Von wegen Wonnemonat Wetterstatistik der Wetterwarte Süd für Mai 2024

Wetterstatistik der Wetterwarte Süd für Mai 2024
Auch im Mai prägten Tiefdruckgebiete im Wesentlichen die Witterung // Symbolbild. (Bild: Pixabay)

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Seit Mitte Oktober haben Hochdruckgebiete einen schweren Stand. Auch im Mai prägten Tiefdruckgebiete im Wesentlichen die Witterung. Waren es anfangs nur teils heftige Schauer und Gewittergüsse, die für reichlich Nass sorgten, kam Ende des Monats mit Tief „Radha“ der große Landregen. Der Himmel öffnete seinen Schleusen.

Dabei hatte es so gut begonnen. Am 1. Mai, dem wärmsten seit 2005, herrschte bei strahlendem Sonnenschein tolles Ausflugswetter. Doch die ersten Schauer und Gewitter ließen nicht lange auf sich warten. Zwar stellte sich an dem durch Christi Himmelfahrt und einem Brückentag für viele verlängerten Wochenende vorübergehend nochmals schönes Wetter ein und auch das Pfingstwochenende konnte sich durchaus sehen lassen. Doch Tiefausläufer brachten weiteren Regennachschub, weshalb die Böden bereits gesättigt waren, als sich über dem Golf von Genua ein Tief mit feuchter Mittelmeerluft vollsog und nach Süddeutschland zog. Diese von den Meteorologen als Vb-Lage bezeichnete Wetterentwicklung ist für ihre intensiven Niederschlagsmengen vor allem im Südosten Bayerns bekannt.

Tiefste Temperatur am 04.: + 6,0°C (+ 3,7°C)
Höchste Temperatur am 01.: + 26,0°C (+ 28,3°C)
Durchschnittliche Monatstemperatur: + 14,2°C (+ 14,0°C)
Monatssumme des Niederschlags: 186,1 mm (63,3 mm)
Gesamtsonnenscheindauer: 186,5 Stunden (209,7 Stunden)
 
(Die Messwerte beziehen sich auf die Wetterzentrale in Bad Schussenried,
die Zahlen in Klammern geben die Vorjahreswerte an!)

Dieses Mal lag der Schwerpunkt allerdings weiter westlich, sodass sich von der Ostalb über die Laichinger Alb, den Großraum Ulm, die Iller und Oberschwaben bis ins Allgäu und den östlichen Bodensee drei Tage lang ohne Unterbrechung beachtliche Wassermassen ergossen. In dieser Zeit fielen hier verbreitet zwischen 100 und 150 Liter Regen/m², am meisten an der Messstation von Karl-Heinz Schweigert in Leutkirch mit 195 Liter/m², gefolgt von Gaisbeuren. Dort verbuchte Daniel Maucher 185 Liter/m². Bei Alfons Ohlinger auf der Berger Höhe oberhalb von Wangen waren es 173,8 Liter/m², davon allein 134 Liter/m² am 31. (Freitag). Erheblich weniger gab es Richtung Westalb, Baar und Schwarzwald. So meldete Leo Hofmann für den selben Zeitraum aus Winterlingen gerade mal 25,8 Liter/m².

Durch die anhaltenden und ergiebigen Regenfälle kam es gebietsweise zu massiven Überflutungen. Die Folgen sind bekannt. Besonders betroffen war unter anderem Meckenbeuren, wo die Schussen mit 4,86 Meter einen historischen Höchststand erreichte (bisheriger Rekordwert: 4,51 Meter). Auch an der Umlach, der Rottum, der Weihung und Wurzacher Ach wurde ein 100-jährliches Hochwasser mit neuen Pegelspitzen verzeichnet. An größeren Flüssen, wie an der Donau blieben die Pegelmarken unter denen des Pfingsthochwassers 1999.

In den waldreichen Regionen wären die Wasserstände ohne die Schwammfunktion der Waldböden mit Sicherheit noch höher aufgelaufen. Außerdem haben teilweise die Schutzmaßnahmen der letzten Jahre gegriffen. Es muss allerdings auch wieder einmal nachdrücklich betont werden, dass die Versiegelung der Landschaft verheerende Auswirkungen haben kann. Vereinfacht gesagt: Je weniger Versickerungsflächen desto mehr Versicherungsfälle. Und nicht auszudenken, derartige Regenmengen fallen in zwei/drei Stunden, angesichts des rasant fortschreitenden Klimawandels keineswegs abwägig.

Dass die Sonnenscheindauer überall deutlich unter dem 30-jährigen Soll liegt, passt in das Bild eines insgesamt gesehen recht tristen Monats. Der, und das mag überraschen, beinahe ein Grad zu warm ausfiel. Das lag jedoch nicht an überdurchschnittlich hohen Tagestemperaturen sondern daran, dass sich die Luft durch die häufig schützende Wolkendecke nachts nicht sonderlich stark abkühlen konnte. Übrigens auch eine Erklärung dafür, warum die Eisheiligen dieses Jahr kein Unheil anrichten konnten und Spätfröste ausblieben. 

                                                                                                                                                 WWS-roro