Im November prägen häufig Hochdruckgebiete mit feucht-kühlem Nebel in den Niederungen und öfters lauem Sonnenschein auf den Berghöhen unser Wettergeschehen. Doch dieses Jahr war alles anders. Angetrieben von einem kräftigen, zeitweise stark böigen bis stürmischen Wind zog ein Tief nach dem anderen übers Land.
Den gesamten Monat hindurch verging kaum ein Tag ohne Regen. Dabei war es lange Zeit viel zu warm. In der dritten Dekade ging der Regen bei sinkenden Temperaturen dann aber zunehmend in Schnee über. An der Wetterzentrale in Bad Schussenried verzeichnete man 182,2 Liter Niederschlag auf den Quadratmeter und damit ziemlich genau drei Mal so viel wie im 30-jährigen Mittel und mehr als je zuvor im November in der bis 1906 zurückreichenden Beobachtungsreihe.
Damit wurde der bisherige Spitzenwert aus dem Jahre 1979 (135,5 Liter/m²) regelrecht pulverisiert. An 38 der beinahe 300 Stationen im Messnetz der Wetterwarte Süd waren es über 200 Liter/m². Alfons Ohlinger registrierte auf der Berger Höhe bei Wangen sogar 301,6 Liter/m² und Otto Wiesmann in Albbruck 310,7 Liter/m². Am meisten kam in Isny vom Himmel. Dort erfasste Timo Riedel 322 Liter/m². Besonders für die Wälder und die Grundwasserneubildung waren die satten Niederschläge nach der vorausgegangenen Trockenheit optimal, für manche vom Hochwasser betroffene Menschen jedoch ein Ärgernis.
| Tiefste Temperatur am 29.: – 2,8°C (- 3,2°C) Höchste Temperatur am 13.: + 13,3°C (+ 15,3°C) Durchschnittliche Monatstemperatur: + 5,0°C (+ 5,8°C) Monatssumme des Niederschlags: 182,2 mm (51,8 mm) Gesamtsonnenscheindauer: 60,1 Stunden (69,8 Stunden) (Die Messwerte beziehen sich auf die Wetterzentrale in Bad Schussenried, die Zahlen in Klammern geben die Vorjahreswerte an!) |
Trotz der tiefdruckbestimmten Witterung erreichte die Sonnenscheindauer vor allem über den Niederungen vielerorts das Monatssoll, da sich hier aufgrund des permanent wehenden Windes keine Nebellagen ausbilden konnten. Erstmals überhaupt seit Beginn der Schussenrieder Aufzeichnungen im Jahre 1968 verbuchten die Wetterbeobachter keinen einzigen Nebeltag (Mittelwert: 11,2 Tage).
Mit dem vorherrschenden Südwestwind kam drei Wochen lang außergewöhnlich milde Luft von der Biskaya, zeitweilig auch aus dem westlichen Mittelmeerraum nach Süddeutschland, weshalb der vergangene Monat unterm Strich ein bis eineinhalb Grad zu warm ausfiel. Ab dem 21. gelangte dann allerdings schubweise kältere Nordseeluft und später kalte Polarluft in die Region. Der Winter brachte sich in Stellung und die Schneefallgrenze sank bis in tiefere Lagen herab. Es war jetzt endgültig an der Zeit, ins Freie führende Wasserleitungen abzustellen und die Winterreifen aufzuziehen. Gab es seit Anfang August nur einzelne zu kalte Tage, waren diese mitsamt erhöhter Glättegefahr nun der Regelfall.
Abgesehen vom feucht-kühlen April fielen in diesem Jahr bislang alle Monate teils erheblich zu warm aus, allen voran der Juni und der September. Damit war 2023 auf dem besten Weg den Rekordwert aus dem Vorjahr zu überbieten. Doch nach dem frühen Wintereinbruch wird sich dies voraussichtlich erst in den aller letzten Tagen des Jahres entscheiden. Also mal sehen, was dieser Dezember noch bringen wird.
WWS-roro
INFO:
Der begehrte Jahreskalender 2024 der Wetterwarte Süd mit faszinierenden Wetter-, Natur- und Landschaftsaufnahmen von Peter Zeh ist in neuer Auflage ab sofort wieder in Bad Schussenried, im Café Andelfinger, in der Kunst DenkWerkstatt ‚Wasserhüterin‘ von Theresia Moosherr in der Wilhelm-Schussenstraße 23/1 und an der Wetterzentrale in der Konradstraße 3 sowie bei der Volksbank Bad Waldsee, bei der Bäckerei Hoh in Bergatreute und im Museum sowie beim Café Weichhardt in Biberach und demnächst auch in Riedlingen, Ravensburg und Bad Saulgau erhältlich.