Unklare Magen-Darm-Beschwerden, Schlappheit, Übelkeit, Brech-Durchfall: Am Mittwoch mussten Wanderer von verschiedenen Hütten um Oberstdorf herum ins Tal geflogen werden. Grund war das hochansteckende Norovirus.
Erste Informationen gab es bereits am Mittwochmorgen gegen neun Uhr von mehreren Hütten. Laut Landratsamt Oberallgäu war zu diesem Zeitpunkt das Infektionsgeschehen noch unklar. Im weiteren Tagesverlauf mehrten sich die Meldungen über Magen-Darm-Erkrankungen.
Schnell reagiert: Mit dem Hubschrauber ins Tal
Im Verlauf des Tages wurden Personen mit entsprechenden Symptomen per Hubschrauber ins Tal geflogen, um direkt vor Ort medizinisch versorgt werden zu können. Im Langlaufzentrum Oberstdorf wurde zu diesem Zweck ein entsprechender Behandlungsplatz eingerichtet. Bis zum Nachmittag wurden bereits neun Erkrankte aus den Hütten abtransportiert.
Rund 60 Hilfskräfte von BRK, Johanniter, Bergwacht, Polizei und des Gesundheitsamtes Oberallgäu waren beteiligt. Für den Transport pendelten zwei Hubschrauber zwischen Berg und Tal. In der Annahme, dass sich im Verlauf der Nacht weitere Erkrankte auf den verschiedenen Hütten einfinden werden, stellten die Einsatzkräfte am Nachmittag die nächtliche Einsatzbereitschaft sicher.
Ärzte und Sanitäter auf den betroffenen Hütten
Dafür wurden mehrere Teams, bestehend aus einem Arzt, einem Sanitäter und einem Mitglied der Bergwacht auf betroffenen Hütten stationiert. Weitere mobile Teams hielten sich im Tal bereit.
Am heutigen Donnerstag gab es Meldungen über vier weitere Fälle von Magen-Darm-Erkrankungen. Alle stehen im Zusammenhang mit einer der betroffenen Berghütten. Alle anderen Hütten meldeten auch in der Nacht keine neuen Fälle von betroffenen Personen.
Geschehen wird weiter beobachtet
Das Gesundheitsamt des Landkreises Oberallgäu und die beteiligten Hilfsorganisationen werden den weiteren Verlauf über das Wochenende beobachten. Auch die Ursache des Ausbruchsgeschehens wird weiter untersucht. Ob hier endgültige Aufklärung möglich ist, ist allerdings fraglich – das zeigt die Erfahrung der vergangenen Jahre.
Ob die Erkrankten sich tatsächlich mit dem Norovirus infiziert hatten, ist derzeit noch offen. Die Labordiagnostik wird noch einige Tage in Anspruch nehmen. Das Landratsamt hält die Bevölkerung auf dem Laufenden.
Auf- und Abstieg unbesorgt genießen
Für Wanderer, die sich in die Oberstdorfer Bergen begeben möchten, gab es eine Entwarnung. Sie können Auf- und Abstieg unbesorgt genießen.Gegebenenfalls empfiehlt es sich, bei der jeweiligen Hütte direkt anzufragen, ob es zu Änderungen in den Öffnungszeiten kommt. Wer sich bei seiner Wanderung in den Bergen unwohl und in der Lage fühlt, sollte gegebenenfalls über einen Abstieg nachdenken und einen Arzt konsultieren.
Die Wirte der betroffenen Hütten haben den Bettenwechsel für umfassende Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen genutzt. Von offizieller Stelle wurde keine Hütte geschlossen.
Was machte diesen Einsatz für die Rettungskräfte kompliziert?
Am Mittwoch waren zwischen 300 und 400 Menschen in den Oberstdorfer Bergen unterwegs. Wie viele von ihnen in der vorangegangenen Nacht auf einer der betroffenen Hütten verbracht hatten und potenziell mit dem Virus in Kontakt gekommen sind, war im Nachgang nicht mehr zu ermitteln.
Aufrufe zum sofortigen Abstieg wären in Anbetracht der Wetterlage, die für den Mittwochnachmittag Gewitter prognostiziert hatte, nicht sinnvoll gewesen. Die Einsatzleitung entschied deshalb, die Hütten geöffnet zu lassen und informierte an den Haupteinstiegspunkten Wanderer über das Ausbruchsgeschehen. Darüber hinaus setzte sie die Leitstellen Vorarlbergs und Tirols in Kenntnis. Der Einsatz verlief dank der Hilfsorganisationen sehr professionell. Der Katastrophenfall wurde nicht ausgerufen.
Was ist das Norovirus?
Das Norovirus ist eine hochansteckende Viruserkrankung, die durch Tröpfchen- und Schmierinfektion übertragen wird und sich durch Brech-Durchfall äußert. In der Regel ist die Krankheit nicht lebensbedrohlich. Die Inkubationszeit beträgt zwischen 24 und 36 Stunden. Norovirus-Ausbrüche kommen auf Allgäuer Hütten aufgrund der Unterbringungssituation und der regen Wanderbewegungen zwischen den Hütten immer wieder vor. Gelingt es, die Infektionsketten schnell zu durchbrechen, kann das Ausbruchsgeschehen meist binnen eines Tages unter Kontrolle gebracht werden.
Dazu waren Mitarbeitende des Oberallgäuer Gesundheitsamtes auf den verschiedenen Hütten unterwegs, entnahmen Lebensmittel- und Wasserproben, wiesen die sorgfältige Reinigung und Desinfektion der Hütten an und unterrichtenden die Belegschaften über korrekte Hygienemaßnahmen. Zugute kamen den Hüttenwirten und den Einsatzkräften dabei die Erfahrungen und daraus resultierenden Vorbereitungsmaßnahmen aus den vergangenen Jahren.
(Quelle: Landratsamt Oberallgäu)