jetzt müssen noch unsere Ausländerbehörden zu echten Welcome-Centern werden. Sie müssen den ausländischen Fachkräften und den einstellungswilligen Betrieben tatkräftig unter die Arme greifen, damit diese die nötigen Aufenthaltstitel und Arbeitserlaubnisse möglichst reibungslos erhalten.“

Im ersten Halbjahr 2023 hat die Handwerkskammer Ulm rund 500 Fachkräfte aus dem Ausland beraten. Besonders häufig kommen die Handwerkerinnen und Handwerker aus Bosnien und Herzegowina, Serbien, Kosovo und der Türkei. Interesse an einer Arbeit in Deutschland zeigen vor allem Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik, Kraftfahrzeugmechatroniker, Metallbauer sowie Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.

Ob Berufsabschlüsse anerkannt werden können, prüft die Handwerkskammer in der Regel innerhalb weniger Wochen. Dabei werden die theoretischen und praktischen Inhalte ausländischer Bildungsabschlüsse mit den deutschen Abschlüssen verglichen.

Damit werden die handwerklichen Qualitätsstandards der Gesellen- und Meisterbriefe gewahrt und gleichzeitig können bereits erworbene Fähigkeiten genutzt und ergänzt werden. 

Kann der Abschluss eines ausländischen Handwerkers nur teilweise anerkannt werden, folgt eine sogenannten Anschlussqualifizierung. Diese kann in einem Handwerksbetrieb oder im Rahmen einer überbetrieblichen Ausbildung an der Bildungsakademie der Handwerkskammer Ulm stattfinden.

Die Handwerkskammer Ulm bietet ihren Mitgliedsbetrieben eine kostenlose Vorab-Prüfung der Unterlagen eines Bewerbers an. So kann das Verfahren meist erheblich beschleunigt werden.

Vor wenigen Wochen konnte Florian Tahiraj bei der Erhardt Dentaltechnik GmbH in Ulm seine Anpassungsqualifizierung beginnen. Der aus dem Kosovo stammende junge Mann hat zuvor das Anerkennungsverfahren bei der Handwerkskammer Ulm durchlaufen und die teilweise Gleichwertigkeit seiner im Kosovo absolvierten Ausbildung zum Dentaltechniker bestätigt bekommen.

Deutsch spricht der 28-Jährige schon sehr gut, er hat sich mit Sprachkursen im Kosova auf seine neue Heimat vorbereitet. Bald wird er nun die volle Gleichwertigkeit seines Berufsabschlusses erreicht haben. Dann kann er auch einen unbefristeten Aufenthaltstitel bekommen.

Die beiden Geschäftsführerinnen Natalie Erhardt und Tanja Erhardt-Nusser sind jedenfalls ganz angetan von dem jungen Mann und seinen Fachkenntnissen: „Das passt einfach – menschlich und fachlich: Florian hat solide Kenntnisse, wir entwickeln ihn aktuell nur noch auf unseren Standard“, so Natalie Erhardt.

(Pressemitteilung: Handwerkskammer Ulm)