Kriminalität Cybersicherheit im Bodenseekreis

Cybersicherheit im Bodenseekreis
Zum Thema "Cybersicherheit" bietet die Wirtschaftsförderung Bodenseekreis am 07.07. in Owingen eine Veranstaltung an. (Bild: pixabay)
WOCHENBLATT
Redaktion

Owingen – Am 7. Juli 2022 informiert die Wirtschaftsförderung Bodenseekreis GmbH (WFB) in Kooperation mit dem Polizeipräsidium Ravensburg mit freundlicher Unterstützung der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) im Gemeindehaus kultur|o in Owingen ab 18.00 Uhr über die aktuelle Lage der Cybersicherheit im Bodenseekreis.

Die kostenfreie Veranstaltung richtet sich an regionale Unternehmen, Institutionen und Interessengemeinschaften mit sensibler IT. Die Teilnehmenden erfahren, was sie zu einem Ziel für Hacker macht und wie sie sich vor Angriffen schützen. Die Angriffe auf IT-Systeme häufen sich auch im Bodenseekreis. Dabei sind nicht nur Großunternehmen betroffen, sondern vermehrt kleine und mittelständische Firmen, Behörden, Institutionen und Interessengemeinschaften. Nicht selten gehen die Angriffe von polizeibekannten, professionellen Hacker-Gruppen aus.

Ihr Vorgehen ist immer gleich: Schadsoftware einschleusen, System lahmlegen, Erpressungsversuch starten. Dabei werden häufig hohe Summen verlangt, die Betroffene innerhalb eines Ultimatums zahlen sollen, um wieder Zugriff auf Ihre Daten zu erhalten. „Wer jetzt noch denkt ‚Mir passiert das nicht‘, verschließt die Augen vor einer alltäglichen, realen Bedrohung.“, so Benedikt Otte, Geschäftsführer der WFB.

Im Jahr 2021 erreichte Cyberkriminalität in der Kriminalstatistik Baden-Württembergs mit knapp 11.000 Fällen einen neuen Höchststand – Delikte der Computersabotage an Unternehmen machten dabei den Löwenanteil aus. „Deshalb wollen wir mit unserer Veranstaltung aufklären, wo die Einfallstore für Hacker liegen und wie diese Sicherheitslücken geschlossen werden können.“, so Otte.

Wie man zur Zielscheibe für Hacker wird, erläutert der Leiter des dualen Studiengangs Informatik, Prof. Dr.-Ing. Andreas Judt, in seinem Vortrag. Er hat zusammen mit seinem Team und Studierenden des Fachs IT-Security an der DHBW Ravensburg einen sogenannten „Honeypot“ erstellt. Es handelt sich dabei um eine fingierte Firma, die im Internet als Lockmittel installiert wurde. Die Honeypot-Firma erfüllt all jene Kriterien, die auch eine echte Firma besonders attraktiv für Hacker macht.

„Das scheinbar existente, produktive Unternehmen ermöglicht es den Studierenden aktiv zu lernen, was bei einem Angriff zu tun ist, wie man ihn frühzeitig erkennt und wie die IT und damit das Unternehmen schnellstmöglich wieder voll handlungsfähig gemacht werden kann. Angriffe erfolgen nicht nur über das Internet, sondern über ganz unterschiedliche Wege, beispielsweise über ein ‚Geschenk‘ von einer Fachmesse oder das Mobiltelefon eines Besuchers im Unternehmen“, so Judt.

Laut Ermittlungsbehörden ist man einem Hacker-Angriff nicht hilflos ausgeliefert. Prävention ist jedoch das Gebot der Stunde. Polizeipräsident Uwe Stürmer betont: „Erpresserische Cyberangriffe boomen. Hier agiert eine hochprofessionelle digitale Mafia. Mit klassischen Ermittlungen stoßen wir als Polizei oft an unsere Grenzen. Umso wichtiger ist es, Vorsorge zu betreiben, regelmäßig Backups zu machen, das Personal zu schulen und Notfallpläne in der Schublade zu haben.“

Unternehmen, die bereit sind, die Angriffe öffentlich zu machen, tragen dazu bei, dass das Geschäftsmodell der Täter nicht erfolgreich ist. „Wir brauchen deutlich mehr Sensibilität für die Gefahren durch Hacker-Angriffe und eine Allianz, grundsätzlich kein Geld an Verbrecher zu bezahlen! Denn wer heute Lösegeld zahlt, fördert die Täter von morgen.“, mahnt Stürmer.

Bei einem erfolgten Hacker-Angriff können sich Betroffene an die Zentrale Anlaufstelle Cybercrime für Unternehmen und Behörden (ZAC) wenden – einem Kompetenzteam des Landeskriminalamt Stuttgart, das Meldungen über Cybercrime-Vorfälle entgegennimmt und zeitnah polizeiliche Erstmaßnahmen veranlasst.

Beispielsweise die unmittelbare Verfolgung digitaler Spuren. Die ZAC ist dabei eng vernetzt mit anderen Kontaktstellen des Bundes sowie Bundesländer und beteiligt sich an vielfältigen Cybercrime-Kooperationen mit anderen Behörden, der Wirtschaft und der Wissenschaft. Zur Veranstaltung entsendet die ZAC Spezialisten, die vor Ort über die Praktiken der Täter aufklären und als Ansprechpartner für Betroffene zur Verfügung stehen.

Als kürzlich einem Hack-Angriff ausgesetzt, wird IT-Leiter Stefan Schramm vom Medizin Campus Bodensee über seine Erfahrungen berichten.

Die Veranstaltung findet in Kooperation zwischen der WFB und dem Polizeipräsidium Ravensburg (Referat Prävention) mit freundlicher Unterstützung der DHBW statt. Eine Anmeldung ist erforderlich, die Teilnahme ist kostenfrei.

(Presssemiteilung: Wirtschaftsförderung Bodenseekreis)