Der Stadtsee ist ein einzigartiges Geschichtsbuch – Forscher untersuchen ihn mit vielseitigen Methoden

Der Stadtsee ist ein einzigartiges Geschichtsbuch – Forscher untersuchen ihn mit vielseitigen Methoden
Die Stadt Waldsee im Jahr 1780, das ebenfalls zum Untersuchungszeitraum zählt. Im kleinen Bild analysiert eine Forscherin eine historische Holzprobe. (Bild: mtw/Foto: Stadtarchiv)
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Redaktion

Bad Waldsee – Eine Gruppe von Forschern hat – gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) – damit begonnen, den Stadtsee zu untersuchen.

In einem Workshop, der am vergangenen Donnerstag vor einem öffentlichen Vortrag zum Stadtseeprojekt stattfand, stellten unterschiedliche Fachrichtungen ihre Arbeit vor: Historiker forschen im Stadtarchiv, Dendrologen des Landesamtes für Denkmalschutz untersuchen alte in Bad Waldsee verbaute Hölzer, und andere Wissenschaftler nehmen aus dem Stadtsee entnommene Bohrkerne unter die Lupe. In diesen Sedimentkernen, die aus dem Seegrund gewonnen wurden, zeigen sich gewissermaßen die „Fußabdrücke“ von allem, was in den letzten Jahrtausenden in den See eingetragen wurde. Die besonders feine Schichtung der Sedimente im Stadtsee ist in Europa einzigartig: Hier können die Forscher jahresgenau ablesen.

Das Projekt verfolgt mehrere Ziele: Erstens wird die Stadtgeschichte näher erforscht, denn die Proben zeigen, ob am Ufer des Sees zum Beispiel geschmiedet und gefärbt wurde, welche Pflanzen angebaut wurden und welche Tiere gehalten wurden. Damit wird auch das zweite Ziel

erfüllt: Die Erforschung von mittelalterlichem und frühneuzeitlichem Wirtschaftsleben in Oberschwaben. Drittens sollen die Forschungen Ergebnisse bringen, die weltweit genutzt werden können: So soll die Frage geklärt werden, inwiefern der Mensch in früheren Zeiten seine Umwelt prägte. Diese Erkenntnisse sollen unter anderem in Modellen zur Klimaforschung eingesetzt werden. Das Projekt arbeitet in enger Kooperation mit dem Stadtarchiv und dessen Leiter Michael Tassilo Wild.

Die unterschiedlichsten Fachrichtungen verwenden ihre jeweils eigenen Methoden, um am Ende ein größeres Ganzes zu erschaffen. Manches klingt dabei wie Science-Fiction: Beispielsweise haben Biologen noch lebende Eier von Wasserflöhen gefunden, die wieder ausgebrütet werden. So erwachen Kleinstlebewesen zum Leben, die seit 700 Jahren auf dem Grund des Stadtsees ruhen, um mit ihren heutigen Artgenossen genetisch verglichen zu werden. Das Forschungsprojekt ist auf die nächsten Jahre hin ausgelegt. Dabei ist es auch ein erklärtes Ziel der Forschergruppe, die Ergebnisse der Bevölkerung zu vermitteln: Wenn die Pandemie wieder abklingt, stehen also weitere Veranstaltungen zu diesem Thema an.

(Quelle: Stadt Bad Waldsee)